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"Europa muss sich auf sich selbst besinnen": So beurteilen 15 deutsche Politiker den Ausgang der US-Wahl

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US ELECTION
So unterschiedlich beurteilen 15 deutsche Politiker den Ausgang des US-Wahlkampfs | Carlos Barria / Reuters
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  • Der Ausgang der Präsidentschaftswahl in den USA bewegt Menschen auf der ganzen Welt
  • Die Meinungen über den Sieg von Donald Trump gehen weit auseinander
  • 15 deutsche Politiker geben in der Huffington Post eine erste Einschätzung ab

Es war bis zum Ende ein spannendes Rennen. Am Ende heißt der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Donald Trump. Die Reaktionen im Netz und in den Medien sind sehr verschieden.

Während in den frühen Morgenstunden zahlreiche deutsche Twitter-Nutzer bereits den Weltuntergang prophezeiten, feierten Millionen Trump-Fans in den USA den Sieg des umstrittenen Kandidaten.

So beurteilen Politiker von SPD, CDU, CSU, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und AfD in der Huffington Post den Wahlausgang.

"Ich bin sehr besorgt"

1. Olaf Scholz (SPD, stellvertretender Bundesvorsitzender)

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"Der Wahlsieg von Donald Trump ist jetzt eine Tatsache, mit der wir umzugehen haben. Ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht. Jetzt hilft aber kein Lamentieren, jetzt müssen wir dazu beitragen, dass auch nach dieser Wahl Europa und die USA nicht weiter auseinanderdriften.

Die Europäische Union wird sich spätestens jetzt so reformieren müssen, dass sie eigenständig handlungsfähig wird.

Ich hoffe, dass die politische Landschaft in den USA nach diesem Wahlkampf zurückfindet zu Vernunft, Verantwortung, zu Maß und Mitte. Ressentiments dürfen das politische Handeln nicht leiten. Ich bin sehr besorgt."

"Europa sollte sich ein Stück weit mehr auf sich selbst besinnen"

2. Christian Schmidt (CSU, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft)

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"Die transatlantische Allianz ist und bleibt das zentrale Fundament unserer Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Wahrscheinlich werden Europa und Deutschland unter dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump mehr Eigenverantwortung übernehmen müssen.

Europa sollte sich dazu auch ein Stück weit mehr auf sich selbst besinnen. Denn Trump wird sich absehbar zunächst auf die USA selbst konzentrieren. Jeder amerikanische Präsident hat zuerst eine Verantwortung für sein Land und da liegen viele Aufgaben vor ihm.

"Das ist Demokratie - und das ist zu akzeptieren"

3. Reiner Haseloff (CDU, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt)

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"So überraschend ist das Ergebnis der Präsidentenwahl für mich nicht. Wir sollten uns – in der Politik wie den Medien – davor hüten, Wunschdenken mit der Realität gleichzusetzen.

Wenn wir negieren, was einer Mehrzahl der Menschen auf den Nägeln brennt, gewinnen wir keine Wahlen. Trump hat in einer demokratischen Wahl die Mehrheit der Wahlmänner errungen. Das ist Demokratie - und das ist zu akzeptieren."

"So etwas kann auch in Deutschland passieren"

4. Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen, stellv. Ministerpräsident von Schleswig-Holstein)

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"Eine Allianz von Putin und Trump. Das Ende der Bündnisverpflichtung in der Nato. Kein globaler Klimaschutz - der Wahlsieg von Trump kann alles verändern. Er hätte nicht passieren dürfen.

Aber so etwas kann auch in Europa und Deutschland passieren. Wenn immer gesagt wird, die AfD hole europäische Realität in Deutschland nach, dann kann einem Angst und Bange werden.

Wir dürfen uns nicht mehr in der Selbstgewissheit wiegen, dass das alles schon nicht so schlimm kommen wird. Es kommt. Schlimmer. Als. Gedacht."

"Eine Abkehr vom außenpolitischen Eskalationskurs wäre von ungeheuerer Wichtigkeit"

5. Dietmar Bartsch (Die Linke, Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag)

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"Man kann nur hoffen, dass Trump nicht seine Wahlkampfdrohungen umsetzt, eine Mauer zu Mexiko zu errichten, das Atomabkommen mit dem Iran aufzukündigen und die Zahlungen an die UNO einzustellen, sondern außenpolitisch tatsächlich stärker auf Besonnenheit setzt, wie er es zumindest unmittelbar nach seiner Wahl anklingen ließ.

Mehr zum Thema: Die Rache des kleinen Mannes

Eine Abkehr vom außenpolitischen Eskalationskurs, für den auch Hillary Clinton stand, wäre insbesondere im Verhältnis zu Russland von ungeheurer Wichtigkeit, gerade auch aus europäischer Sicht."

"Freihandel wird es mit Donald Trump nicht geben"

6. Wolfgang Kubicki (FDP, stellvertretender Bundesvorsitzender)

kubicki

"Die Wahl von Donald Trump zum nächsten Präsidenten der USA ist kein Weg in die Diktatur. Damit müssen wir jetzt umgehen.
Dabei hilft es nicht, den neuen Präsidenten der Führungsmacht der westlichen Welt wegen seiner frauenfeindlichen, homophoben und ausländerfeindlichen Äußerungen im Wahlkampf in die rechtspopulistische oder gar rechtsradikale Ecke stellen zu wollen.

Die vereinigte Linke und Rechte in Deutschland kann sich schließlich freuen: Freihandel wird es mit Donald Trump nicht geben."

