Huffpost Germany

Anne Will und die muslimische "Frauenbeauftragte": Wie der Wahnsinn in unsere Wohnzimmer kommt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Man fragt sich, was in den Köpfen der Redakteure des Norddeutschen Rundfunks (NDR) vorgeht, die ein solches Schauspiel planen, wie es sich am Sonntagabend bei Anne Will im Ersten zugetragen hat (siehe Video oben).

Denkt sich der erste wohl, dass es bestimmt gute Quoten bringt, wenn man mit der Kamera auf eine vollverschleierte Frau im Nikab zoomt?

Denkt sich der zweite wohl, dass es ziemlich cool wäre, wenn sich am nächsten Tag die halbe Republik das Maul über die "radikale Muslima“ zerreißt, die eine Stunde lang einem Millionenpublikum präsentiert wurde?

Und spekuliert der eine oder die andere wohl darauf, dass sich von so einem Sendungsformat auch jene angesprochen fühlen, die sich vor einer "Islamisierung des Abendlandes“ fürchten?

Die selbsternannte "Frauenbeauftragte"

Sachlich jedenfalls ist es kaum zu begründen, warum Anne Will am Sonntagabend Nora Illi eingeladen hat. Die zum Islam konvertierte Schweizerin gehört einer dubiosen Organisation an, die sich selbst den Namen "Islamischer Zentralrat der Schweiz“ gegeben hat. Dort ist Illi "Frauenbeauftragte“. Die Boulevardzeitung "Blick“ nennt sie die "umstrittenste Muslima der Schweiz“.

"Anne Will": Bosbach geht wegen Nikab-Trägerin auf die Moderatorin los

In einem Interview mit dem "Blick“ sagte die "Frauenbeauftragte“ im Jahr 2014 Dinge wie: "Wenn eine Frau mehrere Männer hat, bringt das Probleme. Man weiß nicht, von wem die Kinder sind. Außerdem ist es wissenschaftlich erwiesen, dass der sexuelle Trieb von Männern größer ist als der von Frauen.“ Damit wollte sie das exklusive Recht von Männern auf Vielehe verteidigen.

Und an die Eltern von jungen Muslimen gerichtet, die in den Nahen Osten reisen, um dort zu kämpfen, sagte sie: "Sie sollten für ihre Kinder Verständnis zeigen. Sie können zum Beispiel einen Deal machen und sagen: Wenn du unbedingt einen Mann heiraten willst, der in Syrien kämpft, dann können wir ihn uns in der Türkei anschauen. Aber ich will, dass du erst die Schule fertig machst.“

Durchgeknalltes Weltbild

Es hätte also keiner sonderlich großen Recherche bedurft, um festzustellen, dass bei Frau Illi der Kontakt zur Realität ein eher unregelmäßig eintretendes Ereignis ist. Verantwortungsvolle Journalisten hätten also davon abgesehen, Frau Illi einzuladen.

Zum echten Skandal wird die Sendung aber erst durch die Gesprächsführung von Anne Will. Sie sagte, dass es zu "ihrem Werteverständnis“ gehöre, sich auch mit "anderen Meinungen“ auseinanderzusetzen.

Und hier wird es tatsächlich brandgefährlich.

Wenn eine offenbar radikalisierte Frau vor der Kamera sitzt und offensichtlichen Unsinn redet, dann muss es für sie wie ein Ritterschlag sein, wenn selbst Frau Will diesen Kappes als "legitime Meinung“ bezeichnet. Was Besseres kann den Hasspredigern in Deutschland nicht passieren: Dass so genannte Journalisten dazu neigen, selbst den größten Quatsch zu einem ehrbaren Standpunkt zu erheben, nur weil er kontrovers genug daher kommt.

Der Wahnsinn hat System

Wir kennen das auch aus anderen Kontexten: Etwa bei der Diskussion um die Ukraine. Monatelang durften Kreml-Propagandisten wie der RT Deutsch-Chefredakteur Ivan Rodionov ihre dreisten Lügen zur besten Sendezeit im deutschen Fernsehen verbreiten. Dem Zuschauer muss es vorgekommen sein, als wenn auch dieser Herr Rodionov ein ehrbares Anliegen gehabt hätte. Schließlich wurde er ja vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu einer Gesprächsrunde eingeladen.

So ist es nun auch mit Frau Illi.

Und eines sei noch bemerkt: Am meisten hatten gestern Abend unter dem Auftritt von Frau Illi diejenigen Muslime in Deutschland zu leiden, deren Weltbild nicht von durchgeknallten Gedanken ins Trudeln gebracht wird. Also der allergrößte Teil aller Muslime in dieser Republik.

Sie müssen sich nun damit auseinandersetzen, dass das deutsche Fernsehen mal wieder seinen Zuschauern eine Radikale präsentiert hat, die an prominenter Stelle für die Sache aller Muslime sprechen durfte. Das ist nicht nur schäbig, weil dadurch eine falsche Realität dargestellt wird, liebe ARD. Es ist auch brandgefährlich. Denn genauso wird der Islamhass in Deutschland weiter angefacht.

HuffPost-Tarif

Europa-Flat, Daten-Flat: Einer der günstigsten Handy-Tarife auf dem Markt

Mit der Spar-Aktion der Huffington Post in Zusammenarbeit mit Chip und Tarifhaus bucht ihr einen Smartphone-Tarif, der preislich kaum zu schlagen ist und eine Vielzahl an Vorteilen bietet.
Mehr Infos findet ihr hier.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

In einem großangelegten Projekt hilft der Verein SyrienHilfe e.V. vor Ort Menschen in Not, die ihre Heimat nicht verlassen können oder wollen. Seit 2012 setzen sich Ärzte, Ingenieure, Archäologen, Lehrer und Künstler in dem Bürgerkriegsland dafür ein, dass die Bevölkerung in ihrem eigenen Land ein würdevolles Leben führen kann.

Der Verein betreut Waisenkinder, organisiert medizinische Versorgung für Behinderte und chronisch Kranke und finanziert Lebensmittel und Unterkünfte.

Unterstütze sie jetzt auf www.zusammen-für-flüchtlinge.de, der zentralen Plattform für Projekte in der Flüchtlingshilfe von betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(vr)