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Diese Wählergruppen werden wirklich entscheiden, wer US-Präsident wird

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WHLER NORTH CAROLINA
Wähler stehen in Charlotte, North Carolina, schon früh morgens an | Brian Blanco/Getty Images
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Vergesst die Umfragen, vergesst die Big-Data-Auswertungen. Die wirklich wichtige Neuigkeit am Vorabend der US-Präsidentschaftswahlen kommt aus Philadelphia. Einer alten Stadt, in der nur relativ wenige Einwohner ein eigenes Auto besitzen. Angestellte des öffentlichen Nahverkehrs haben dafür gestimmt, einen lähmenden Streik zu beenden.

Für Hillary Clinton ist das eine Erleichterung.

Clintons Wahlkampfteam hat das Wahlergebnis in Philadelphia viele Sorgen bereitet. Hillary Clinton ist in dieser eigentlich verlässlichen demokratischen Stadt nicht sehr beliebt, besonders unter jungen Afro-Amerikanern und College-Studenten. Alles, was ihnen den Weg ins Wahllokal erschwert, ist ein Albtraum.

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Jetzt ist der Albtraum vorbei - und Clintons Chancen im kritischen Swing-State Pennsylvania sind wieder gestiegen. Und Donald Trumps Aussichten haben sich grade ein bisschen weiter verdüstert.

Mehr zum Thema: Wer wird US-Präsident? So funktionieren die Wahlen in Amerika

Aber Wahlen werden durch die Entscheidungen von Einzelpersonen gewonnen oder verloren. Und diese Personen unterscheiden sich durch Glaube, Alter, Herkunft und hunderte andere Eigenschaften dieses großen, unglaublich vielfältigen amerikanischen Kuchens.

Auf diese Kuchenstücke kommt es am Wahltag besonders an:

Haitianer in Florida: Vergesst die Latinos für einen Moment. In Florida leben 600.000 Einwanderer aus dem Inselstaat Haiti. Sie sind Clinton zugewandt was soziale Themen betrifft, aber die Arbeit der Clinton Foundation in Haiti ist nicht unumstritten. Und ihre Meinung deckt sich nicht mit denen, der schwarzen Wähler. Die haitianisch-dominierten Viertel von Miami sollte man also im Auge behalten.

Studenten der staatlichen Universitäten in Swing States: Sie haben in den Vorwahlen für die Demokraten den Slogan Feel the Bern geprägt und einige sträuben sich auch jetzt noch dagegen, Clinton zu unterstützen. Senator Bernie Sanders schien wie der aufrührerische Politikprofessor bei Studentendemonstrationen, Clinton dagegen wie die bürokratische Dekanin. Sanders versprach eine Abschaffung der Studiengebühren an staatlichen Universitäten und massive Schuldenerleichterungen. Jetzt bietet Clinton im Kern dieselben Versprechungen.

Mehr zum Thema: Michael Moore: 5 Gründe, warum Donald Trump die Wahl gewinnen wird

Clinton ist auf die Studenten angewiesen, um die Swing States wie Pennsylvania, Michigan, North Carolina und Florida für sich zu gewinnen. Oder noch genauer gesagt: Sie braucht die Studenten in Pittsburgh, am State College und in Philadelphia im Staat Pennsylvania; die Studenten in Ann Arbor und Lansing in Michigan; die Studenten in Chapel Hill in North Carolina und die Studenten in Tallahassee und Gainesville in Florida.

Mormonen in Nevada: Mitt Romney, der Kandidat der Republikaner bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2012, ist kein Fan von Donald Trump. Und viele seiner Glaubensbrüder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage mögen Trump ebenso wenig. Es stimmt schon, der Mann trinkt und raucht nicht, aber alles andere an ihm ist auf zügellose und bombastische Weise un-mormonisch. Trotzdem sieht es so aus, als könne Trump die Mormonen im Mormonen-Staat Utah für sich gewinnen.

Aber Nevada ist noch zu haben, und in Nevada lebt eine kleine, aber politisch einflussreiche Gruppe von Mormonen. Wenn Trump hier gewinnen will, braucht er die Mormonen.

Das Militär in North Carolina: Fort Bragg ist ein riesiger Stützpunkt der US-Armee, der das Leben und die Politik im mittleren North Carolina dominiert. Die Clinton-Kampagne hat sich auf Trumps verächtliche und spöttische Kommentare über führende Militärangehörige und sein Wortgefecht mit Khizr Khan, dem Vater eines gefallenen muslimischen US-Soldaten, konzentriert. Aber Trumps "kein sinnloser Krieg mehr"-Mantra, zusammen mit seiner plötzlichen Eingebung, dass massive Summen zu Verteidigungszwecken nötig seien, bedeuten, dass er plötzlich eine Chance in diesem kritischen Schlüsselstaat hat.

