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Hilfe, mein Hund kratzt sich dauernd - 7 Gründe, warum es den Vierbeiner juckt

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Wenn es den Hund ständig juckt, leiden auch wir mit. Das andauernde Kratzen schränkt die Lebensqualität von Hund und Halter ein und kann Folgeerkrankungen mit sich bringen. „Allergien sind auch bei Hunden auf dem Vormarsch: Aus Studien wissen wir, dass Hautkrankheiten nach Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts die zweithäufigste Ursache für einen Tierarztbesuch sind", sagt Dr. Ursula Mayer, Fachtierärztin und Spezialistin für Allergien, Haut- und Ohrenkrankheiten bei Kleintieren. Den Tierarztbesuch hinaus zu zögern und Selbstdiagnosen aufzustellen, ist kontraproduktiv, denn Juckreiz kann viele Gründe haben - häufig sogar mehrere gleichzeitig. Zur Behandlung wird noch häufig Kortison eingesetzt, trotz starker Nebenwirkungen. Was viele nicht wissen: Kortison kann schon nach kurzer Zeit zu Nebenwirkungen führen, wie z.B. ein krankhaftes Durstgefühl und dadurch gesteigerter, auch nächtlicher Harndrang; sehr zur Last von Hund und Halter. Dabei ist die Gabe von Kortison in den meisten Fällen heute gar nicht mehr nötig.

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Fachtierärztin Dr. Ursula Mayer

„Es gibt viele Behandlungsmöglichkeiten, viele davon sind kortisonfrei, schnell wirksam und gut verträglich. Sie sollten allerdings frühzeitig eingeleitet werden", so Mayer. Eine dieser Alternativen stellt z.B. die Behandlung von allergisch bedingtem Juckreiz mit kortisonfreien Tabletten dar.

Das sind die Hauptgründe, warum es die Fellnasen juckt:

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1. Dein Hund hat Parasiten

Die sogenannten Ektoparasiten, beispielsweise Milben oder Flöhe, sind häufig Ursache für den ständigen Juckreiz. Deren Hinterlassenschaften, etwa der Kot der Milbe, können beim Hund Allergien hervorrufen, die zu starkem Juckreiz führen. Teilweise kann es sogar vorkommen, dass die Parasiten auf den Menschen übergehen und sich bei ihm einnisten. Somit können sie nicht nur eine Gefahr für den liebsten Vierbeiner, sondern auch für die Besitzer darstellen.

2. Dein Hund hat eine Umweltallergie (Atopie)

Wenn sich der Hund ständig am Ohr kratzt oder Entzündungen an den Pfoten hat, kann das ein erstes Anzeichen für eine Allergie sein! Der Vierbeiner reagiert möglicherweise auf Hausstaub, Schimmel oder Pollen von Gräsern und Bäumen überempfindlich und mit einer extremen Entzündungsreaktion der Haut. Für den Hund ist das eine Tortur. „Eine solche Allergie ist nicht heilbar", so Fachtierärztin Ursula Mayer, „denn die Auslöser lassen sich nicht komplett vermeiden. Der Juckreiz muss gestoppt werden, damit es nicht zu Sekundärinfektionen kommt. „Wir sprechen deshalb von einer Vier-Spalten-Therapie: Vermeidung des Allergieauslösers, Desensibilisierung, symptomatische Therapie gegen Juckreiz und die Hauptpflege mit beispielsweise Shampoos, Hautbarriere-Spot-Ons, etc. Diese Maßnahmen sind abhängig von dem individuellen Tier und seinem Besitzer. Denn ist die Haut erst mal geschädigt, haben Pilze und Bakterien leichtes Spiel."

3. Dein Hund hat eine Futtermittelallergie

Nach der Floh- und der Umweltallergie (Atopie) ist die Futterallergie die dritthäufigste Hauterkrankung beim Hund. Sie kann weitere Hauterkrankungen und allergische Reaktionen begünstigen. Die betroffenen Tiere leiden meist unter Juckreiz an den Pfoten, in den Achseln, in der Leiste und um die Augen. Außerdem haben sie häufig mit wiederkehrenden Ohrenentzündungen zu kämpfen. Als Folge des massiven Kratzens, kommt es zu Haarverlust, Hautverletzungen, Schuppen- und Krustenbildung. „Klinisch ist die Umwelt- von der Futterallergie kaum zu unterscheiden", weiß Ursula Mayer, Fachärztin für Dermatologie, „außer in einem Punkt: Etwa 30 Prozent der Hunde mit Futterallergie leiden auch unter Magen-Darm-Beschwerden." Um eine Futtermittelallergie mit einer relativen Sicherheit zu diagnostizieren, wird eine Ausschlussdiät durchgeführt.

