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Dieses 3000 Jahre alte Platon-Zitat bringt die US-Wahl auf den Punkt

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TRUMP CLINTON
Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung | Scott Olson via Getty Images
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Es ist schon beachtlich, wie oft und gerne immer noch aus Texten von griechischen Philosophen zitiert wird. Texte, die viele tausend Jahre auf dem Buckel haben.

In den Tagen vor der Präsidentschaftswahl in den USA kramten mehrere Medien in den Schriften des griechischen Philosophen Platon und holten 3000 Jahre alte Zitate hervor.

Wie das hier: "Diktatur entsteht so gut wie immer aus Demokratie, und die schlimmste Form der Tyrannei und Sklaverei aus der größten Form der Freiheit.“

Warum? Weil sie das Dilemma der US-Wahl auf den Punkt bringen. Wer sie liest, der weiß, warum Platons Worte nie an Aktualität einbüßen werden und auch heute noch Relevanz besitzen.

"Diktatur entsteht so gut wie immer aus Demokratie"

Die britische Zeitung "The Independent“ etwa bringt dieses Zitat Platons, in dem der Philosoph das seiner Meinung nach größte Problem der unbeschränkten Demokratie erklärt.

Ist das eine Warnung an die US-amerikanischen Wähler, ihre Freiheit nicht aufs Spiel zu setzen? Wenn man bei Platon genau nachliest, auf jeden Fall:

In seinem Buch "Politeia“ stellt Platon die folgende Theorie auf: In einer Gesellschaft, in der die Reichen immer reicher werden und die Armen arm bleiben, entsteht ein sozioökonomischer Graben. Und genau in dieser Gesellschaft werden die Menschen gegen das Establishment rebellieren und einem Mann zu Füßen liegen, den sie als ihren Retter ansehen.

Kommt euch das bekannt vor? Für viele US-Amerikaner, die gegen das Establishment rebellieren, ist der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump der "Retter“. Liegen sie ihm blind zu Füßen? Vielleicht, schließlich scheinen sie blind zu sein gegenüber all seinen Sex-Skandalen und taub gegenüber seinen menschenverachtenden Hassreden.

Mehr zum Thema: Die aktuellen Nachrichten zur US-Wahl findet ihr im HuffPost-News-Blog

Trump als "Tyrann des Volkes"

Das linksliberale US-Meinungsportal "Vox“ zitiert ebenfalls Platon, indem es Trump den "Tyrann des Volkes“ nennt.

"Der Staat spiegelt immer die Menschen wider. Er entsteht aus ihrem Charakter“, wird Platon dort zitiert.

Platon sei der Meinung, dass es immer einen bestimmten Typ Menschen brauche, "der den demokratischen Mob für sich gewinnen könnte". Und einer davon sei der Tyrann.

Platon vergleicht diesen Typ Herrscher mit einem betrunkenen Mann, der impulsiv ist und dem die eigenen Lüste und Leidenschaften immer im Weg stehen. Für "Vox“ ein klares Zeichen: Trump ist der Tyrann.

Platon stellte die Demokratie infrage

Das US-amerikanische Magazin "The New Yorker“ stellt anhand Platons Schriften in der aktuellen Ausgabe gar die gesamte Demokratie an sich in Frage. Beziehungsweise, dass Demokratie sich auf die Vernunft der Bürger verlassen muss.

Platon beschrieb den typischen Bürger als träge und flatterhaft.

"Manchmal trinkt er viel Alkohol, während er den Klängen der Flöte lauscht, manchmal trinkt er nur Wasser und ist auf Diät, manchmal geht er trainieren, manchmal ist er faul und gegen alles und jeden, und manchmal hält er sich selbst für einen Philosophen."

Platon war der Meinung, dass viele Menschen aufgrund ihrer Sprunghaftigkeit nicht dazu geeignet seien, eine so schwerwiegende Entscheidung zu treffen – wie jene, wer ihr politischer Anführer sein soll.

Der "New Yorker“ stellt die Frage: Wenn Dreiviertel der US-Amerikaner nicht ihre eigenen Senatoren nennen können, und mehr als die Hälfte noch nicht einmal weiß, dass jeder Bundesstaat zwei davon hat, sollten diese Menschen wirklich ihre politischen Vertreter wählen dürfen?

Platon schrieb, dass es viel sicherer sei, die Macht nicht in die Hände des Volkes, sondern einiger weniger gut ausgebildeter Wächter zu legen.

Im 19. Jahrhundert schlug der englische Philosoph und Politikwissenschaftler J.S. Mill vor, jenen Bürgern mit Universitätsabschluss eine gewichtigere Stimme zu geben. Es ist ein Vorschlag, den so manche Wähler, die sich als intellektuell ansehen, auch heute noch – mehr oder weniger ernst – vorbringen.

Demokratie existiert aus einem guten Grund

Seien wir ehrlich: Politische Systeme, in denen nicht jede Stimme gleich war, gab es in der Geschichte einige - auch in Deutschland. Preußen etwa hatte bis 1918 ein Wahlsystem, das Reiche bevorzugte: Wer mehr Steuern entrichtete, dessen Stimme war mehr wert. Im Königreich Bayern wiederum herrschte das Zensurwahlrecht vor – nur wer überhaupt Steuern zahlte, durfte wählen.

Mit der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland wurde jede Stimme für gleich erklärt.

Und das hat auch seinen Grund. Selbst der "New Yorker“ kommt am Ende zu dem Schluss: "Demokratie existiert in erster Linie, damit die Wähler die Bevölkerung widerspiegeln. Also jene Menschen, die unter dem, was aus der Demokratie hervorgeht, leben müssen“.

Und es sei normal, dass bei einer Wahl die Demokratie selbst auf einmal in Gefahr ist. Wenn Platon vor 3000 Jahren die Demokratie auf den Prüfstand stellen durfte, dann darf das der Wähler in den USA heute auch.

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