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Renten-Reform: 7 Zeichen, dass mit der Rentenpolitik eine ganze Generation betrogen wird

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Rente: 7 Zeichen, dass eine ganze Generation betrogen wird | Reuters/HuffPost/Getty
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Die Rentenpolitik wird zu einem der wichtigsten Wahlkampfthemen - wieder einmal, und wieder einmal sind dabei die älteren Deutschen im Fokus, denen es oft ohnehin schon gut geht.

Was die meisten übersehen: Mit den aktuellen Plänen wird eine ganze Generation betrogen.

Das Kalkül von Bundesregierung und Gewerkschaften ist klar: Ohne den Zuspruch von Rentnern und angehenden Pensionären ist keine Wahl mehr zu gewinnen. Bezahlen müssen das die 20- bis 40-Jährigen.

Diese Fakten zeigen, dass es Zeit wird für einen Aufstand der Jüngeren:

1. Die Rente mit 63 ist ein Milliardengeschenk, das die Jüngeren bezahlen

Die Deutschen werden immer älter, beziehen also immer länger Rente. Folglich müssten die Menschen später in Rente gehen. Doch diese Tatsache will Sozialministerin Andrea Nahles nicht wahrhaben. Und so brachte ihr Haus eine Rentenreform auf den Weg, nach der die Menschen sogar schon früher in Rente gehen können - mit 63 Jahren.

Diese Möglichkeit nutzen viele: Nach Schätzungen des Bundesarbeitsministeriums und der Deutschen Rentenversicherung kostet die Rente mit 63 Beitragszahler inzwischen jedes Jahr drei Milliarden Euro extra.

Geld, das der Rentenversicherung später fehlen wird, wenn die Zahl der Beitragszahler sinkt.

2. Das Renteneintrittsalter müsste dagegen steigen

Der richtige Weg wäre es, das Renteneintrittsalter zu erhöhen. Auf 70 oder noch weiter, wie es zum Beispiel Finanzminister Wolfgang Schäuble fordert. Diesen Weg will die CDU nun zwar verfolgen.

Auch CSU-Chef Horst Seehofer äußert im "Spiegel" grundsätzlich Sympathie dafür. Denkbar sei demnach etwa, dass sich die gesetzliche Altersgrenze mit jedem weiteren Jahr Lebenserwartung automatisch um ein halbes Jahr erhöht.

Doch dazu wird es unter Schwarz-Rot eher nicht kommen: Die SPD sträubt sich gegen eine solche Reform. "Eine Erhöhung des Renteneintrittsalters steht überhaupt nicht zur Diskussion", sagte SPD-Parlamentsgeschäftsführerin Christine Lambrecht in der "Zeit".

Die Politiker haben ja auch alle Zeit der Welt. Denn zahlen werden all das die Jüngeren.

3. Die Rente soll stabil bleiben - aber das ist unbezahlbar

Die Idee klingt für viele verlockend: Auch wenn in den nächsten Jahren immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner finanzieren müssen, soll das Rentenniveau auf dem heutigen Stand festgeschrieben werden.

Das fordern Sozialverbände und Gewerkschaften - und auch Sozialministerin Nahles kann der Idee etwas abgewinnen.

Was niemand verrät: wie das finanziert werden soll. Denn diese Maßnahme würde 2030 rund 18 Milliarden und 2045 schon 40 Milliarden Euro kosten – pro Jahr.

Das IW Köln hat ausgerechnet, dass Singles ohne Kinder diese Maßnahme schon 2025 jedes Jahr mit zusätzlich 138 Euro ihres Nettoeinkommens bezahlen müssen. Eine vierköpfige Familie müsste sogar 280 Euro zusätzlich aufbringen.

Rentenexperten halten von diesem Plan daher nichts. Der Freiburger Ökonom Bernd Raffelhüschen empfiehlt stattdessen, alles beim Alten zu lassen. Bis 2030 solle das Rentenniveau auf 41,6 Prozent sinken wie vorgesehen.

Sein Fazit: "Die Babyboomer-Generation hat es verpasst, die erforderliche Zahl an Kindern zu bekommen, die nötig gewesen wäre, um das Rentenniveau hochzuhalten. Wenn man demografisch versagt, muss man auch mit den Folgen leben", sagte Raffelhüschen.

Mehr zum Thema: Das sagen junge Menschen dazu, dass sie in 40 Jahren arm sein könnten

4. Ostrenten sollen angeglichen werden - das funktioniert aber nicht

Ein weiteres umstrittenes Rentenprojekt der Bundesregierung ist die Angleichung der Ost-Renten an West-Niveau: Bundeskanzlerin Angela Merkel steht hinter der Idee, obwohl große Teile der Unionsfraktion dagegen sind.

Die SPD findet das prima: Nahles hatte eine Angleichung in zwei Schritten 2018 und 2020 vorgeschlagen. Schönheitsfehler: Die Mehrausgaben für das Projekt liegen von 2018 an zunächst bei 1,8 Milliarden Euro im Jahr - und steigen dann.

Geld, das später fehlt, wenn die Zahl der Beitragszahler sinkt.

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5. Zudem soll die Mütterrente steigen

Die CSU will dieser Angleichung der Ost-Renten zustimmen, allerdings nur, wenn im Gegenzug die Renten älterer Mütter steigen - ein Lieblingsthema der Bayern - das die Kosten weiter treiben wird.

6. Rund 200 Milliarden sollen die Rentengeschenke in 15 Jahren kosten

Insgesamt sollen die aktuell diskutierten Rentengeschenke schon bald pro Jahr 200 Milliarden Euro zusätzlich kosten. Damit rechnet zumindest Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer.

Das sind in etwa zwei Drittel des jetzigen Bundeshaushalts. Damit könnte Deutschland das deutsche Bildungsministerium für fast zwölf Jahre finanzieren.

7. Rente im Wahlkampf? Dumme Idee

Es ist Wahlkampf. Und den gewinnt man nicht mit Reformen, sondern mit Wahlgeschenken. "Statt sich mit der Rente rumzuschlagen, sollte die Bundesregierung einfach alles so lassen, wie es ist", sagte der Rentenexperte Bernd Raffelhüschen "Focus Online".

"Es darf keine Rentendiskussion im Wahlkampf geben. Die Rente ist generationengerecht, so wie sie ist, und wenn man sie anpackt, wird sie schlechter."

Alle Parteien würden das Geld nur unter den alten Jahrgängen verteilen – und zwar zu Lasten der Jungen. "Die Jungen sind eben nicht die Mehrheit und haben keine Lobby."

Stattdessen müsste die Bundesregierung den Deutschen endlich erklären, dass sie privat vorsorgen müssen, wenn sie im Alter ihren Lebensstandard halten wollen.

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(lk)