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Erdogan will Türkei erweitern: "Wir werden nicht Gefangene auf 780.000 Quadratkilometern sein"

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hegt Großreich-Fantasien. Und immer offener drückt er diese aus. Ausgerechnet am Todestag des türkischen Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk sagte Erdogan: "Wir werden nicht Gefangene auf 780.000 Quadratkilometern sein." Das berichtet die Nachrichtenagentur AP.

In den vergangenen Wochen hatte Erdogan wiederholt die Grenzen der Türkei infrage gestellt. Über den Vertrag von Lausanne, der 1923 die modernen Grenzen der Türkei festlegte, sagte Erdogan kürzlich: „In Lausanne haben wir Inseln weggegeben, so nah, dass eure Stimmen dort gehört werden können, wenn ihr hinüberschreit. Ist das ein Sieg?“ Und schob nach: „Das waren unsere. Dort sind unsere Moscheen, unsere Schreine.“

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Äußerung haben symbolischen Charakter

Doch nicht nur griechisches Staatsgebiet scheint der türkische Präsident ins Auge gefasst zu haben: "Unsere Brüder auf der Krim, im Kaukasus, in Aleppo und Mossul mögen jenseits der physischen Grenzen sein, aber sie sind innerhalb der Grenzen unserer Herzen", sagte Erdogan am Donnerstag.

Dass Erdogan diese Äußerungen gerade am Todestag Atatürks trifft, ist von einer nicht zu unterschätzenden politischen Brisanz. Atatürk, der die Türkei als Reformer an Europa annäherte, war es, der die Grenzen der Türkischen Republik in den zwanziger Jahren mitaushandele.

Atatürk verteidigte die Republik und ihre Werte vehement. Zu diesen zählte auch der Säkularismus, den Erdogan immer offener angreift. Statt dem Modell der modernen Türkischen Republik hängt Erdogan der nostalgischen Vorstellung des Osmanischen Reiches an.

Drohende Worte im Nebensatz

Einen vollständigen Bruch mit der Tradition Atatürks wagt Erdogan dennoch nicht. Erst kürzlich wurde eine riesige Mustafa-Kemal-Fahne am Gebäude der der AKP-Parteizentrale hinuntergelassen. Und auch in seiner Rede am Donnerstag pries Erdogan den von den Türken verehrten Atatürk als „Krieger“, der „ein großes Werk“ hinterlasse habe.

Das Entscheidende schob er hinterher: „Wir werden die Unabhängigkeit der Republik, das Erbe, das er ließ, immer weiter verstärken.“

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