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Internationale Medien schlagen nach Trump-Sieg Alarm - nur eine kanadische Zeitung zeigt sich entspannt

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NEWSPAPER TRUMP
Donald Trumps Konterfei dominierte die Titelseiten | Reuters
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  • Der Sieg von Donald Trump in der US-Präsidentschaftswahl kam überraschend - auch für die meisten Medien
  • Jetzt versucht sich die internationale Presse an einer Ursachenforschung für das Ergebnis

Donald Trump hat die US-Präsidentschaftswahl gewonnen. Die nationale wie internationale Presse ist gleichermaßen geschockt wie auf der Suche nach den Ursachen. Für die meisten Medien kam das Ergebnis ganz offensichtlich überraschend.

Trump sei gewählt worden, da er die Unzufriedenen trotz - oder gerade wegen - seiner Ausfälle überzeugen konnte, schreiben die meisten. Viele Zeitungen sehen auch deshalb Parallelen zum Brexit.

Auf der anderen Seite habe Hillary Clinton die Wählerschaft einfach nicht auf ihre Seite ziehen können, sie habe kein zufriedenstellendes Konzept gegen den Populismus des Republikaners gehabt - und wurde obendrein als Vertreterin des von vielen verhassten Establishment wahrgenommen.

Fast übereinstimmend sorgt sich die internationale Presse um die außenpolitischen Folgen der Wahl. Aber auch innenpolitisch stehen unruhige Zeiten bevor, die Spaltung der Bevölkerung werde sich nun noch weiter verstärken.

Deutschland:

"Ein totalitärer Blender und betrügerischer Dilettant hat es geschafft, sich ins Weiße Haus wählen zu lassen", kommentiert die "Zeit" den Wahlausgang. "Donald Trump ist ein epochales Desaster, das nicht nur dieses große Land und seine Demokratie auf Jahre hinaus verändern wird. Die ganze Welt wird die Auswirkungen dieses Fehlers spüren", so die Zeitung.

Die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") zeigt sich ebenfalls fassungslos. Das Unvorstellbare sei nun Wirklichkeit geworden. Zum US-Präsidenten - und damit zum mächtigsten Mann der Welt - wurde "ein Narzisst, ein notorischer Lügner, ein Sexist, ein Rassist, ein Chauvinist, ein Populist, ein Demagoge" gewählt, so die "SZ". Die Zeitung glaubt deshalb, dass es keine "sonderlich gewagte Vorhersage" sei, dass Trump die USA in "gewaltige Probleme stürzen wird".

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Nüchterner kommentiert hingegen die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") den Sieg des Republikaners: "Es ist so gekommen, weil der 'Aufstand des Populismus' mächtiger war als alle Warnungen vor Trumps Unberechenbarkeit."

Doch auch die "FAZ" bezeichnet Trump als "Demagogen", der insbesondere "weiße Wähler auf dem Land und vor allem in den alten Industriestaaten" mobilisieren konnte. Letztendlich hätten sich zudem Vermutungen als Gerede erwiesen, "dass traditionelle republikanische Wähler sich von Trumps Krawallrhetorik angewidert abwenden würden".

USA:

Trumps Wahlsieg "ist ein ernüchternder Schlag für die Nachrichtenpresse, Meinungsforscher und die Clinton-dominierte Führung der Demokraten", konstatiert die "New York Times". Die Zeitung analysiert, dass Trump jede Norm der amerikanischen Politik herausforderte und so zuerst die Republikanische und dann die Demokratische Partei kippen konnte.

Zwar hätten Frauenfeindlichkeit und Rassismus eine Rolle bei seinem Aufstieg gespielt, "aber genauso auch das starke und rücksichtslose Verlangen nach Veränderung". "Dieser Wandel hat nun die Vereinigten Staaten am Abgrund platziert", fasst die "New York Times" das Ergebnis zusammen.

Genau wie der Brexit habe auch das Ergebnis der US-Wahl die Eliten und das Establishment "total überrascht", glaubt die "Washington Post". "Die Überraschung wurde übersehen bis sie zuschlug. Trumps Sieg war jedoch weit schockierender. Es war ein Ereignis à la 'das kann hier nicht passieren', das nun als einer der großen Überraschungserfolge in die politische Geschichte eingehen wird."

