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Weiße Nationalisten sind die Gewinner der US-Wahl - auch wenn Trump verliert

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DONALD TRUMP
Weiße Nationalisten sind die Gewinner der US-Wahl - auch wenn Trump verliert | Carlo Allegri / Reuters
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Im letzten Monat besuchten mehrere weiße Nationalisten aus den USA eine Anti-Einwanderungskonferenz in Wismar. Dort sagten sie den Teilnehmern, Donald Trumps Wahlkampf sei ein Gewinn für ihre Bewegung selbst dann, wenn er die Wahl zum Präsidenten der USA verlieren werde.

Zu den offiziellen Rednern auf der Veranstaltung, die von einer Vereinigung nationalistischer Parteien in der EU gefördert wurde, gehörten auch folgende zwei Herren: Kevin MacDonald, ein Professor im Ruhestand der California State University in Long Beach, der den Antisemitismus verteidigt, und Tom Sunic, der bereits auf Treffen des Ku-Klux-Klans, vor Holocaust-Verneinern und Neo-Nazis gesprochen hat und als "Dolmetscher für ein sehr hochklassiges privates deutsches Publikum fungierte", wie er gegenüber der Huffington Post sagte.

William Johnson, ein weißer Nationalist, der für kurze Zeit auch in Trumps Wahlkampagne mitgearbeitet hatte, trat unangekündigt auf.

Europäische Nationalisten interessierten sich sehr für Trump

Zu den nicht-amerikanischen Sprechern gehörte Frank Rennicke, ein deutscher Sänger und Komponist, der der rechten extremistischen Ecke zuzuordnen ist und Nick Griffin, ein britischer Politiker, der bereits einmal wegen Anstiftung zu rassistischem Hass verurteilt wurde. Griffin stauchte alle weißen Aktivisten, die nicht verheiratet sind und keine Kinder haben, zusammen, so berichtete Johnson.

Die Veranstaltung konzentrierte sich laut einer Broschüre der Konferenz thematisch auf die "Flüchtlingskrise, die Bedrohung durch islamistischen Terror und die negativen Entwicklungen in der Europäischen Union".

Aber die europäischen Nationalisten interessierten sich auch für Trump und dafür, was geschehen wird, sollte er die Wahl zum US-Präsidenten verlieren. Auf der Konferenz erklärte Johnson, dass Trump den Bemühungen der weißen Nationalisten Auftrieb geben wird und dafür sorgen wird, dass man ihnen zukünftig mit mehr Respekt begegnet.

Sunic, der auf die Fragen des Publikums zu Trump einging, sagte der Huffington Post, Trump könne als "politisches Phänomen" nicht mehr gestoppt werden.




Mehrere weiße amerikanische Nationalisten kamen kürzlich auf einer Anti-Einwanderungskonferenz in Deutschland zusammen.

Es besteht kein Zweifel daran, dass Trumps Präsidentschaftsambitionen vielen weißen Nationalisten in den USA zu neuer Energie verholfen haben. In den vergangen Wochen hat die offizielle Zeitung des Ku-Klux-Klans Trump Unterstützung zugesichert und weiße Rechtsextreme haben bekanntgegeben, Wahllokale zu beobachten.

Trump streitet Verbindungen zum Ku-Klux-Klan ab

Johnson hat das Gerücht gestreut, Evan McMullin, ein unabhängiger Präsidentschaftskandidat, der in Utah Kopf an Kopf mit Trump liegt, sei schwul (vor wenigen Tagen stoppte er die Verleumdungskampagne entschuldigte sich).

Das Wahlkampfteam von Trump nannte die Zeitung des Ku-Klux-Klans "widerwärtig" und erklärte, dass "deren Ansichten nicht die vielen Millionen Amerikaner repräsentierten, die die Kampagne hinter sich vereint".

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Zu den Gerüchten sagten die Wahlkampfhelfer: "Wir wissen von keinen Aktivitäten in dieser Richtung und verurteilen diesen Hass und jede Person, die einen solchen Hass schürt, aufs Schärfste."

Aber die weißen Nationalisten sammeln ihre Energien nicht nur für den Wahltag. Wie die Konferenz in Deutschland zeigte, planen sie bereits ihre nächsten Schritte.

