Huffpost Germany

Rente: Kein Verlass mehr auf den Staat - so könnt ihr selber etwas tun

Veröffentlicht: Aktualisiert:
GENERATION Y
Ihr solltet jetzt schon dafür sorgen, dass ihr im Alter keine Probleme habt | wundervisuals / iStock
Drucken

Altersarmut, nur noch trocken Brot in der Rente - die Prophezeiungen für unsere Zukunft nach dem Arbeitsleben sind düster. Auf den Staat können wir uns bei der Rente nicht verlassen. Aber wir können selber etwas tun.

Wenn es um die Vorsorge für das Alter geht, machen vor allem junge Menschen in der Regel einen riesigen Fehler: Sie ignorieren Aktien.

Schlimmer noch: Viele von ihnen verstehen nicht, wie einfach es wäre, in das Feld einzusteigen.

"An Aktien in irgendeiner Art führt bei der Altersvorsorge kein Weg vorbei", sagt etwa der Finanzexperte Reinhold Schnabel von der Universität Duisburg.

Und die Strategie, so der Experte, sei denkbar simpel: Jeder sollte einen festen Prozentsatz seines Einkommens für die Vorsorge verwenden - schon vier Prozent vom Bruttogehalt würden reichen.

Schnabel hat der Huffington Post verraten, was ihr tun könnt, um für eure Rente finanziell abgesichert zu sein.

1. Richtig berechnen, was ihr in der Rente braucht

Wenn ihr euch ausrechnet, wie viel Rente ihr benötigen werdet, solltet ihr nie von eurem letzten Gehalt ausgehen.

"Man darf nicht vergessen, dass man im Alter weniger Geld benötigt. Beispielsweise weil die Kinder groß sind, das Eigenheim abbezahlt ist, oder der Urlaub in der Nebensaison billiger zu haben ist", sagt Schnabel. Ihr solltet eure Rente also nicht so berechnen, dass ihr auf 100 Prozent eures letzten Nettogehalts kommt. "Erfahrungsgemäß reichen rund 80 Prozent davon. Die Rentenlücke mit dem vollen Gehalt zu rechnen ist unsinnig."

2. Riester / Rürup

"Riester-Rente ist das erste, was man machen sollte. Besonders wenn man Kinder hat, lohnt sich das Riestern. Pro Kind kann man bis zu 300 Euro im Jahr bekommen", empfiehlt Schnabel.

"Je niedriger das Gehalt, umso niedriger darf der eigene Beitrag sein. Niedrigverdiener mit Kind erzielen Förderquoten von bis zu 90 Prozent – hier reicht oft ein Beitrag von fünf Euro im Monat aus."

Bei einem Bruttogehalt von 2.000 Euro würde ein Single beispielsweise einen monatlichen Eigenbeitrag von 67 Euro leisten und die Zulage von 12,83 Euro erhalten. Habe man ein Kind, betrage der Eigenbeitrag nur noch 42,17 Euro und die Zulage 37,83 Euro, also fast 50 Prozent des Gesamtbeitrags, wie Schnabel erklärt.

Immer einen festen Anteil vom Brutto-Gehalt anlegen

Schnabel rät dazu, immer einen festen Anteil vom Brutto-Gehalt einzuzahlen, zum Beispiel vier Prozent. "Man darf nicht vergessen, dass mit einem höheren Gehalt auch die Ansprüche steigen, deshalb ist es sinnvoll, immer den gleichen Prozentsatz zu zahlen."

Allerdings müsst ihr beachten, dass ihr auf euren angelegten Anteil vom Bruttogehalt Steuern zahlen müsst, wenn ihr ihn als Rente ausbezahlt bekommt. Die jährlichen Zuschläge vom Staat sind aber steuerfrei.

Unbedingt gilt hier: Die Versicherer vergleichen, bevor ihr unterschreibt. Schnabel rät zu Direktversicherern, die schneiden in Finanztests am besten ab und verlangen weniger Gebühren. Der Verwaltungsaufwand ist einfach geringer, wenn weniger Budget für Marketing und Vertrieb drauf geht.

3. Betriebliche Altersvorsorge

Jeder sollte sich bei seinem Arbeitgeber erkundigen, ob der eine betriebliche Rente anbietet. "Man muss dabei aber unbedingt darauf achten, dass die betriebliche Vorsorge portabel ist, so dass man sie bei einem Job-Wechsel mitnehmen kann. Sonst wird sie eingefroren und das ist nie gut."

Außerdem solltet ihr euch unbedingt erkundigen, ob euer Arbeitgeber sich an eurer Rente beteiligt. "Dann lohnt sich die betriebliche Rente auf jeden Fall", bekräftigt Schnabel.

