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"Der Schaden ist bereits angerichtet": So kommentieren die Medien Clintons Entlastung

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CLINTON
"Der Schaden ist bereits angerichtet": So kommentieren die Medien Clintons Entlastung | Brian Snyder / Reuters
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  • Zwei Tage vor der US-Wahl hat das FBI Entwarnung gegeben
  • Hillary Clinton hat mit ihren E-Mails keine Gesetze gebrochen
  • Die Medien sind sich allerdings einig: Für die Demokratin könnte die Entlastung zu spät kommen

In den letzten Zügen hat FBI-Direktor James Comey den US-Wahlkampf ins endgültige Chaos gestürzt. Zwei Tage vor der Wahl gibt er in der E-Mail-Affäre Entwarnung: Hillary Clinton habe keine Gesetze gebrochen.

Internationale Medien befürchten nun: Die Entlastung könnte für Clinton zu spät gekommen sein.

Die “Neue Zürcher Zeitung (“NZZ”) schreibt dazu am Montag: "Der FBI-Direktor Comey hat sich selber und Clinton einigen Schaden zugefügt." Comeys außergewöhnlicher Schritt vom vorletzten Freitag werde wohl nicht ohne Folgen bleiben.

Er habe dafür gesorgt, dass Clintons E-Mails wieder zum Thema Nummer Eins im Wahlkampf wurden.

“Vergangene Woche haben Millionen von Wählerinnen und Wählern in vielen Gliedstaaten vorzeitig abgestimmt – unter dem Eindruck, dass allenfalls tatsächlich belastendes Material gegen die demokratische Kandidatin ans Tageslicht kommen würde."

"Entscheidend ist, wie solche Ereignisse vom Publikum aufgenommen werden"

Comey habe in seinem ersten Brief zwar unterstrichen, das FBI wisse nicht, was sich in den E-Mails befinde. "Doch das spielt im permanenten Kampf um die Deutungshoheit von Ereignissen keine Rolle. Entscheidend ist, wie solche Ereignisse vom Publikum aufgenommen werden.”

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Die “Süddeutsche Zeitung” kommentiert: “Hillary Clinton geht jetzt gestärkt in den Wahltag - das FBI hat ihr offiziell bescheinigt, dass es keine neuen Hinweise auf kriminelles Verhalten oder bislang unbekanntes Fehlverhalten gibt. Geholfen haben der Demokratin die vorangegangenen Spekulationen nicht, gibt es doch in der Bevölkerung massive Zweifel, ob die Präsidentschaftskandidatin vertrauenswürdig ist.”

Die Republikaner hätten in den vergangenen Monaten die Botschaft von der "korrupten Clinton" in den Mittelpunkt des Präsidentschaftswahlkampfs gestellt und nach der FBI-Ankündigung die Lautstärke nochmals hochgedreht. Daran werde sich nichts mehr ändern.

“Nie zuvor hat sich ein Behördenchef so direkt in einen US-Wahlkampf eingemischt wie Comey"

“James Comeys Vorgehen ist in der Geschichte der USA einzigartig”, schreibt "Zeit Online”. “Nie zuvor hat sich ein Behördenchef so direkt in einen US-Wahlkampf eingemischt wie Comey."

Eigentlich schreibe das Justizministerium hohen Beamten wie ihm vor, sich 60 Tage vor der Wahl überhaupt nicht mehr zu politischen Streitfragen zu äußern.

“Comeys Hin und Her in der Clinton-Affäre beherrschte jedoch tagelang alle Schlagzeilen. Er dürfte deshalb in den kommenden Monaten seinen Job verlieren – ganz egal, wer am Ende die Wahl gewinnt”, schreibt die Zeitung.

“Ob Clinton Comeys Freispruch so kurz vor der Wahl noch für ihre Zwecke nutzen kann, ist nicht klar. Denn über 30 Millionen Amerikaner haben ihre Stimme bereits abgegeben. Auch hat Clinton nur noch einen Tag Zeit, um den Wählern zu erklären, dass ihr erneut keine Straftat nachgewiesen werden konnte.”

"Die Amerikaner müssen faktisch das kleinere Übel wählen"

Die konservative lettische Tageszeitung “Neatkariga Rita Avize” sieht die Situation kurz vor der US-Wahl düster: “Bis zur US-Präsidentschaftswahl bleibt nur noch ein Tag. Doch kann man vorerst nur eins vorhersagen - ins Weiße Haus wird eine Person einziehen, die einen der geringsten Vertrauensvorschüsse in der bisherigen Geschichte des Landes haben wird.”

Weiter heißt es in der Zeitung: “Die Amerikaner (außer natürlich die unverbesserlichen Unterstützer von Hillary Clinton oder Donald Trump) stehen vor einer sehr schwierigen Entscheidung, weil sie faktisch das kleinere Übel wählen müssen. Entweder stimmen sie für einen reichen Mann ohne politische Erfahrung, der nicht in der Lage ist, seine Zunge zu kontrollieren. Oder für die lästigste Vertreterin der politischen Elite, die viele so satt haben.”

"Amerika ist krank, sein Volk ist sauer auf seine Anführer"

Und die liberale französische Zeitung “L’Opinion” kommentiert: “Die Botschaft des amerikanischen Volkes, das für das Duell Trump-Clinton gesorgt hat, ist klar: Amerika ist krank, sein Volk ist sauer auf seine Anführer, auf all die politischen und wirtschaftlichen Eliten. Es hat Angst. Vor dem Abstieg, der massiven Einwanderung, dem Verlust seiner Traditionen, seiner Werte.”

Dabei gehe es Amerika in den wirtschaftlichen und sozialen Statistiken gut: die Arbeitslosigkeit nahe den historischen Tiefstständen, das Wachstum zurück auf in Europa ungekannten Höhen.

“Vor 25 Jahren hatte Bill Clinton mit seinem berühmten Slogan ‘It's the economy, stupid’ George Bush eine fatale Debatte über die Wirtschaft und das Soziale aufgezwungen. Diesmal geht es nicht um die Wirtschaftskraft, sondern um all das, was sich auf das Alltagsleben und auf das innere Gefühl bezieht, dass dieses Land sich auflöst: It's the real life, stupid.”

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(mf)