Auch deshalb sei das ganze "eine amerikanische Tragödie", wie "The New Yorker" titelt. "Die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten ist nichts weniger als eine Tragödie der amerikanischen Republik, eine Tragödie für die Verfassung und ein Triumph für alle naiven, autoritären, frauenfeindlichen und rassistischen Kräfte - national wie international."

Das Magazin schreibt weiter, Trumps "schockierender Sieg" sei ein "widerliches Ereignis" in der Geschichte der USA und der liberalen Demokratie.

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Kanada:

Die kanadische Zeitung "Globe and Mail" fürchtet sich, "dass Trumps Präsidentschaft die Spaltung der Gesellschaft vorantreiben wird und neue Trennungen entstehen werden - vor allem mit Amerikas Verbündeten, darunter auch Kanada". Die nördlichen Nachbarn warnen zudem vor dem "unberechenbares Naturell", dem Rassismus und der Frauenfeindlichkeit Trumps.

Dennoch zieht die Zeitung ein eher positives Fazit: "Wir sollten einander daran erinnern, dass die Menschen bereits seit zweieinhalb Jahrhunderten gegen die Vereinigten Staaten wetten und niemand hat bisher Recht behalten - auch diesmal wird das nicht der Fall sein."

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Frankreich:

"Die Weltmacht ist nun in den Händen der extremen Rechten", schlägt die französische Tageszeitung "Libération" Alarm. "Die Hälfte der Amerikaner stimmten mit gutem Gewissen für einen rassistischen, lügenden, sexistischen, vulgären und scheußlichen Kandidaten."

Der "Libération" zufolge sind es vor allem weiße Männer aus der Mittelschicht gewesen, die Trump gewählt haben: "Aus Angst vor Stillstand, Armut, Einwanderung und Terrorismus - vor allem aber hatte die Mehrheit Angst ihren Status zu verlieren."

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Großbritannien:

Der britische "Guardian" sucht die Gründe für die Wahlniederlage Clintons hingegen bei den Demokraten und den liberalen Kräften selbst. "Hillary Clinton war die exakt falsche Kandidatin: Eine Technokratin, die nur Feintuning anbot, obwohl das Land den Vorschlaghammer nehmen wollte."

Österreich:

"Diese Wahl war ein krachendes Votum gegen die herrschende Elite in Washington und gegen die politische Korrektheit", analysiert die österreichische Zeitung "Die Presse". Letztlich habe die Ablehnung gegen "die da oben" schwerer gewogen als die Abscheu gegen die geschmacklosen Rundumschläge Trumps.

"Er verwendete keine typischen Politiker-Floskeln, sondern bediente enthemmt Ressentiments. Seine Gegnerin, die vermeintliche Favoritin Hillary Clinton, verkörperte hingegen das verhasste Establishment." Damit könne die Wahl am Ende auch als ein Referendum gegen die Demokratin gewertet werden, so "Die Presse".

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Schweiz:

Auch der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ) zufolge wurde "ein Demagoge gewählt". Innenpolitisch werde Trump wohl aufgrund der "checks and balances" von Alleingängen abhalten werden. Jedoch verfüge der Präsident aussenpolitisch über weitreichende Autonomie.

Die Schweizer "NZZ" warnt: "Hier lauert auch die größte Gefahr der Präsidentschaft Trump: Niemand hält den 70-Jährigen davon ab, das amerikanische Verteidigungsversprechen gegenüber der Nato aufzukündigen, mit Russlands Präsident Putin anzubandeln oder Amerikas Berater aus Syrien oder dem Irak abzuziehen."

Obendrein walte Trump künftig über das Nuklearwaffenarsenal der USA. "Man muss hoffen", so die "NZZ", "dass er an seiner Beteuerung aus dem Wahlkampf festhält: 'Ich bin die letzte Person, die die nukleare Karte spielen will.'"

Irland:

"The United Hates of America haben der Welt den Mittelfinger gezeigt", titelt die irische Zeitung "The Irish Times". Der Triumph Trumps ist sowohl "äußerst unwahrscheinlich als auch - im tieferen Sinn - unvermeidlich gewesen". "

Nach wie vor ist es kaum zu glauben, dass dies wirklich geschieht - und wir uns nicht in einer dunklen, dystopischen Satire befinden", so "The Irish Times" weiter. "Die Republik von Washington, Jefferson, Lincoln und Roosevelt ist jetzt die 'United Hates of America', zusammengehalten - soweit sie überhaupt zusammenhalten - von Angst und Abscheu."

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(ks, lk)