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Diese Art von Missbrauch in Beziehungen wird häufig übersehen - dabei ist sie extrem gefährlich

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EMOTIONALER MISSBRAUCH
Emotionaler Missbrauch kann genauso schlimm sein wie körperliche Gewalt | iStock
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Missbrauch in Beziehungen hat viele Facetten und muss sich nicht zwingend in körperlicher Gewalt zeigen. Ein neuer Twitter-Hashtag macht das auf sehr kraftvolle Weise deutlich.

Im Gegensatz zu körperlicher Gewalt, für die Strafen vorgesehen sind und die sich durch Blutergüsse oder Verletzungen beweisen lässt, findet psychische Gewalt im Verborgenen statt. Den Opfern ist häufig selbst nicht bewusst, dass sie eine Form der häuslichen Gewalt erleben.

Psychischer Missbrauch kann genauso schlimm sein wie körperliche Gewalt

Dieser Auszug aus einem Bericht der amerikanischen Organisation National Coalition Against Domestic Violence, die sich gegen häusliche Gewalt engagiert, macht deutlich, warum emotionaler Missbrauch extrem gefährlich ist:

"Es ist wichtig zu verstehen, dass häusliche Gewalt sich nicht immer in Form von körperlichem Missbrauch zeigt. Emotionaler und psychologischer Missbrauch können oft genauso extrem sein wie körperliche Gewalt. Wenn kein körperlicher Missbrauch vorliegt, bedeutet das nicht, dass der Täter dadurch weniger gefährlich für das Opfer ist und es bedeutet auch nicht, dass das Opfer weniger in dem Missbrauch gefangen ist."

Mehr zum Thema: Emotionaler Missbrauch: 7 Wege, ein Kind zu verletzen, ohne es zu schlagen

Anfang des Monats hat die Autorin und Künstlerin Zahira Kelly Twitter als Plattform benutzt, um ihre eigenen Erfahrungen mit emotionalem Missbrauch - und die anderer Frauen in ihrem Leben - öffentlich zu machen. Sie benutzte den Hashtag #MaybeHeDoesntHitYou (etwa: Vielleicht hat er dich nicht geschlagen)

"Vielleicht hat er dich nicht geschlagen, aber er hat einen riesigen Wutanfall bekommen, weil du deine Haare 'ohne seine Erlaubnis' geschnitten hast."

"Die Tweets waren über mich oder enge Freunde von mir", sagte Kelly der Huffington Post. "Missbrauchskultur ist etwas, das viele Frauen erleben und farbige Frauen wie ich noch häufiger. Doch wir bekommen wenig Unterstützung dafür und durchschauen es oft nicht."

Der Tweet und der Hashtag haben einen Nerv getroffen und eine weitreichende Diskussion auf Twitter ausgelöst - Hunderte Frauen haben den Hashtag benutzt, um ihre eigenen Erfahrungen zu teilen und anderen zu zeigen, wie vielfältig Missbrauch sich zeigen kann.

Hier sind einige sehr ausdrucksstarke Beispiele für emotionalen Missbrauch:

Emotionaler Missbrauch hat viele Gesichter

"Vielleicht schlägt er dich nicht, aber er lässt dich auch selten nach Hause fahren oder deine Freunde treffen."
"Vielleicht schlägt er dich nicht, aber sagt dir, dass du dafür dankbar sein solltest."
"Vielleicht schlägt er dich nicht, aber er lässt dich glauben, dass du zu kaputt bist, als dass dich jemand anderes je wollen würde."

"Vielleicht schlägt er dich nicht, aber er ruft dich nicht weniger als 40 Mal an, wenn du nicht ans Telefon gehst, um einer Rüge oder einem Streit aus dem Weg zu gehen."


"Vielleicht schlägt er dich nicht, aber er sagt dir, welche Freunde du haben darfst'"
"Vielleicht schlägt er dich nicht, aber er kritisiert dich jeden Tag, vergleicht dich mit 'besseren' Frauen und sagt dir, dass du nie gut genug sein wirst."

"Vielleicht schlägt er dich nicht, aber er isoliert dich und zerstört all deine Beziehungen, sodass er alles ist, was du hast."


Psychische Gewalt ist heimtückisch

Genau wie körperlicher Missbrauch findet auch die psychische Gewalt meist hinter verschlossenen Türen und außerhalb der Öffentlichkeit statt. Beleidigungen oder Beschimpfungen gegen den Partner werden nur selten vor Zeugen ausgesprochen.

Denn die Täter sind meist sehr schlau. Der Verein Re-Empowerment, der Frauen in gewalttätigen Paarbeziehungen unterstützt, schreibt auf seiner Website:

"Wer psychische Gewalt ausübt, geht meist strategisch vor. Die Partnerin erkennt zu spät, dass sie Opfer häuslicher Gewalt ist. Meist dauert es Jahre, bis die Betroffenen begreifen, dass ein Großteil ihres Leidens durch das feindselige Verhalten des Menschen verursacht wird, der vorgibt, sie zu lieben."

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Viele Frauen merken zu spät, dass sie Opfer sind

Häufig begreifen Frauen auch deshalb erst spät, dass sie emotional missbraucht werden, weil die Täter sie durch ihr Verhalten und ihre Botschaften in die Irre führen. Viele reden sich ein, dass es ihre Schuld ist:

"Es gehört zur Strategie des "Partners“, dem Opfer einzureden, dass es die Grausamkeiten verdient, dass es an ihr liegt; dass die Beziehung ihretwegen in der Schieflage ist und es daher auch ihre alleinige Verantwortung ist, dass die Partnerschaft für ihn zufriedenstellender und befriedigender läuft. Dann – und nur dann – könnte er sie anders behandeln."

Wenn du Hilfe brauchst, hilft der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe dir dabei, eine Hilfsorganisation in deiner Nähe zu finden. Auch bei psychischer Gewalt ist es möglich, Zuflucht in einem Frauenhaus zu finden.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Gina Louisa Metzler aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet.

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(vr)