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Auf diesem Titelbild einer jüdischen Zeitung versteckt sich eine dramatische Warnung

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Seit 175 Jahren existiert die jüdische Tageszeitung "Jewish Chronicle". Das sollte eigentlich ein Anlass zur Freude sein. Doch dem Verantwortlichen ist so gar nicht nach Feiern zumute, seit Donald Trump zum Präsidenten "gewählt" wurde. Die jüdische Gemeinde hat nicht viel für den Bauherren übrig. Genau genommen fürchten sich viele Juden vor seiner angekündigten Politik.

Eine Sonderausgabe zum Jubiläum wollte sich das Blatt trotzdem nicht nehmen lassen - auch wenn diese eine dramatische Warnung enthält. Sie ist auf dem Titelblatt verborgen.

Zeitung zieht Vergleich zwischen Wahlausgang und NS-Zeit

Denn für die Sonderausgabe, die auch zum 175-jährigen Bestehen des "Jewish Chronicle" gedruckt wurde, wählte die Redaktion ein historisches Cover: Das Titelbild erinnert an die Ausgaben der 1930er Jahre. Jene Jahre, in denen der Nationalsozialismus in Deutschland wuchs, der im Holocaust mündete.

Bis zu 6,1 Millionen Juden verloren durch die Hand der Nationalsozialisten ihr Leben.

Durch das Titelbild wird klar, welchen Vergleich die Tageszeitung hier zieht: Sie vergleicht Trumps geplante Politik indirekt mit der Politik der Nazis - und drückt damit die Befürchtung vor einer erneuten Jagd auf Anhänger der jüdischen Religion aus.


Zum Vergleich die Ausgabe vom 20. April 1936:

jewish chronicle


Juden wählen Clinton

Diese Abneigung jüdischer Amerikaner gegen Trump zeigt sich aber nicht nur hier, sondern auch bei den US-Wahlen: In den USA leben rund sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens. Mehr als 90 Prozent der in Amerika lebenden Juden sind als Wähler registriert - 71 Prozent von ihnen, die am Dienstag den Gang zur Wahlurne antraten, wählten für Hillary Clinton. Keine Glaubensgemeinschaft stellte sich so deutlich hinter die ehemalige First Lady.

Weil Trump für sie einfach nicht wählbar war.

"Trump ist ein rassistischer Demagoge"

"Rassismus widerspricht zutiefst jüdischen Prinzipien", sagte der Politik-Journalist Hannes Stein in einem Interview mit dem Radiosender "Deutschlandfunk". "Donald Trump ist ein rassistischer Demagoge, ein Frauenfeind außerdem. Er ist völlig unberechenbar. Und deswegen haben viele Konservative (...) sehr früh gesagt, dass sie absolut gegen Donald Trump sind. Das findet man auch bei Juden", erklärt Stein.

Als klar war, dass Donald Trump der neue Präsident der USA wird, positionierte sich die Tageszeitung "Jewish Chronicle" deutlich gegen den Republikaner. In einem aktuellen Artikel erklärt die Zeitung: "Dass ein solcher Mann zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden kann, ist zutiefst ernüchternd."

Und weiter: "Seine Überlegenheit ist besorgniserregend. Seine Kampagne war antisemitisch. Eines seiner Hauptthemen war die Verschwörungstheorie, dass sich eine globale Elite gegen die normalen Amerikaner formiert hat. Das ist nicht nur ein klassisches antisemitisches Mem - er bediente sich ausschließlich jüdischer Zitate, um seine These zu stützen. Jeder, der das abstreitet, lebt in einer selbstkreierten Fantasie-Welt."

Mehr zum Thema: Geheimnisvolle Bewegung befeuert den Judenhass unter deutschen Linken

Immer wieder griff Trump Minderheiten an

Donald Trump nahm bereits im Wahlkampf kein Blatt vor den Mund, wenn es um Minderheiten ging. Er wollte eine Mauer zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten errichten - immerhin seien, seinen Aussagen zufolge, die Mexikaner Vergewaltiger, die in den USA nichts verloren hätten.

Er sagte Sätze, die viele Juden nicht vergessen wollten und haben. Und die ausschlaggebend dafür waren, nicht für den Republikaner zu stimmen.

Thora: Fremdlinge sollen geliebt werden

"Ich weiß gar nicht, wie oft es in der Thora heißt, dass wir den Fremdling lieben sollen – aber ziemlich häufig, wenn ich mich richtig daran erinnere. Natürlich nicht jeden Fremdling, nicht den Fremdling, der mir die Kehle durchschneidet. Aber das tun diese mexikanischen Immigranten ja gar nicht", verteidigt Stein, der Mitglied einer jüdischen Gemeinde in New York ist, die Entscheidung vieler Juden.

Dass er keinen guten Stand bei Anhängern jüdischen Glaubens hat, dürfte Donald Trump klar sein: Erst im Dezember sagte er seine Reise nach Israel ab. Er wollte sich dort mit dem Premierminister Benjamin Netanjahu treffen.

Vielleicht wäre sein Wahlsieg deutlicher ausgegangen, wenn er den Trip wahrgenommen hätte. Vielleicht hätte er es dann sogar geschafft, mehr Stimmen als seine Konkurrentin Hillary Clinton zu sammeln.

Mehr zum Thema: Die Mehrheit des amerikanischen Volkes hat Hillary Clinton gewählt

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(cho)