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4. Dein Hund hat eine bakterielle Hautinfektion (Pyodermie)

Eine bakterielle Hautentzündung kommt selten allein - meist ist sie die Folge einer bereits bestehenden Erkrankung. Denn ist das Abwehrsystem des Hundes geschwächt, vermehren sich die sonst harmlosen Bakterien der Hautflora. Oftmals kann die Pyodermie nur dann dauerhaft erfolgreich behandelt werden, wenn die Grunderkrankung erkannt wurde. Um die Ursache herauszufinden, sind einige Untersuchen notwendig, beispielsweise Blutuntersuchungen oder Hautgeschabsel.

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5. Dein Hund hat eine hormonelle Hauterkrankung

Hormone haben einen wichtigen Einfluss auf sämtliche Prozesse des Körpers. Wenn zu viele oder zu wenige produziert werden, ist dies an Veränderungen des Fells erkennbar: Die Farbe wechselt, die Haut wird dünner oder dicker. Bei Hunden mit einer hormonell bedingten Hauterkrankung ist häufig die Schilddrüse betroffen. Bei einer Unterfunktion leiden die Fellnasen oft an schütterem, stumpfem Fell und trockener Haut, oft ist der Nasenrücken kahl. Juckreiz tritt jedoch häufig erst bei einer Sekundärinfektion mit Bakterien oder Pilzen auf.

6. Dein Hund hat eine Pilz-Infektion

Zu den bekanntesten Pilz-Infektionen zählt die Malassezien-Dermatitis. Dabei handelt es sich um Hefepilze, die zum normalen Bestandteil der Haut gehören. Erst wenn die Hautbarriere gestört ist, entwickeln sie sich zum Problem: Charakteristisch sind dann entzündlich veränderte, gerötete, meist juckende Veränderungen bei feuchter oder fettiger Haut, oft bedeckt von gelblichen, schmierigen Belägen. Die Ursache dafür liegt in einer gestörten Hautbarriere. Unbedingt behandelt werden sollte auch die - auf den Menschen übertragbare - Dermatophytose. Dabei handelt es sich um Pilze, die die Haare befallen.

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7. Dein Hund hat eine Ohrenentzündung

Ohrenerkrankungen entstehen durch Parasitenbefall, Allergien, Fremdkörper oder Autoimmunerkrankungen. Erste Symptome sind Kopfschütteln und Geruch aus den Ohren sowie vermehrter Ohrenschmalz. Die Haut ist an der Innenseite der Ohrmuschel und dem äußeren Gehörgang gerötet. An der Innenseite des Gehörgangs sammelt sich braunes, schwarz-braunes oder gelbliches Sekret, außerdem können sich Schuppen oder Krusten bilden. Eine Ohrenentzündung juckt den Hund nicht nur, sie verursacht Schmerzen, kann zu einer Kopfschiefhaltung bis hin zu Gleichgewichtsproblemen und sogar Taubheit führen. Erst wenn die Ursachen diagnostiziert und unter Kontrolle gebracht werden, kann ein Wiederauftreten der Ohrerkrankungen dauerhaft vermieden werden.

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Juckreiz schränkt die Lebensqualität des Hundes massiv ein. Der Hund zieht sich zurück, hat kaum noch Interesse an Bewegung, spielt nicht mehr kann jegliche Fröhlichkeit verloren. Wenn der Vierbeiner leidet, leidet der Halter mit. Um dies zu verhindern, ist ein frühzeitiger Tierarztbesuch das A und O. „Vor jeder Behandlung sollte die Ursache abgeklärt werden", macht auch Tierärztin Heike Lindenstruth, Leiterin der Tierklinik in Werl deutlich. Eine effektive Behandlung muss sowohl die Entzündung bekämpfen, als auch das Empfinden des Juckreizes unterbinden. Nur so kann sich der Hund wieder wohlfühlen. Die Initiative gegen Jucken klärt über die Behandlungsmöglichkeiten sowie Medikamente auf und gibt wichtige Ratschläge, wie Hundehalter selbst zum Therapieerfolg beitragen können. Dort sind auch Informationen über die Behandlung von allergisch bedingtem Juckreiz mit kortisonfreien Tabletten vorhanden. Durch diese bleiben starke Nebenwirkungen von Kortison - etwa eine starke Gewichtszunahme - aus. Dennoch kann der Juckreiz schnell und effektiv gelindert werden, sodass in Ruhe nach der richtigen Ursache geforscht werden und die passende Therapie eingeleitet werden kann. So erhalten Hund und Halter schnell ihre gewohnte Lebensqualität zurück und dem gemeinsamen Herumtollen steht nichts mehr im Wege.

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