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"Zur Diktatur mutiert": Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde fordert Sanktionen gegen die Türkei

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ERDOGAN
Präsident Erdogan wirft Toprakt "Kriegstreiberei und Faschismus" vor | Umit Bektas / Reuters
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Es war ein beispielloser Schlag gegen die kurdische Opposition in der Türkei. Bei nächtlichen Razzien hat die Polizei mindestens elf Abgeordnete der pro-kurdischen Partei HDP festgenommen, darunter die Parteivorsitzenden Selahattin Demirtas und Figen Yuksekdag.

Bei den Kurden sowohl in der Türkei als auch in Deutschland wächst die Sorge um ihre Sicherheit und die demokratische Zukunft des Landes.

Ali Ertan Toprak, Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde in Deutschland, wirft dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan "Kriegstreiberei und Faschismus“ vor – und ruft die Bundesregierung zum Handeln auf.

Der Kurden-Vertreter appelliert in der Huffington Post an Berlin und Brüssel: Die EU habe zu lange weggeschaut und trage daher eine Mitverantwortung an der jetzigen Lage.

Solidarität mit den Demokraten in der Türkei heiße nicht länger zu schweigen, erklärte Toprak.

Deutschland müsse nun klare Worte gegenüber dem "Faschismus in der Türkei finden und mit Konsequenzen drohen“. Er forderte die EU auf, die Beitrittsgespräche mit der Türkei sofort auszusetzen sowie alle Gelder an die Türkei zu stoppen.

"Spätestens jetzt muss jedem klar sein, wer der Putschist ist"

Toprak warnte: "Die nächste große Flüchtlingswelle wird aus der Türkei kommen, weil wir zugesehen haben, wie das Land zu einer Diktatur mutiert.“

"Knapp sechs Millionen Stimmen wurden letzte Nacht vom angeblichen Opfer eines Putschversuchs in den Kerker geworfen“, sagte er zu den Festnahmen der vergangenen Nacht.

In Hinblick auf den Putschversuch in der Türkei vom 15. Juli sagte Toprak: "Spätestens jetzt müsste doch jedem klar sein, wer der eigentliche Putschist ist.“

"Türkei droht zum nächsten Syrien zu werden"

Nach dem gescheiterten Militärcoup hatte Erdogan begonnen, oppositionelle Stimmen und vermeintliche Putschisten rigoros zu verfolgen. Auch vor kurdischen Politikern, denen er eine Nähe zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vorwirft, macht Erdogan nicht Halt.

Toprak warnt: "Die Türkei ist auf dem besten Wege das zweite Syrien und zu einem Failed State zu werden.“ Erdogan werde nicht davor zurückschrecken, den Krieg im Nahen Osten weiter auszuweiten. Der Vorsitzende der kurdischen Gemeinde glaubt: "Erdogan wird jetzt Rojava, die kurdischen Gebiete Syriens, und Kandil, das PKK-Hauptquartier im Nordirak, angreifen.“

Schon in der Nacht auf Freitag kam es in vielen deutschen Städten zu Protestaktionen kurdischer Bürger. Es sei mit weiteren Kundgebungen zu rechnen, so Toprak. Die Menschen seien verzweifelt angesichts des Schweigens in der EU.

Angesichts dieser Mobilisierung äußerte Toprak schon jetzt Bedenken, dass der Konflikt in der Türkei auch nach Deutschland hinüberschwappen könnte. "Ich hoffe nur, dass es zu keinen gewaltsamen Ausschreitungen zwischen Kurden und türkischen Nationalisten kommt", erklärte Toprak. Die Kurdische Gemeinde Deutschland tue alles, um das zu verhindern.

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(mf)