"Trump hat Kräfte freigesetzt - Kräfte, die viel mächtiger sind als er selbst"

"Trump hat Kräfte freigesetzt - Kräfte, die viel mächtiger sind als er selbst, die sich nicht so einfach zurück in die Flasche befördern lassen“, sagte Richard Spencer, Direktor des National Policy Institutes, einem Think Tank weißer Nationalisten.

"Diejenigen, die alles zurück auf Anfang setzen wollen und hoffen, der politische Diskurs des Landes möge zur Normalität zurückkehren, werden schwer enttäuscht werden", fügte er hinzu.

Sollte Trump verlieren, will Johnson die Mailing-Liste des Trump-Wahlkampfes kaufen. Er weiß nicht, ob das möglich ist, aber er plant, mit dieser Liste Marketing für die weißen Nationalisten zu betreiben.

Das Marketing soll Schlüsselprinzipien enthalten, wie zu Beispiel "sich Multikulturalismus und Diversität entgegenzusetzen", sagte er. Er hofft außerdem, einige seiner Leute jetzt öfter als Experten in den Medien zu sehen.

Als Beispiel nennt er hier Jared Taylor, den Herausgeber der weiß-nationalistischen Zeitschrift "American Renaissance“ und fügt noch hinzu, dass es auch unter den weißen Nationalisten einige geeignete Kandidaten für das Amt des Präsidenten gäbe.

Keiner der großen Republikaner teile Trumps Ansichten zu Einwanderung und anderen wichtigen Themen, so Spencer. Aber er ist davon überzeugt, dass es Anzeichen dafür gibt, dass bald schon eine neue Sorte Politiker die politische Bühne beteten wird.

Nationalisten wollen Trump instrumentalisieren

Matthew Heimbach, der Anfang des Jahres Schlagzeilen machte, als er eine schwarze Frau wegstieß, die auf einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump in Louisville, Kentucky, protestierte und der für einige bereits jetzt "das Gesicht einer neuen Generation weißer Nationalisten" ist, ließ bereits verlauten: Er hoffe, diese Wahl werde den Republikanern in solchem Maße schaden, dass die weiße Arbeiterklasse der Partei vollends den Rücken kehren werde.

Er sähe es lieber, diese Wähler würden die weißen Nationalisten unterstützen, von denen er hofft, dass sie schon bald Kandidaten in Regionalwahlen stellen werden.

In gewissem Maße ist das bereits jetzt der Fall: Eine frühere Größe des Ku-Klux-Klans, David Duke, ein Unterstützer Trumps, hat Anfang des Jahres angekündigt, für den Senat in Louisiana zu kandidieren.

Weiße Nationalisten, die im Jahr 2016 häufiger in Anzügen auf akademischen Veranstaltungen zu finden sind als vermummt in düsteres Klubräumen, möchten es so erscheinen lassen, als spräche Trump aus, was viele Amerikaner denken. Aber seine Unterstützung beruht auf einer immer weiter schrumpfenden Gruppe weißer Wähler, die sich vor wirtschaftlichen Veränderungen fürchten.

Frustrierte Wähler könnten unüberlegte Gewalttaten begehen

Trump wird wahrscheinlich verlieren. Duke wird wahrscheinlich verlieren. Die wahre Gefahr, so sind sich einige Experten sicher, ist nicht, dass weiße Nationalisten die dominierende politische Ideologie in den USA verkörpern werden - sondern vielmehr, dass ein Scheitern Trumps frustrierte Wähler zu unüberlegten Taten verleiten wird.

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Jared Taylor, Herausgeber der weiß-nationalistischen Zeitschrift American Renaissance, sagt, die nationalistische Bewegung werde weiter wachsen – mit oder ohne Trump; Bild: AP

Obwohl weiß-nationalistische Anführer dazu aufrufen, der politischen Frustration ein Ventil zu geben, indem man selbst politisch aktiv wird oder Kandidaten der weiß-nationalistischen Bewegung unterstützt, so werden einige Anhänger extremistischer Rhetorik sich eher zu Gewaltakten hinreißen lassen, warnt Ryan Lenz, einer der Autoren des Southern Poverty Law Center’s Intelligence Project und Herausgeber des Hatewatch Blogs.

