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Er suchte nur eine Toilette im Freien - und fand einen Ort, der die Geschichte seines Landes umschreibt

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Ein Australier suchte nur ein ruhiges Plätzchen im Freien, wo er ungestört seine Notdurft verrichten konnte. Was er dort - im felsigen Gelände der "Flinders Range" - fand, rief dann die Archäologen auf den Plan. Der Mann hatte eine unglaubliche Entdeckung gemacht, die die Geschichte der Menschheit umschreiben könnte.

Der Unterstand, auf den der Mann stieß, liefert Beweise dafür, dass sich die Aborigines schon 10.000 Jahre eher als angenommen in Australien niederließen. Unter dem Schutz der Felsen lagen 4300 Artefakte, die aus Knochen gefertigt wurden. Bislang ging die Forschung davon aus, dass die Besiedlung des Kontinents um 39.000 vor Christus einsetzte.

Giles Hamm, der die Ausgrabungen rund 550 Kilometer nördlich der Stadt Adelaide leitet, kann sein Glück gar nicht fassen: "Ein Mann, der einfach nur aus dem Auto ausgestiegen ist, um aufs Klo zu gehen, führt zu einer der wichtigsten Stätten in Australiens Vorgeschichte."

Klimawandel vs. Besiedlung

Und die Funde belegen, dass die Menschen zeitgleich mit den Arten der sogenannten Megafauna lebten. Dabei handelt es sich um den Sammelbegriff für alle Landwirbeltiere von mehr als 45 Kilogramm. Gifford Miller von der Universität in Colorado geht davon aus, dass die australische Megafauna vor 50.000 bis 46.000 Jahren ausstarb.

Somit stellt die Ausgrabung einen weiteren Meilenstein in der Forschung dar und könnte einen wichtigen Anhaltspunkt in der Frage liefern, ob der Mensch oder der Klimawandel für das Aussterben der Megafauna verantwortlich ist. Zu den repräsentativen Arten dieser Fauna gehörte beispielsweise das Diprotodon, das größte bekannte Beuteltier aller Zeiten.

"Als wir sie zum ersten Mal sahen, dachten wir 'Wow, in dem Felsen-Unterschlupf liegt Brennholz von Menschen, hier fand menschliche Aktivität statt'", erzählt er dem australischen Fernsehsender ABC News.

Wie alt die Funde aber tatsächlich sind, konnte zu diesem Zeitpunkt noch keiner der Forscher ahnen.


Bewohner waren dort "gefangen"

Professor Prideaux, der sich an den Forschungen über den Unterschlupf beteiligte, sagte: "Menschen ließen sich im südlichen Australien nieder. Und das schon vor rund 50.000 Jahren. All die grandiosen Techniken gab es also schon viel eher, als wir dachten."

Durch die Entdeckung musste das erste Aufkommen von Nadeln aus Knochen, Axt-Schäften aus Holz und die Benutzung von Gips zurückdatiert werden, sagt Hamm.

Unsere Vorfahren, die unter den Felsen Schutz suchten, haben sich vielleicht in einer gefährlichen Lage befunden: "Sie waren in dem Gelände quasi gefangen. Aufgrund des Klimawandels (...) war es zu gefährlich, das Gebiet zu verlassen", sagte Hamm dem Sender.

Professor Prideaux und Hamm sind sich einig: "Der einzige Weg, wie die gefundenen Knochen hier her kamen, ist, weil Menschen sie hergebracht haben."

Die Ureinwohner wurden verdrängt

Die Ureinwohner Australiens, die sogenannten Aborigines, besiedelten also bereits rund 50.000 vor Christus den Kontinent. Sie spalteten sich in 400 bis 700 unterschiedliche Stämme auf. Im Laufe der europäischen Expansion wurden die Ureinwohner immer mehr in die fast unbesiedelten, trockeneren Landesteile verdrängt, wo es bedeutend weniger Wild gab.

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(lp)