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8 Fälle, in denen der US-Wahlkampf krasser war als alle Staffeln von "House of Cards"

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HOUSE OF CARDS
8 Fälle, in denen der US-Wahlkampf krasser war als alle Staffeln "House of Cards" | Marco Fieber
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Manche Amerikaner werden erleichtert sein, wenn der Wahlkampf am 9. November endlich zu Ende ist. Das zurückliegende Jahr gilt als das Verrückteste, was das politische Washington in der jüngeren Geschichte erlebt hat.

So verrückt, dass sich kein Drehbuchautor diese Serie von Skandalen, Pannen und Wendungen hätte ausdenken können. Noch nicht einmal die Macher von "House of Cards", jener legendären Serie über ein intrigantes Politikerpärchen, das sich erst gemeinsam zur Macht putscht und dann gegenseitig bekämpft.

Kevin Spacey, Darsteller der Hauptfigur Frank Underwood, sagte bereits im Frühjahr: "Manchmal gehe ich vom Set nach Hause und denke mir: Sind wir heute zu weit gegangen? Haben wir den Rubikon überschritten?", so Spacey. "Aber dann schalte ich den Fernseher an und denke mir, dass wir noch nicht weit genug gegangen sind."

Die Huffington Post nennt acht Momente, in denen dieser Wahlkampf absurder war als "House of Cards".

1. Der Vorwahlkampf

Stellen wir uns kurz vor: Ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl sind fast alle Beobachter davon überzeugt, dass die Frau eines Ex-Präsidenten gegen den Bruder eines Ex-Präsidenten antritt.

Doch ab Januar überschlagen sich die Ereignisse: Ein selbst ernannter Sozialist im Rentenalter bringt die farblos auftretende Präsidentengattin an den Rand einer Niederlage. Unterstützt wird Bernie Sanders vor allem von jenen, die eigentlich die natürlichen Verbündeten von Hillary Clinton sein sollten: junge Frauen aus der Mittelschicht.

Und dann geht die Republikanische Partei in Rauch auf, weil ein rassistischer Multimilliardär aus dem Nichts auftaucht und nacheinander den Präsidentenbruder, einen klerikal-ausländerfeindlichen Mitbewerber, einen Arzt mit einer Vorliebe für falsche Stalin-Zitate und einen Tea-Party-Darling aus dem Weg räumt.

Als auch der letzte Versuch kurz vor dem Parteitag scheitert, Donald Trumps Nominierung zu verhindern, ist klar, wer die eigentliche Verliererin dieser Wahl ist: Die Republikanische Partei, die einst solche großen Staatsmänner wie Abraham Lincoln, Teddy Roosevelt und Dwight D. Eisenhower hervorgebracht hat. Sie ist mit einem Schlag vollkommen am Ende. Als Drehbuch wäre das noch 2015 unverkaufbar gewesen.

Mehr zum Thema: Die aktuellen Nachrichten zur US-Wahl findet ihr im HuffPost-News-Blog

2. Hillary Clintons E-Mails

Wenige Tage vor der Wahl platzte die Bombe: Das FBI untersucht weitere Emails, die von der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton stammen könnten. Diese E-Mails wurden bei einem Mann gefunden, der durch "Sexting"-Affären für Schlagzeilen gesorgt hat: Angeblich soll er Bilder seines Penis' verschickt haben. Der Name des Mannes ist Anthony Weiner, und seine eigene politische Karriere ist bereits an seinem Hang zur Pimmel-Prahlerei zerbrochen.

Dessen (bald Ex-) Frau ist die Kampagnenmanagerin für Clinton. Und alle fragen sich: Warum verkündet das FBI eine solche Ermittlung so kurz vor einer Wahl? Und muss man tatsächlich davon ausgehen, dass E-Mails der früheren Außenministerin in einem Ordner mit den "Dick Pics" eines ehemals ambitionierten New Yorker Politikers zu finden waren? Wäre wahrscheinlich selbst für "House of Cards" zu schmuddelig gewesen.

Mehr zum Thema: Diese 5 Wikileaks-E-Mails zeigen, was für ein Monster Hillary Clinton ist

3. Donald Trumps rassistische Anhängerschaft

Falls Donald Trump zum Präsidenten gewählt werden sollte – was derzeit nicht unmöglich, aber eher unwahrscheinlich wirkt – dann wäre er der erste Präsident, der sowohl vom Ku-Klux-Klan, dem russischen Geheimdienst und der Tea Party unterstützt worden wäre.

Stellvertretend sei hier die Unterstützung des früheren KKK-Führers David Duke erwähnt, dem immer wieder unterstellt wird, er habe seine alten Beziehungen nie vollends gekappt – was daran liegen könnte, dass er weiterhin mit rassistischen und antisemitischen Äußerungen für Schlagzeilen sorgt und den Holocaust-Leugner Ernst Zuendel unterstützt.