Mehr zum Thema: Die aktuellen Nachrichten zur US-Wahl findet ihr im HuffPost-News-Blog

Puerto Ricaner in Florida: Traditionell galt die Aufmerksamkeit für die vielen Latino-Wähler in Florida immer der kubanischen Gemeinschaft oder der immer größer werdenden Rolle der mexikanischen und anderen lateinamerikanischen Einwanderer. Aber dieses Jahr zählt Clinton auf den Einfluss Puerto Ricos.

Als Bürger eines nichtinkorporierten US-Außengebiets besitzen Puerto Ricaner auch das US-Wahlrecht. Historisch haben sie stets die demokratischen Kandidaten unterstützt, so wie die Kubaner eher auf der Seite der Republikaner standen. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation in Puerto Rico leben heute gut 50.000 mehr Puerto Ricaner in Florida als noch vor zwei Jahren. Am 8. November könnten die Republikaner es schwer bereuen, ein Rettungspaket für Puerto Rico abgelehnt zu haben.

Der Hillbilly Highway: "Hillbilly" ist für viele Amerikaner mit Wurzeln in den bergigen Regionen des Landes sowohl ein verächtlicher Ausdruck, wie auch ein Ausdruck voller Stolz. Dieses Volk mit englischen, schottischen und schottisch-irischen Wurzeln sicherte die erste US-Grenze.

Als einfache Farmer in unwegsamem Gelände lernten sie, den reichen politischen Anführern in weit entfernten Städten kein Vertrauen zu schenken. Obwohl sie hauptsächlich in Kentucky, West Virginia und dem mittleren Pennsylvania angesiedelt sind, haben Abwanderungswellen doch dazu geführt, dass sie der Schlüssel dazu sind, Orte wie das südliche Ohio und das Umland von Detroit zu verstehen und für sich zu gewinnen.

Mit Politik können sie sich nicht identifizieren, genauso wenig wie mit den Küstenregionen des Landes und dem kosmopolitischen Amerika. Will Trump die Staaten Michigan, Pennsylvania und Ohio gewinnen, so muss er Massen dieser Bevölkerungsgruppe mobilisieren.

Die Ivankas: Klug, gut ausgebildet und erfolgreich - Ivanka Trump symbolisiert die gemäßigte republikanische Wählerin, die der diesjährige Kandidat der Republikaner nervt, wenn nicht gar verängstigt. Zwar ist sie für ihren Vater auf dessen Wahlkampfveranstaltungen aufgetreten, jedoch tat sie das zuletzt mit immer mehr ganz offensichtlichem Widerwillen – es schadet der Familien-Marke, die sie und ihre Brüder einmal erben werden.

Die Clinton-Kampagne hat die Ivankas der großen suburbanen Regionen in Swing States wie Pennsylvania, Florida, New Hampshire, Michigan und Ohio unermüdlich anvisiert. Das jetzt berühmt-berüchtigte Video von Trumps verächtlichen Kommentaren hat ihm bei diesen Wählerinnen immens geschadet. Reicht es, um Clinton den Sieg zu bescheren? Schaut auf die Ergebnisse aus den Vororten von Philadelphia, wo viele junge berufstätige Frauen ihren Abschluss an der Prestige-trächtigen University of Pennsylvania gemacht haben, die auch Ivanka Trump (und ihr Vater) besuchte.

Schwarze Wähler in den Staaten ohne Früh-Wahlen: In Pennsylvania und Michigan besteht die Möglichkeit nicht, vorab zu wählen. Das ist einer der Gründe, weshalb Trump und Clinton immer noch in diesen Staaten herumreisen und Hillary Clinton ihren Wahlkampf am Montagabend in Philadelphia beendete.

Demokratische Anführer der schwarzen Gemeinden in Städten wie Philadelphia haben den Stimmenfang perfektioniert, in dem die Demokratische Partei vor Ort kostenlose Fahrten, Verpflegung und andere Hilfen anbietet, um die Wähler am Wahltag in die Wahllokale zu bringen. Die Ergebnisse dieser Zentren sind ein Schlüssel für Clintons Siegchancen.

Der demokratische Kriegsveteran James Carville hat sehr zutreffend erkannt, dass "Pennsylvania Pittsburgh und Philadelphia ist - mit Alabama dazwischen". Trump genießt sehr viel Unterstützung in Alabama, sowohl wirklich wie auch metaphorisch. Wenn Clinton also all die Republikaner dazwischen besiegen will, dann braucht sie einen Experten für Stimmenfang.

Wähler, die mit dem Bus fahren. Und das bringt uns zurück an den Anfang! Wenn die Busse und U-Bahnen fahren – und das tun sie jetzt – dann steht auch kein Demokrat vor dem Problem, keine Möglichkeit zu haben, zum Wahllokal zu kommen.

Auf solche Details kommt es für die Demokraten an.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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(ks)