Der überwiegende Teil des nationalen Terrorismus in den letzten Jahren wurde von sogenannten "einsamen Wölfen" oder dem "anführerlosen Widerstand" verübt. Gruppen, die oft nur aus zwei Personen bestanden, so der Bericht des Southern Poverty Law Centers aus dem Jahr 2015.

Experten warnen, Hassverbrechen könnten stark ansteigen, sollte Trump verlieren

"Die Menschen verlangen nach einem Rassen-Krieg", sagt Lenz. "Und die weißen Nationalisten und andere Rechtsextreme haben die verrückte Hoffnung, dass sich ihre Träume mit einem Sieg Trumps verwirklichen werden. Was, wenn diese Hoffnung in Verzweiflung umschlägt? Oder in ein Scheitern? Wir wissen es nicht, aber in Zeiten des Scheiterns neigen die Menschen oft dazu, sich zu überstürzten Gewalttaten hinreißen zu lassen. Das ist unsere größte Sorge im Moment."

David Pilgrim, Gründer und Kurator des Jim Crow Museums an der Ferris State University, warnt außerdem davor, dass Hassverbrechen und tätliche Übergriffe stark ansteigen werden. "Ich fürchte, dass Rasse, Klasse und Geschlechter die Menschen in diesem Wahlkampf noch weiter auseinander getrieben haben", sagt er. "Ich habe Angst vor dem Morgen danach."

Es ist nicht klar, ob Trumps Unterstützer das Ergebnis der Wahl akzeptieren werden, bedenkt man, wie oft Trump behauptet hat, alles wäre manipuliert. Auf Stormfront, einem rechtsextremen Internetforum, haben Nutzer mehrheitlich verkündet, dass sie einen Sieg Clintons nicht akzeptieren werden.

"Ich hoffe auf eine Revolution und dass man ihr mit Gewalt begegnen wird. Macht euch auf das Schlimmste bereit", schrieb ein User. Ein anderer kündigte an, man werde "Robespierre und seine Guillotinen von den Toten auferwecken". Er bezieht sich dabei auf den französischen Politiker, der eine einflussreiche Figur während der Französischen Revolution und ein Anführer während der "Regentschaft des Terrors" war und Zehntausende Menschen durch die Guillotine hinrichten ließ.

Trump-Anhänger drohen mit Aufständen bei Clinton-Sieg

"Wir holen uns dieses Land zurück. Wenn wir es auf demokratische Weise schaffen, schön und gut. Aber wenn uns das nicht gelingt, dann lassen wir uns andere Mittel und Wege einfallen. So, ich hab’s gesagt. Verfassungsschutz, wollt ihr meine Adresse? Fickt euch und sterbt!" sind die Worte eines anderen Nutzers.

Selbst wenn die Post-Trump-Gewaltausbrüche nicht eintreten sollten, hat der Kandidat der Republikaner dennoch dafür gesorgt, dass Rassismus im politischen Diskurs zu etwas ganz Alltäglichem geworden ist. So erklärt es Pilgrim, auch wenn er nicht glaubt, dass Rechtsextreme in den zukünftigen Wahlen eine übermäßig große Rolle spielen werden.

Jedoch ist er durchaus besorgt, "dass vermehrt Personen gewählt werden, die rassistische Ansichten vertreten, die sich mit denen des Ku-Klux-Klans und anderen rechtsextremen Gruppierungen decken."

Seit Beginn seines Wahlkampfes hat Trump immer wieder versprochen, Muslime daran zu hindern, in die USA einzureisen und entlang der amerikanisch-mexikanischen Grenze eine Mauer zu bauen. Diese radikalen Versprechungen alleine hätten schon genügt, weiße Nationalisten anzuziehen, aber Trump ging noch weiter.

"Trump bringt etwas mit, das schon immer in der Luft lag"

Als Duke Trump seine Unterstützung zusicherte, vermied es der Immobilien-Tycoon zunächst, diesen abzuweisen. Was zunächst nur wie ein glücklicher Zufall schien, sollte schon bald zu einer richtigen Strategie werden, um enttäuschte weiße Wähler zu hofieren.

"Trump bringt etwas mit, das schon immer in der Luft lag", sagt der bekannte Gelehrte und emeritierte Professor des MIT, Noam Chomsky. "Rassismus ist in der amerikanischen Geschichte und Kultur sehr tief verwurzelt", so dass es sehr viel "harter Arbeit bedarf, diesen zu bezwingen".