Gesetzesänderungen sollen betriebliche Rente verbessern

Eine betriebliche Altersvorsorge ist besonders dann sinnvoll, wenn ihr an einer Steuersatzgrenze angekommen seid. Denn in die Rente zahlt ihr einen Anteil vom Brutto-Gehalt ein, versteuern müsst ihr nur das, was danach noch übrig ist. So könnt ihr Geld anstatt in die Staatskasse in eure eigene Rentenkasse stecken.

HuffPost-Tarif

Europa-Flat, Daten-Flat: Einer der günstigsten Handy-Tarife auf dem Markt

Mit der Spar-Aktion der Huffington Post in Zusammenarbeit mit Chip und Tarifhaus bucht ihr einen Smartphone-Tarif, der preislich kaum zu schlagen ist und eine Vielzahl an Vorteilen bietet.
Mehr Infos findet ihr hier.

Und die gute Nachricht: Gerade in dem Bereich stehen laut Schnabel einige Gesetzesänderungen bevor, die euren Gunsten sind. "Die Regierung plant die betriebliche Rente zu verbessern. Zum Beispiel dahingehend, dass kleine Betriebe Zuschläge vom Staat bekommen, wenn sie ihren Mitarbeitern eine solche Vorsorge anbieten."

4. Fonds

Eine Riester-Rentenversicherung lässt sich auch Fondsgebunden abschließen. Aber auch hier ist es wichtig, auf die laufenden Kosten zu achten. "Ein bisschen beschäftigen muss man sich schon mit dem Thema. Es ist wichtig, sich über die Kosten zu informieren, bevor man in Rentenfonds investiert", so Schnabel. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Die Rendite fällt höher aus, als bei anderen Versicherungen.

Noch mehr Rendite könnt ihr erzielen, wenn ihr in "normale" Fonds und nicht in Rentenfonds investiert. "Das mache ich persönlich auch", sagt Schnabel. "Ich möchte mein Geld selber verwalten und außerdem macht es mir auch Spaß."

Trotzdem setzen nur wenige Deutsche überhaupt auf Aktien als Kapitalanlage. Nur 14,7 Prozent sind hierzulande Aktionäre. Zum Vergleich: In den USA hat 56 Prozent der Bevölkerung in Aktien investiert. Den Deutschen sind Börsengeschäfte seit dem Platzen der Dot-Com-Blase und dem Scheitern der "Volksaktie" der Telekom mit zu viel Risiko behaftet.

ETFs sind einfachste Form der Fonds-Anlage

Dabei ist das Aktien-Investment gar nicht so kompliziert. Auch wenn man sich nicht mit der Materie auskennt, gibt es einen simplen Weg, sich die gute Rendite trotzdem nicht entgehen zu lassen: Exchange-traded Funds (ETFs). "Das ist die einfachste und kostengünstigste Form", weiß Schnabel.

ETFs sind an der Börse gehandelte Fonds und enthalten Werte wie Staatsanleihen, Währungen, Indizes oder auch Aktien. Bei ETFs sind die Verwaltungsgebühren in der Regel sehr niedrig.

"An Aktien in irgendeiner Art führt bei der Altersvorsorge kein Weg vorbei", bekräftigt Schnabel. Von einer Anlage in Einzelaktien rät er aber ab. "Man kann da sehr schnell Fehler machen."

5. Lebensversicherung

Auch von der klassischen nicht geförderten Kapitallebensversicherungen als Altersvorsorge rät Schnabel ab. "Das würde ich nicht machen. Es lohnt sich einfach nicht. Die Gesamtrendite ist bei den anderen Anlagen doch sehr viel höher."

Auch auf HuffPost:

Deutschland steht vor einer dramatischen Krise - und die wird uns alle betreffen

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Eine ebenso simple wie geniale Idee steckt hinter dem Projekt World Bicycle Relief. Diese nämlich lautet: "Fahrrad = Mobilität = Bildung". So einfach kann Hilfe tatsächlich sein.

World Bicycle Relief stellt Menschen in Entwicklungsländern Fahrräder zur Verfügung, damit sie ihr Leben aus eigener Kraft verändern können. Denn in ländlichen Regionen Afrikas bedeutet ein Fahrrad ein großes Maß an Lebensqualität: Es verkürzt die Transportwege und erleichtert seinem Besitzer den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.

Mit über 200.000 Fahrrädern, die in Afrika montiert werden, und 1000 ausgebildeten Mechanikern hilft WorldBicycleRelief vor Ort dabei, Armut zu bekämpfen und fördert Bildung und die wirtschaftliche Entwicklung in Gegenden, die sonst von der Infrastruktur abgeschnitten wären.

Unterstütze sie jetzt bei dieser Arbeit und spende auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(lp)