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Journalismus-Professor: Darum haben die Medien im US-Wahlkampf versagt

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CLINTON TRUMP MEDIA
Donald Trump wird von verschiedenen Medien nach der ersten TV-Debatte interviewt | Bloomberg via Getty Images
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  • Journalismus-Professor Jeff Jarvis gibt den Medien die Schuld am hasserfüllten US-Wahlkampf
  • Gerade die Trump-Wähler hätten die Medien vernachlässigt

Der Journalismus in den USA hat versagt. Das schreibt der US-amerikanische Professor für Journalismus Jeff Jarvis in einem Gastbeitrag für das Magazin "Focus".

Seine Kollegen seien dafür verantwortlich, dass im Wahlkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump eine Skandalnachricht die nächste jage.

Die Aufgabe der Journalisten sei es eigentlich, ihre Mitmenschen zu informieren. Dazu müssten sie Fakten liefern, damit die Wähler eine fundierte Endscheidung treffen können.

Das sei jedoch nicht passiert, was "zu emotionalen, irrationalen und hasserfüllten Diskussionen über Einwanderung, Jobs, Gesundheitswesen, Kriminalität und Krieg geführt" habe.

Die wütenden weißen Männer

Für Jarvis ein Kardinalfehler der Medien: Die Redakteure der liberalen Medien wie der Fernsehsender CNN oder die Zeitung "New York Times" haben eine Wählergruppe vernachlässigt - "die wütenden, unterbeschäftigten, weniger qualifizierten weißen amerikanischen Männer – die Trump-Wähler also."

Für diese Menschen hätten die Journalisten kein offenes Ohr und kein Mitgefühl gehabt, denn deren Weltsicht entspräche einfach nicht der ihren. In die Lücke der Berichterstattung seien andere gestoßen: Fox News, Breitbart, und weitere.

Jarvis nennt sie rechte Bewegungen, die sich als Medien verkleidet hätten und "den Trump-Kult mit Desinformation und Geifer füttern."

Die rechtskonservative Nachrichtenseite Breitbart News beispielsweise ist im US-Wahlkampf zu einem Werbemittel für Trump geworden. Sein Wahlkampfleiter Stephen Bannon war vor seinen Engagement für Trump Vorsitzender des Unternehmens, zu dem Breitbart News gehört.

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Trump ist gut für das Geschäft, aber schlecht für die USA

Noch einen weiteren Fehler sieht Jarvis bei den großen Medien der USA: Sie hätten genauso lange über Trumps Lügen und Skandale berichtet wie über die Verfehlungen seiner Konkurrentin Hillary. Dabei sei beides gar nicht vergleichbar.

Die Medien hätten dort um Ausgewogenheit gekämpft, wo es nicht nötig gewesen sei. "Damit sorgte die Presse dafür, dass Hass normal klingt und Normalität hasserfüllt wirkt", sagt Jarvis. So habe man die E-Mail-Affäre von Clinton aufgebauscht, um den Skandalen Trumps etwas entgegensetzen zu können.

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Skandale seien nunmal besser für das Geschäft: "Die Chefs von zwei landesweiten US-Fernsehsendern haben das sogar zugegeben, indem sie sagten, Trump sei schlecht für die Demokratie, aber gut für ihre Gewinne."

Die Trump-Kandidatur und die Brexit-Kampagne bedeuten für Jarvis eine Revolution für Politik und Medien. "Daraus kann ein bloßer Abriss werden oder ein Neubau – doch zum Bauen braucht es ein Fundament aus intelligenter Diskussion und Information", sagt er.

Die Krise des Journalismus bietet für Jarvis auch die Chance, neu anzufangen.

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(lp)