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Bis zu 20.000 Euro vom Staat - Experten warnen vor geplantem Geldgeschenk

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REGENSBURG
Ministerium will Familien Geld fuer den Hausbau schenken | Getty
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  • Familien können sich trotz niedriger Zinsen in Deutschland oft den Kauf eines Hauses nicht leisten
  • Das Bundesbauministerium will deshalb bauwillige Familie mit einem Zuschuss von bis zu 20.000 Euro unterstützen
  • Doch Kritiker warnen, der Plan, der gerade zur Abstimmung mit dem Finanzministerium steht, könne viele Familien "in die Schuldenfalle treiben"

Das Bundesbauministerin will es Familien erleichtern, eine Immobilie zu kaufen. Bauministerin Barbara Hendricks will Menschen, die in "besonders nachgefragten Regionen" ein Haus oder eine Wohnung erwerben möchten, einen staatlichen Eigenkapital-Zuschuss von 8000 bis 20.000 Euro gewähren.

Zwar sind die Zinsen für Kredite seit längerem im Dauertief. Glück für Häuslebauer – können sie doch so günstiger eine Immobilie erwerben.

Doch es gibt einen Pferdefuß: Banken wollen für zinsgünstige Darlehen in der Regel ein hohes Eigenkapital. Meist müssen die Käufer bereits 20 Prozent des Immobilienpreises auf der hohen Kante haben, damit der Bank-Mitarbeiter überhaupt zur Tastatur greift. Kostet eine Wohnung oder ein Haus beispielsweise 300.000 Euro wären dies 60.000 Euro.

Für junge Familien, die ja gerade besonders viel Wohnraum brauchen, eine oft nicht zu stemmende Summe. Gerade in Ballumgsräumen wie Stuttgart oder München ist für weite Teile der Mittelschicht der Traum vom Eigenheim trotz Niedrig-Zinsen deshalb unerfüllbar.

Das Bundesbauministerium will mit dem geplanten Zuschuss dieser Entwicklung gegensteuern. Die exakte Höhe soll sich nach der Anzahl der Kinder richten. Die Familien müssten die Zulage nicht zurückzahlen.

Die Förderung soll bereits mit dem Haushalt 2017 beginnen. Hendricks verhandelt zurzeit mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) darüber, wie viel Geld der Staat für den Zuschuss ausgeben soll.

Mit dem Geldgeschenk will die SPD-Ministerin dafür sorgen, dass auch der deutsche Mittelstand sich ein Eigenheim leisten kann – in Zeiten, in denen die Rente sinkt und Spareinlagen kaum noch Rendite bringen, gilt die eigene Wohnung oder das eigene Haus bei vielen Experten als die beste Altersvorsorge. "Wer im Alter mietfrei in einer abbezahlten Eigentumswohnung lebt, hat dadurch faktisch den Effekt einer Zusatzrente“, heißt es bei der Verbraucherzentrale Bayern.

In kaum einem Land besitzt die Bevölkerung so wenige Immobilien

Dennoch besaß 2013 nicht einmal jeder zweite Deutsche eine Immobilie. Europaweit ist dies ein besonders niedriger Wert. Selbst im armen Griechenland wohnten zuletzt 80 Prozent der griechischen Bevölkerung im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung.

Dennoch wird bereits Kritik an den Plänen Hendriks laut: Mit dem Zuschuss würde der Staat noch mehr Nachfrage auf einen Markt bringen, auf dem die Preise ohnehin stark steigen", sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Verbraucher, die sich - womöglich aus guten Gründen - gegen eine eigene Immobilie entschieden hatten, "könnten versucht sein, sich doch das Klumpenrisiko eines Eigenheims aufzuhalsen", sagte er.

Auch die "Süddeutsche Zeitung“ spricht von einem "Schnellschuss“. Die staatlichen Zuschüsse würden Familien einen Anreiz geben, sich stärker zu verschulden, analysiert das Blatt zutreffend.

Viele Familien könnten ein böses Erwachen erleben

Wer zum Beispiel 50.000 Euro Eigenkapital mitbringt, würde von seiner Bank für gewöhnlich etwa 200.000 Euro Kredit erhalten. Kämen nun noch 20 .000 Euro Eigenkapital vom Staat hinzu, wären schon 280.000 Euro Kredit denkbar.

Das Problem: Zurzeit sind die Zinsen noch extrem niedrig. Doch, wenn die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik ändert, könnte sich das rasch ändern.

Doch viele Immobilienkäufer haben nur für zehn oder mitunter auch nur für einige Jahre in ihrer Höhe garantierte Zinssätze. Denn desto länger die Zinsbindung gilt, desto größer ist der Zinssatz und damit auch die Schuldenlast der Kreditnehmer.

Deshalb könnten viele Familien irgendwann in der Zukunft ein böses Erwachen erleben. "Die geplante Subvention könnte im Zweifelsfall Familien in die Schuldenfalle treiben“,prophezeit die "Süddeutsche Zeitung“.

Doch klar ist auch: Kinder sind in Deutschland noch immer eines der Hauptarmutsrisiken. Anders als viele andere ihrer Kabinetts-Mitglieder hat Bauministerin Hendricks dies erkannt. Nur ihr Lösungsansatz könnte mehr Probleme schaffen, als er am Ende löst.

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Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder aus sozial schwachen Familien haben niemanden, der sich um ihre alltäglichen Sorgen kümmert. Ein Blick auf die Hausaufgaben, Konflikte mit Freunden - oder Gesundheitsprobleme: In dem Münchner Projekt Lichtblick Hasenbergl unterstützen Pädagogen junge Menschen bei all diesen Fragen. Hier erfahrt ihr mehr zu der Initiative.

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Ein zuverlässiges Transportmittel kann für Menschen in einem Entwicklungsland alles verändern. World Bicycle Relief stattet Menschen in ländlichen Regionen Afrikas mit Fahrrädern aus und schenkt ihnen damit ein großes Stück Lebensqualität. Hier geht es weiter zu diesem faszinierenden Projekt.

(vr)