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So verseucht ist unser Grundwasser wirklich

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GRUNDWASSER NITRAT
Trinkwasser sprudelt aus der heimischen Leitung (Symbolbild) | dpa
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  • Die EU-Kommission verklagt Deutschland wegen der Versäumnisse beim Grundwasserschutz
  • Der Vorwurf: Der Bund habe die steigende Verunreinigung der Gewässer mit Nitrat jahrelang ignoriert
  • Ein Drittel aller Grundwasservorkommen weist eine Nitratkonzentration über dem gesetzlichen Grenzwert auf

Deutschland habe jahrelang versäumt, gegen die Verunreinigung des Grundwassers vorzugehen. So lautet der Vorwurf der EU-Kommission in einer Klageschrift gegen die Bundesrepublik, die vor einer Woche eingereicht wurde. Das berichtete der WDR am Montag. Bereits im April war die Klage angekündigt worden.

Dabei geht es um die steigende Verunreinigung des Grundwassers, der Seen und der Meere mit Nitrat. Als Hauptursache gilt der Umgang mit Nitrat-enthaltender Gülle und Kunstdünger in der Landwirtschaft.

Deutschland handele nicht nach neuestem Stand der Wissenschaft

Der zentrale Vorwurf der EU-Kommission in der Anklageschrift: Deutschland erlaubt, dass wesentlich mehr Dünger auf die Äcker gebracht wird, als die Pflanzen überhaupt aufnehmen könnten.

Auch die gesetzlichen Düngepausen von maximal drei Monaten seien viel zu kurz. Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft sind fünf bis sieben Monate nötig, berichtet die "Tagesschau".

Nitrat kann von den Äckern in das Grundwasser sickern – und die Gesundheit der Menschen gefährden.

Eine Gefahr für Mensch und Umwelt

Als Grenzwert sind 50 Milligramm pro Liter im Grundwasservorkommen vorgeschrieben.

Die EU-Kommission warnt, dass eine Überschreitung des Grenzwerts im Trinkwasser die Gesundheit von schwangeren Frauen und Babys gefährdet. Trinkwasser wird auch aus Grundwasser gewonnen. Die Versorger müssen Nitrat aus dem Grundwasser mit technischen Mitteln entfernen, was sehr kostspielig ist - und die Wasserkosten für Verbraucher erhöhen kann.

Auch der Meeresumwelt schadet Nitrat, indem es das Algenwachstum begünstigt und dadurch anderes Leben erstickt.

Fast ein Drittel aller Grundwasservorkommen sind betroffen

Die Verunreinigung des Grundwassers ist ein großflächiges Problem in Deutschland.

Im September veröffentlichte das Bundesumweltministerium auf Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion Zahlen über die Qualität des Grundwassers. Demnach liegen die Nitratmengen in den Grundwasservorkommen in fast einem Drittel des gesamten Landes über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete.

Mehr zum Thema: Schleichende Gefahr im Trinkwasser: 5 unterschätzte Risiken von Leitungswasser

Am stärksten betroffen seien Gegenden in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, in denen die Massentierhaltung und die Landwirtschaft besonders ausgeprägt sind.

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Schon vor Jahren hätte der Bund das Problem angehen müssen

Bereits 2012 hatte Deutschland Zahlen der EU-Kommission vorgelegt, die eine steigende Verunreinigung des Grundwassers mit Nitrat gezeigt haben. Die Wasserqualität habe sich über Jahre tendenziell verschlechtert. Spätestens 2012 hätte der Bund handeln müssen, habe jedoch keine Maßnahmen ergriffen, diese Entwicklung zu stoppen.

Die entsprechende EU-Richtlinie schreibe für diesen Fall jedoch zwingend vor, dass die betroffenen Staaten ihre Maßnahmen verschärfen müssen, heißt es in der Anklageschrift.

"Klage ist eine Ohrfeige für den Bundesminister"

Kritiker sehen die Klage als Quittung für die Untätigkeit der Bundesregierung. "Die Klage der EU kommt einer Ohrfeige für den Bundesminister gleich", sagte der niedersächsische Agrarminister Christian Meyer (Grüne).

Im Dezember soll dem Bundesrat ein fortgeschrittener Entwurf einer neuen Düngeverordnung vorgelegt werden. Die Klage basiert noch auf der alten Verordnung.

Im Fall einer Verurteilung muss Deutschland mit einer Geldstrafe rechnen. Die Höhe richtet sich nach der Dauer und Schwere des Verstoßes sowie der Zahlungsfähigkeit des betreffenden Staates. Gegen Deutschland sind Strafen in sechsstelliger Höhe pro Tag möglich.

Mit Material der dpa

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(ks)