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Was Donald Trump als neuer US-Präsident für die Welt bedeuten könnte

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DONALD TRUMP
Donald Trump ist der neue US-Präsident - das wird auch für die Welt nicht ohne Folgen bleiben | Brian Snyder / Reuters
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Laien wie Experten starren nach den jüngsten Entwicklungen in der US-Wahlnacht auf die Vereinigten Staaten. Das Undenkbare ist wahr geworden. Donald Trump hat die Präsidentschaftswahlen gewonnen. Er hat sich gegen die ehemalige Außenministerin Hillary Clinton durchgesetzt.

Die Amerikaner haben nicht nur ihren Staatschef gewählt. Sie wählten eine Person, die die Welt prägen wird.

Trump: Von wegen klare Kante

Trump erweckt zwar gern den Anschein, klare Kante zu zeigen. Nach dem Motto: America First. Tatsächlich kann man bei Trump nur sicher sein, dass nichts sicher sein wird.

Seine ohnehin wenigen Aussagen zur Außenpolitik zeigen: Er hat seine Pläne nicht durchdacht. Und was er heute sagt, muss morgen nicht mehr gelten.

Ein Beispiel: Mal lobt er Kanzlerin Angela Merkel (CDU) als "wahrscheinlich größte Regierungschefin der Welt" , um ihr dann vorzuwerfen, sie ruiniere Deutschland mit ihrer Flüchtlingspolitik - nur um dann wieder zurückzurudern, er sei ja immer "pro Merkel" gewesen, nur in diesem einen Punkt sei er eben "enttäuscht".

"Impulsiv, narzisstisch, absolut unberechenbar"

trump

Der Grund für dieses Chaos liegt in Trumps Persönlichkeit. Michael Bröning, Leiter des Referat Internationale Politikanalyse der SPD-nahen Friedrich Ebert Stiftung (FES), fällte einige Tage vor der Wahl im Gespräch mit der Huffington Post ein vernichtendes Urteil: "Im Fall seines Sieges stünde erstmals ein Renegat an der Spitze einer Weltmacht. Ein höchst impulsiver, narzisstischer und letztlich absolut unberechenbarer Mann ohne jede moralische Führungsfähigkeit."

Belgien, diese hübsche Stadt ...

Zu diesem Charakter kommt ausgeprägtes Unwissen. Belgien ist für Trump eine "schöne Stadt" und über die Schotten, die für einen Verbleib in der EU gestimmt hatten, twitterte er:

Das Volk der Kurden (englisch "kurds") brachte der potenzielle Oberbefehlshaber eines der mächtigsten Armeen der Welt schon mit einer iranischen Eliteeinheit, den Al-Kuds-Brigaden ("Quds Brigade") durcheinander.

Dieses Unwissen lässt sich der Milliardär auch von Beratern nur bedingt austreiben. "Er hätte definitiv umfassenden politischen Beratungsbedarf", sagt Bröning. "Wir wissen aber, dass seine Beratungsresistenz ebenso ausgeprägt ist." Das sei umso bedrohlicher, als das US-System der checks and balances Trump zwar innen- aber nicht außenpolitisch einhege.

Diplomatie, der Kitt der Weltgemeinschaft, geht Trump völlig ab. "Nach allem, was wir im Wahlkampf erlebt haben, kennt Trump keine Zwischentöne, sondern nur Gewinner und Verlierer", sagt Bröning. Politische Gepflogenheiten interessierten ihn noch weniger als internationales Recht. Kooperation auf internationaler Ebene werde so fast unmöglich.

"Trumps Sieg wäre fast eine Katastrophe"

Ein Sieg Trumps würde für die internationale Politik aus Brönings Sicht deswegen ein "enormes Risiko, fast eine Katastrophe" bedeuten.

Was ein US-Präsident Trump konkret verändern könnte, zeigt ein kleiner Überblick:

Nato und UN

Trump hält die US-Ausgaben innerhalb der Nato für zu hoch. Vergangenes Jahr kam das Land für mehr als 70 Prozent der Militärkosten auf. Trump erwartet mehr Beteiligung anderer Länder wie Südkorea, will gegebenenfalls US-Truppen aus dem Ausland zurückholen, wie er in einem Gespräch mit der "New York Times" sagte. Er würde sich vorbehalten, Nato-Partnern nicht beizuspringen, falls diese ihre Verpflichtungen gegenüber den USA nicht einhielten. Sein Credo auch hier: America first.

nato
Die Nato (hier Generalsekretär Jens Stoltenberg) könne unter Trump schwächer werden

Die Äußerungen bedeuten einen Bruch im traditionellen Widerstand der republikanischen Partei gegen Russland und haben auch intern Empörung ausgelöst.

