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Deutsch-türkischer Wissenschaftler erklärt, "was für Kinderehen spricht"

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CHILDMARRIAGE
Deutsch-türkischer Wissenschaftler erklärt,"was für Kinderehen spricht" | Stringer India / Reuters
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  • Justizminister Heiko Maas spricht sich in einem Interview für ein Verbot von Kinderehen in Deutschland aus
  • Der türkischstämmige Erziehungswissenschaftler Ahmet Toprak fordert dagegen in einem Kommentar, Kinderehen in Deutschland nicht pauschal zu verbieten

Deutschland diskutiert über Kinderehen. Nach der Einreise Hunderttausender Flüchtlinge im vergangenen Jahr haben die Behörden mehrere hundert Kinderehen registriert.

Eigentlich ist die Gesetzeslage klar: In Deutschland dürfen Ehen derzeit grundsätzlich erst mit der Volljährigkeit geschlossen werden. Doch was, wenn die jungen Zuwanderer bereits im Ausland verheiratet waren?

Justizminister Heiko Maas (SPD) forderte in der "Passauer Neuen Presse“, Ehen von Minderjährigen unter 16 Jahren müssten in Zukunft ausnahmslos verboten sein. Auch die CSU setzt sich vehement für ein solches pauschales Verbot ein.

Doch es gibt durchaus auch andere Meinungen. Die "Zeit“ veröffentlichte nun einen Kommentar von Ahmet Toprak, einem türkischstämmigen Erziehungswissenschaftler der FH Dortmund. Er erklärt das Phänomen der Kinderehe und will darin betonen, "was für Kinderehen spricht“.

"Institution der Ehe hat einen hohen Stellenwert"

Toprak erklärt: "Es ist populär und unkompliziert zu fordern, dass diese Ehen in Deutschland nicht anerkannt werden dürfen, weil sie frauenfeindlich – denn von Kinderehen sind meistens Mädchen betroffen – sind oder das Recht auf Selbstbestimmung verletzen.“

Mehr zum Thema: So hoch ist die Zahl der Kinderehen in Deutschland wirklich

Es müsse jedoch vorrangig um das Wohl der Mädchen gehen. Die Institution der Ehe habe in der muslimischen Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Die meistens arrangierten Ehen, die im Kindesalter geschlossen werden, würden in bäuerlichen Gegenden auch als Bündnis zwischen Familien verstanden werden.

So gehe es zum einen auch um wirtschaftliche Transaktionen, zum anderen darum, den Haushalt durch die Frau als wertvolle Arbeitskraft zu stärken. Bei den Eltern der Mädchen spiele zudem möglicherweise eine Rolle, "dass die Eltern die Verantwortung für die Tochter an den Schwiegersohn abgeben wollen".

Toprak fordert Schutz der Mädchen

Toprak schreibt: "Die frühere Heirat und Gründung einer Familie ist gesellschaftlich anerkannt und legitimiert die Kinder in der öffentlichen Wahrnehmung zu mehr Selbstständigkeit, da das Heiraten den Schritt in das Erwachsenenalter dokumentiert.“

Die deutsche Justiz müsse die Mädchen schützen, statt ihnen zu schaden, findet der Erziehungswissenschaftler. Wenn Heiko Maas das in seinem Gesetzesvorhaben berücksichtige, handele er richtig.

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Maas hatte noch letzte Woche einen Gesetzentwurf vorgelegt, der kein generelles Verbot von Kinderehen vorsah. CDU und CSU kritisierten den Justizminister dafür scharf.

Eine Antwort, wovor die jungen Mädchen in Deutschland beschützt werden sollen, bleibt Toprak jedoch schuldig.

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(ll)