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"Willkommen bei den Hartmanns": Senta Berger und Heiner Lauterbach im Interview

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Heiner Lauterbach und Senta Berger im Film

Im Film "Willkommen bei den Hartmanns", der seit Donnerstag im Kino läuft, spielen Senta Berger (75, "Altersglühen") und Heiner Lauterbach (63, "Wir sind die Neuen") ein Ehepaar, das ganz unterschiedlicher Meinung ist. Angelika beschließt einen Flüchtling aufzunehmen, ihr Mann Richard ist dagegen. Wie sie zum brisanten Thema des Films stehen, haben sie im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verraten. Dabei sprechen sie auch über Eitelkeit, Meinungsverschiedenheiten und darüber, wieso wir alle "ein bisschen Hartmanns" sind.

Was war Ihr erster Gedanke, als Sie das Drehbuch gelesen haben?

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Heiner Lauterbach: Ich dachte, dass es ein sehr gutes Buch ist. Das hat mich wirklich gefreut, weil man leider nicht mehr allzu oft gute Drehbücher zu lesen bekommt. Das war tatsächlich mein allererster Gedanke.

Senta Berger: Ich kannte bereits die Idee zum Buch und die erste Version. Es sollte ursprünglich eine kleine Reihe über eine Familie sein. In einer Folge sollte diese Familie dann mit einem Flüchtling konfrontiert werden. Je mehr Simon davon erzählt hat, ist ihm selbst und uns klar geworden, dass das die eigentliche Geschichte ist. Dann habe ich die zweite und dritte Version gelesen und es wurde immer besser. Ich finde auch, er hat ein besonderes Talent und kann sehr gut schreiben.

Da schwingt sicher auch der Mutterstolz mit...

Berger: Nein, da bin ich tatsächlich sehr zurückhaltend. Ich hätte sogar Grund, stolz zu sein. Aber ich sage das als Schauspielerin.

Es war das erste Mal, dass Sie mit Ihrem Sohn zusammengearbeitet haben. Wie war das für Sie?

Berger: Ich habe es als eine vollkommen normale Arbeitsweise empfunden. Simon hat mir seine Ideen mitgeteilt und verschiedene Choreografien vorgeschlagen. Mama - so hat er mich auch am Set genannt - du kommst hier rein, dann setzt du dich an diesen Tisch, dann machst du das... Und wenn mir dabei etwas nicht schlüssig erschien, dann habe ich das natürlich auch gesagt. Aber letztendlich entscheidet beim Film einer und in diesem Fall war das Simon.

Der Film vereint das Thema Flüchtlinge und die Geschichte einer Familie. Wie sehen Sie diese Kombination?

Lauterbach: Das ist ein sehr ambivalentes Thema, zu dem man unterschiedlichster Meinung sein kann. Wir werden ja fast täglich mit neuen Informationen und Begebenheiten konfrontiert. Deswegen ist das auch keine Schwarz-Weiß-Malerei oder ein reiner Willkommensgruß an die Flüchtlinge, sondern es wird darüber diskutiert. Man hat die Familie als Sprachrohr genommen, um dadurch verschiedene Meinungen zu äußern.

Berger: Ich finde es sehr angenehm, dass der Film nicht mit einem Zeigefinger und einer eindeutigen Botschaft arbeitet. Es ist ein sehr liebenswerter Film geworden, an dessen Figuren man nicht vorbeigehen kann, gerade weil sie so widersprüchliche Meinungen haben, die eben die Stimmung in unserem Land widerspiegeln. Aber natürlich kann die Geschichte der Hartmanns keine Antworten geben. Dieser Film - und das finde ich geglückt - stellt Fragen.

Hat der Film Ihrer Meinung nach ein Happy End?

Berger: Ich persönlich mag es gerne, wenn man aus einem Film mit einer kleinen Hoffnung entlassen wird. Das heißt nicht, dass ich ein Happy End brauche, aber gute Kunst muss auch nicht immer negativ sein. Und dieser Film hat kein Happy End, aber ein glückliches Ende.

Sie spielen ein Ehepaar, das ganz unterschiedlicher Meinung ist. Wie ist das bei Ihnen zuhause?

Berger: Mein Mann und ich haben sehr unterschiedliche Ansichten. Wahrscheinlich sind wir gerade deswegen auch nach 50 Jahren noch gerne zusammen und finden diese temperamentvollen Auseinandersetzungen höchst bereichernd. Man muss nicht immer einer Meinung sein, um zusammenzubleiben, oder einer die Hosen anhaben.

Herr Lauterbach, Ihre Figur hadert ziemlich mit dem Älterwerden. Wie eitel sind Sie denn selbst?

Lauterbach: Wir sind doch alle mehr oder weniger eitel, Schauspieler insbesondere. Für einen Schauspieler bin ich verhältnismäßig uneitel, glaube ich. Für einen Mann dagegen verhältnismäßig eitel. Aber es hält sich in Grenzen.

Und zum Schluss noch die Frage: Sind wir nicht alle ein bisschen Hartmanns?

Berger: Das ist eine gute Frage... Ich finde schon.

Lauterbach: Unbedingt.

Berger: Es wird sich nicht jeder hundertprozentig darin erkennen können. Aber da sind allein so viele Eigenschaften, in denen ich mich selbst erkenne, die ich aber gar nicht auslebe. Zum Beispiel Angelikas mädchenhafte Erwartung an das Leben. Ich bin dafür mittlerweile zu realistisch.