Ex-Nato-Chef Anders Fogh Rasmussen sagte, er fürchte, Trump würde die Nato schwächen und die Rolle der USA als Weltpolizist aufgeben. Eine Aussicht, die viele angesichts der Fehler der USA etwa in Afghanistan ganz verlockend fänden. Doch Experten fürchten, dass dieses Vakuum dann von Kräften wie Russland und China gefüllt würde. Die Welt könnte noch instabiler werden. Die westliche Wirtschaft könnte massiv darunter leiden. Damit würde auch Trumps Ziel "America First" gefährdet.

Die Vereinten Nationen (UN) warnten sogar vor Trump. Menschenrechtskommissar Zeid Ra’ad al-Hussein nannte Trumps Pläne "gefährlich".

Experte Bröning resümiert: "Ein Sieg Trumps wäre ein harter Schlag für die westliche Wertegemeinschaft, ein Stich ins Herz."

Europa

Diverse Rechtspopulisten aus erster, zweiter und dritter Reihe haben Trumps nationalistischen Kurs bejubelt. Ein Sieg Trumps wäre für sie ein "Fanal", sagt Bröning. Gleichzeitig aber müsse auch die etablierte Politik reagieren – und das könnte den gegenteiligen Effekt haben. "Wenn die Nato unter Trump leidet, ist durchaus denkbar, dass die europäischen Regierungen ihre Zusammenarbeit in der Außen- und Sicherheitspolitik intensiveren, um international überhaupt noch ein Gewicht zu haben.

Syrien und Irak: Planlos mit Geheimplan

Trump hat einerseits angekündigt, dass ihn Kriege anderer Nationen nicht interessieren. Einen Geheimplan, wie er die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) innerhalb kürzester Zeit ausschalten könnte, hat er angeblich aber auch. "Angesichts dieser widersprüchlichen Aussagen ist nicht abschätzbar, wie er wirklich im Nahen Osten agieren würde", sagt Bröning.

Israel: Freundschaft auf Kosten der Palästinenser

jerusalem
Wenn es nach Trump geht, haben Palästinenser in Jerusalem nichts mehr zu suchen

Was Israel angeht, ist Trumps Haltung allerdings recht klar: Er hat sich demonstrativ hinter die aktuelle Regierung gestellt. Ein taktisch kluges Manöver, weil er die Stimmen der jüdischen Bevölkerung in den USA braucht. Er hat sich für Jerusalem als "ungeteilte Hauptstadt Israels" ausgesprochen. Israel hält einen Teil der Stadt besetzt, der nach Ansicht vieler Staaten – bislang auch der USA – den Palästinensern zusteht.

Iran: Zurück zur Feindschaft

Viel Beifall in Israel hat Trumps Ankündigung bekommen, das mühsam ausgehandelte Atomabkommen mit dem Iran aufzukündigen. Das Abkommen gilt als Meilenstein in den Beziehungen des Westens zum Iran. Ein Bruch würde wieder aufkeimende Handelsbeziehungen sabotieren und neue Spannungen in der Region schüren.

Russland: Freundschaft der Rechtbrecher

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Russlands Präsident Wladimir Putin

Trump hat Sympathie für Russlands Präsident Putin bekundet, ruderte aber zuletzt zurück und gab sich neutral. Russland wiederum steht im Verdacht, E-Mail-Konten der US-Demokraten gehackt und so den Wahlkampf zugunsten Trumps beeinflusst zu haben. "Es ist gut möglich, dass sich die Spannungen zwischen Russland und den USA unter einem Präsidenten Trump zunächst verringern würden", sagt Bröning. "Doch das geschähe aus den falschen Gründen. Denn wenn Putin und Trump etwas eint, dann eine wachsende Missachtung des internationalen Rechts". So hatte Trump de facto Russlands Annexion der Krim akzeptiert.

Afrika: Total egal

Trump hat sich in seiner außenpolitischen Grundsatzrede gerade einmal auf Afrika bezogen. "Und zwar auf den Anschlag auf die US-Botschaft in Tansania 1998", sagt Bröning. "Das spricht Bände über seine Prioritäten." Das denkwürdigste an seinen Ausführungen dazu: dass er das Land auch noch falsch aussprach.

Asien: wenn alles gut geht, gibt's nur einen Handelskrieg

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Dass Trump wie US-Präsident Barack Obama (l.) mit Chinas Präsident Xi Jinping anstößt, erscheint wenig wahrscheinlich

Bröning fürchtet eine massive Verschlechterung der amerikanisch-chinesischen Beziehungen. Derzeit spreche einiges dafür, dass Trump und die Machthaber in Peking nicht gerade harmonieren würden. "Ein Handelskrieg gilt da fast schon als die beste denkbare Option." China und die USA konkurrieren im Pazifik um wirtschaftliche und strategische Partnerschaften.

UPDATE: Der Text vom 4. November wurde am 9. November aktualisiert.

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(mf)