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William Johnson, Anwalt, weißer Nationalist und kurzzeitig auch Mitarbeiter der Trump-Kampagne; Bild: AP

Das Trump-Lager hat wiederholt mit weißen Nationalisten in den sozialen Netzwerken geflirtet, farbige Menschen und Einwanderer in öffentlichen Meldungen verunglimpft und dann Ahnungslosigkeit vorgetäuscht, wenn man sie mit diesen Anschuldigungen konfrontierte.

Rassisten verstecken sich nicht mehr in den dunklen Ecken des Internets

Für die weißen Nationalisten ergab diese Strategie Sinn. Rassisten, die sich üblicherweise in den dunklen Ecken des Internets aufhielten, begannen sich selbst als "alt-Right" zu bezeichnen, ein Begriff, den Spencer im Jahr 2008 prägte. Die Bewegung wurde so stark, dass Hillary Clinton sich gezwungen sah, sie öffentlich zu verurteilen.

Und obwohl die Zahl der Amerikaner, die solche Hass-Gruppierungen direkt unterstützen oder regelmäßig deren Websites besuchen, immer noch sehr viel kleiner ist als noch vor einigen Jahren, so wächst sie dennoch, erklärt Brian Levin, Direktor des Center for the Study of Hate and Extremism an der California State University in San Bernadino.

"Selbst wenn Donald Trump verliert, so sind die weißen Nationalisten jetzt doch so stark, vereint und vernetzt, wie seit der aufrührerischen Kampagne von George Wallace im Jahr 1968 nicht mehr", so Levin, der sich auf den früheren Gouverneur von Alabama bezieht.

Trump ist nicht nur der Kandidat der Republikaner, in Kalifornien ist er zusätzlich noch der Kandidat der American Independent Party, einer Gruppierung, die aus dem Präsidentschaftswahlkampf von Wallace im Jahr 1968 hervorging.

Nationalisten kündigen an, weiter zu wachsen

Die Ähnlichkeit der beiden Kandidaten stimmt nicht zu 100 Prozent überein, so Pilgrim."Ich glaube nicht, dass die Wallace-Unterstützer, auch die Hardliner nicht, der Überzeugung waren, er könne gewinnen." Trotzdem aber hat Wallace die politische Landschaft langfristig geprägt.

Richard Nixon, der in dem Jahr die Wahl zum Präsidenten gewann, hat viele von Wallaces Ansichten zu Rasse übernommen, auch "wenn er die scharfen Kanten der wütenden rhetorischen Äußerungen des Gouverneurs von Alabama weggefeilt hat", so Dan Carter, emeritierter Geschichtsprofessor der University of South Carolina.

Die weißen Nationalisten haben sich immer noch auf eine Präsidentschaft Trumps eingeschossen. Und auf der Konferenz in Deutschland war man tief beeindruckt von dem, was seine Kampagne alles geschafft hat. „Jeder mit dem ich gesprochen habe, konnte nur Gutes über Donald Trump sagen“, so Johnson.

Jared Taylor, Herausgeber der weiß-nationalistischen Zeitschrift "American Renaissance", sagte, seine Bewegung werde weiter wachsen – mit oder ohne den Immobilien-Tycoon. "Wir sind klüger und entschlossener als Donald Trump“, so Taylor. "Wir haben die Frage der Rasse sehr viel systematischer durchdacht, als er es je tun wird."

Wenn Trump verliere, dann werde es eine "enorme Frustration" unter seinen Unterstützern geben, so Taylor. "Ich möchte über unsere nächsten Schritte nicht ins Detail gehen, aber wir konnten bereits eine riesige Zahl neuer Unterstützer für uns gewinnen."

Anmerkung der Herausgeber: Donald Trump stiftet in schöner Regelmäßigkeit zu politischer Gewalt an und ist ein serienmäßiger Lügner, Rassist, blindwütender Fremdenhasser, Frauenhasser und Verschwörungstheoretiker (er ist Anhänger einer Verschwörung, laut der Barack Obama außerhalb der USA geboren wurde), der immer wieder dazu aufruft, allen Muslimen – 1,6 Milliarden, einer gesamten Weltreligion – die Einreise in die USA zu verweigern.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

(lk)