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"Wir stehen vor großen Herausforderungen"

7. Anton Hofreiter und Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen, Fraktionsvorsitzende)

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"Mit Donald Trump ist eine reibungslose Fortsetzung der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit nur schwer vorstellbar. Wir stehen vor großen Herausforderungen: Wie geht es weiter mit dem Klimaabkommen und anderen Errungenschaften der Obama-Administration? Wie steht ein Präsident Trump zur NATO?"

"Aufwind für alle Protestbewegungen in Europa"

8. Petr Bystron (AfD, Landesvorsitzender der AfD Bayern)

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"Sein Sieg wird Aufwind für alle Protestbewegungen in Europa bringen - FPÖ in Österreich, Front National in Frankreich und selbstverständlich auch der AfD in Deutschland.

Mehr zum Thema: Was die deutsche Politik aus der Wahl lernen muss

"Bereits in seiner ersten Rede als amerikanischer Präsident beweist Trump seine wahre Größe. Er richtet anerkennende Worte an Clinton für ihre Lebensleistung und sendet Zeichen der Versöhnung an das Lager der Clinton-Unterstützer."

"Die Wähler waren gegen das Establishment in Washington"

9. Jürgen Rüttgers (CDU, ehemaliger Bundesbildungsminister)

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"Über ein Jahr haben Politiker in Amerika und aller Welt erklärt, warum Trump auf keinen Fall US-Präsident werden darf.

Journalisten und Wissenschaftler haben in unzähligen Analysen und Kommentaren erklärt, warum er nicht gewinnen kann. Sie alle waren für Hillary Clinton.

Die Wähler haben anders entschieden. Sie waren gegen das Establishment in Washington. Sie wollten, dass ihre Sorgen und Nöte beachtet und nicht ignoriert werden; eine Warnung an die Eliten auch bei uns."

"Vor brutalen Populismus dürfen wir nicht einknicken"

10. Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD, stellvertretender Bundesvorsitzender)

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"Ich betrachte den Ausgang der Wahl als einen letzten Weckruf für die demokratischen Parteien in Europa. Wir müssen der Verunsicherung in der Gesellschaft einen positiven Entwurf von einer solidarischen, weltoffenen und vor allem sicheren Gemeinschaft gegenüberstellen.

Dabei dürfen wir nicht einknicken vor dem brutalen Populismus, der nicht nur den amerikanischen Wahlkampf geprägt hat. Wir müssen Orientierung geben, die den Menschen die Sicherheit bietet, die sie in einer sich wandelnden Welt offensichtlich suchen."

"Er wird kaum dafür sorgen, dass es den Armen besser geht"

11. Gregor Gysi (Die Linke, Mitglied des Deutschen Bundestages)

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"Warum gewinnt Donald Trump? Er verspricht den Leuten einen sehr bequemen Erfolg, er sagt, ich war erfolgreich und ich sorge für Euren Erfolg, Ihr müsst dafür nichts tun. Das klingt gut, ist aber völlig irreal.

Bei seinen Steuerversprechen an die Reichen und an die Konzerne kann und wird er nicht dafür sorgen, dass es der Vielzahl armer und bedrückter Menschen in den USA wirklich besser gehen wird."

"Wir können nur geschlossen für eine freie Welt einstehen"

12. Nicole Beer (FDP, Generalsekretärin der Freien Demokraten)

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"An dem Tag, an dem wir freudig an den Fall der Mauer in Deutschland denken‎, wird an die Spitze eines der mächtigsten Länder der Welt ein Mann gewählt, der wieder Mauern bauen will.

Für Europa und Deutschland ist Trumps Sieg ein Weckruf. Die EU-Mitgliedstaaten müssen nun schnell zusammenkommen und die richtigen Schlüsse aus der Wahl ziehen. Wir können nur geschlossen für eine freie Welt einstehen - und dafür müssen wir die europäische Integration in entscheidenden Themen vorantreiben, etwa der Außen-, Sicherheits und Flüchtlingspolitik."

"Es ist Zeit sich zu engagieren!"

13. Johanna Uekermann (SPD, Bundesvorsitzende der JUSOS)

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"Einmal mehr hat sich durch diese Wahl gezeigt, dass nichts selbstverständlich ist und wir für unsere Werte und Überzeugungen kämpfen müssen.

Wer also in einer Gesellschaft leben will, in der Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit herrscht, der kann sich nicht länger raushalten. Es ist Zeit, dass wir Alle Farbe bekennen. Es ist Zeit sich zu engagieren."

"Wir müssen jetzt das Beste draus machen"

14. Wolfgang Bosbach (CDU, Mitglied des Deutschen Bundestages)

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"Als guter Demokrat muss man auch solche Entscheidungen respektieren, die man selber nicht getroffen hätte. Mit anderen Worten: Wir müssen jetzt aus einer - vermutlich - nicht ganz einfachen Situation das Beste machen. Auch wenn es einigen schwer fällt. Aber was ist in der Politik schon einfach?"

"Für mich ist diese Wahl ein Alptraum"

15. Ruprecht Polenz (CDU, Ehemaliger Generalsekretär der Christ-Demokraten)

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"Für mich ist diese Wahl eines unberechenbaren Populisten zum mächtigsten Mann der Welt ein Alptraum. Ich hätte nicht gedacht, dass er Wirklichkeit werden könnte.

Jetzt bleibt erst einmal nur die Hoffnung, dass es so schlimm nicht werden möge. Wir müssen alle mit dem Ergebnis leben, das die amerikanischen Wählerinnen und Wähler herbeigeführt haben."

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(lk)