Duke sprach wohl vielen seiner vormaligen Bundesbrüdern aus der Seele, als er sagte: "Gegen Trump zu stimmen ist ein echter Verrat an Deinem (kulturellen) Erbe.“ Trump distanzierte sich nicht davon und wich auf Nachfrage immer wieder aus.

Wir erinnern uns an den Schock, den Frank Underwood erlitten hatte, als er ein Foto entdeckte, auf dem sein Vater als Ku-Klux-Klan-Mitglied zu sehen war. Und es wird klar: Nein, ein Präsidentschaftskandidat, der von Rassisten unterstützt wird – das hätte den Drehbuchautoren niemand abgekauft.

4. Donald Trumps irres Team

Sarah Palin, ehemalige Gouverneurin von Alaska, sorgte mit ihrer Trump-Unterstützungsrede für reichlich Wirbel. Kurz zuvor war Palins Sohn Track verhaftet worden, weil er seine Freundin mit einem Sturmgewehr deren baldige Erschießung angedroht haben soll. Palin drehte den Spieß kurzerhand um – und machte Barack Obama für den Vorfall verantwortlich – weil der US-Präsident angeblich ein Klima geschaffen habe, in der Militär-Veteranen wie Track keine Anerkennung fänden.

Ebenfalls nicht von diesem Planeten scheint Chris Christie zu sein. Der frühere Hoffnungsträger der Republikaner aus New Jersey war der erste Spitzenpolitiker, der Trump seine Treue schwor. Fortan war er auf verschiedenen Veranstaltungen zu sehen, wie er mit wirrem, toten Blick hinter Trump am Podium stand.

5. Penisvergleiche vor Millionenpublikum

Im Vorwahlkampf hat es Donald Trump geschafft, die halbe Führungsspitze seiner Partei in einen bizarren Penisvergleich mit hineinzuziehen. Grund dafür waren Berichte darüber, wie Donald Trump Ende der 1980er-Jahre einen Journalisten stalkte, der ihm unterstellte, er habe kleine Finger – was wiederum im Volksglauben von einer kleinen Penisgröße zeugen soll.

Zum Beispiel bezichtigte er seinen Mitbewerber Marc Rubio, zu kleine Finger zu haben.

6. Kein einziger Ex-Präsident wirbt für Trump

Die USA haben insgesamt vier Alt-Präsidenten und einen scheidenden Präsidenten. Zwei davon gehören der Republikanischen Partei an.

Und keiner von ihnen unterstützt dem republikanischen Bewerber Donald Trump. Selbst George W. Bushs Ehefrau Laura Bush hat sich kürzlich dafür ausgesprochen, nicht für Trump zu stimmen.

7. Beinahe alles, was mit Julian Assange zu tun hat

Vor einigen Jahren erschien "Wikileaks“ vielen als eine Plattform, die demokratische Prozesse ankurbeln könnte, die dazu geeignet war, Mauern des Schweigens zum Einsturz zu bringen. Was dann folgte, hätte sich kein Drehbuchautor ausdenken können: "Wikileaks“-Gründer Julian Assange hatte Ärger wegen einer angeblicher sexueller Nötigung.

Weil ihm die Auslieferung nach Schweden drohte, bekam er in der ecuadorianischen Botschaft in London Asyl. Von dort aus schloss er Freundschaft mit einem russischen Autokraten (Wladimir Putin), dessen Hacker ihn nun mit Enthüllungsmaterialien über Hillary Clinton versorgen.

Denn der russische Herrscher hegt die Hoffnung, dass ein Ausländerhasser zum US-Präsidenten gewählt wird (Donald Trump), womit letztlich das gesamte demokratische System der USA zur Disposition stünde. Klingt haarsträubend, hat sich aber so zugetragen.

8. Die Spaltung der Gesellschaft

Wer sich mal genauer das Logo der Serie "House of Cards" anschaut, wird feststellen, dass dort eine auf dem Kopf stehende US-Flagge zu sehen ist. In der Militär- und Seefahrersymbolik steht das für einen Hilferuf: "Wir sind in Not, bitte rettet uns schnell!“

Tatsächlich liegt "House of Cards“ eine Grundannahme zugrunde: Dass es noch ein politisches System gibt, an das die allermeisten glauben, und das rettenswert ist. Sonst wären ja Frank Underwoods Tricks etwas völlig Selbstverständliches.

Der US-Wahlkampf 2016 war anders. Es standen sich mindestens zwei politische Lager gegenüber, die sich bis auf das Blut gehasst haben. Auf der einen Seite die Anhänger von Hillary Clinton, der Kandidatin des demokratischen Establishments. Auf der anderen Seite Donald Trump, der den Eliten kollektives Versagen unterstellt und programmatisch einen radikalen Politikwechsel betreibt.

Beide Lager kommunizieren in völlig unterschiedlichen Welten, sie haben sich nichts mehr zu sagen. Wäre "House of Cards“ auf Basis einer derartigen Spaltung geschrieben worden, hätte die ganze Story nicht funktioniert.

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(vr)