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Die Mehrheit des amerikanischen Volkes hat Hillary Clinton gewählt

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(Eine Zusammenfassung des Textes seht ihr im Video oben.)

Es ist eine der wichtigsten Errungenschaften der deutschen Demokratie. Der Grundsatz: Jede Stimme zählt gleich viel. Egal, ob sie von einem Mann oder einer Frau, von einem alten ungebildeten oder einem jungen gebildeten Wähler abgegeben wird. Es spielt hierzulande bei der Bundestagswahl auch keine Rolle, ob man seine Stimme in Berchtesgaden oder in Hamburg abgibt.

Nicht so in den USA: Ausgerechnet im selbsternannten Mutterland der Demokratie gibt es Wähler erster und zweiter Klasse, ist eben nicht jede Stimme gleich. Wer etwa in Kalifornien lebt, dessen Stimme hat nicht dasselbe Gewicht wie die eines Farmers im Mittleren Westen – oder gar in einem sogenannten Swing State wie Ohio.

Clinton hat wohl mehr Stimmen als Trump

Dies zeigen diese beeindruckenden Zahlen: Um kurz vor 17 Uhr kam die Demokratin Hillary Clinton auf rund 59,35 Millionen, Donald Trump dagegen auf nicht einmal 59,18 Millionen Stimmen. Zu diesem Zeitpunkt waren 98 Prozent der Stimmen ausgezählt.

Gerade einmal 48 Prozent der zur Wahl gegangenen US-Amerikaner stimmten demnach für den umstrittenen Republikaner, etwas mehr von ihnen votierten für Clinton, der Rest für einen der Kandidaten der Kleinstparteien.

wahlen

Doch Trump hat bereits mindestens 276 Wahlmänner-Stimmen auf sich vereint, Clinton gerade einmal 218. Zum Vergleich: 270 Wahlmänner reichen bereits zur absoluten Mehrheit. Nach aktuellem Stand hat also Clinton mehr Stimmen bekommen, Trump aber deutlich mehr Wahlmänner.

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Selbst wenn Trump am Ende doch - wider Erwarten - noch auf eine absolute Zahl der Wählerstimmen kommen würde: Seine Mehrheit an Wahlmännern wäre relativ gesehen deutlich höher als seine tatsächlich bei den US-Wählern erzielte Mehrheit.

Schon 2000 zeigte sich, wie ungerecht das Wahlsystem in den USA ist

Wie undemokratisch das US-Wahlmänner-System ist, zeigte sich vor allem bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2000. Damals zog der umtriebige George W. Bush in das Weiße Haus ein. Dabei hatte sein Konkurrent Al Gore landesweit mehr als eine halbe Million Stimmen mehr als er auf sich vereint.

Dies hängt mit dem komplett veralteten Wahlsystem der Vereinigten Staaten zusammen. In fast allen der 50 US-Bundesstaaten werden die Wahlmänner nämlich nicht in dem Verhältnis des Wahlergebnisses auf die Kandidaten verteilt. Stattdessen gilt das Prinzip "The Winner takes it all".

Der Sieger in Florida zum Beispiel gewinnt am Ende alle 29 Wahlmänner, selbst wenn er prozentual nur knapp vorne liegt. Lange Zeit lag diesmal etwa Clinton in dem Rentner-Paradies vorne, am Ende nützte ihr das überhaupt nichts. Alle Stimmen gingen an Trump.

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Ein anachronistisches Wahlsystem

Besonders wichtig sind de facto die Wahlstimmen aus den sogenannten Swing States. Während manche Staaten wie Kalifornien traditionell in demokratischer Hand sind und andere wie Oklahoma in republikanischer, war der Ausgang in den "Swing States" bis zuletzt völlig offen.

Deshalb sind die Kandidaten mit ihren Kampagnen dort besonders aktiv. Den Wählern in dieser Region wird dann auch schon einmal mehr versprochen als etwa den Anhängern eines Kandidaten in den als sichere Bank eingestuften Bundesstaaten.

Das Modell stammt aus einer Zeit, in der die Wahlmänner mit Pferden die Ergebnisse in das ferne Washington brachten. Im Internet-Zeitalter ist das ein absoluter Anachronismus.

Auch in Deutschland gab es nicht immer ein freies und gleiches Wahlsystem: In Preußen etwa wurden die Wähler bis zum Ersten Weltkrieg bei den Landtagswahlen in drei Klassen eingestuft – wer mehr Steuern zahlte, dessen Stimme hatte mehr Gewicht. Ein System, das im 19. Jahrhundert vielen Beobachtern als durchaus fortschrittlich galt.

Doch Zeiten ändern sich: Traurig, dass ausgerechnet ein High-Tech-Land wie die USA noch immer so rückstündig ist.

Update, Mittwoch, 10. November, 18:50 Uhr:
Mittlerweile ist der Vorsprung Clintons bei der Gesamtzahl aller landesweit abgegeben Stimmen auf 235.000 angewachsen. Doch, obwohl die Demokratin damit auf 48 Prozent der Stimmen kommt, Trump nur auf 47 Prozent, ändert dies nichts am Sieg des Republikaners.

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(vr)