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Maybrit Illner: "Trump wäre wie Bohlen als Kanzlerkandidat"

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MAYBRIT ILLNER
Bei "Maybrit Illner" ging es um den US-Wahlkampf | ZDF Mediathek
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Er sei "unappetitlich", sagte Moderatorin Maybrit Illner über den US-Wahlkampf zu Beginn ihrer Sendung "Sex, Lügen, E-Mails – Schlammschlacht ums Weiße Haus".

Die Redaktion musste lange suchen, um in Deutschland einen Trump-Befürworter zu finden - und wurde schließlich in Essen fündig. Nicholas Smith betreibt dort ein Restaurant und hat seine Stimme bereits Trump gegeben. "Trump ist eigentlich ein normaler Mensch und deshalb so beliebt", sagt er. Smith ist frustriert von dem "System" und den "Eliten".

Trump dagegen mache "Politik für normale Leute." Der Republikaner habe schon "viele gute Vorschläge" vorgelegt. Zu dem offensichtlichen Nonsens, den Trump von sich gibt, sagt er: Man soll ihn nicht wortwörtlich nehmen, aber trotzdem ernst nehmen".

Bernie Sanders als einzige Alternative?

Interessanterweise überschneiden sich seine Standpunkte mit jenen der Trump-Gegnerin Deborah Feldman. Die Publizistin ist aus den USA nach Berlin gezogen und steht bald vor der Einbürgerung. Auch sie ist frustriert von dem politischen System in den USA und froh darüber, bald Deutsche zu sein.

Eindrücklich erzählt sie, woher ihr eigener Hass auf die amerikanischen Eliten stammt. Nach der Schule habe sie aufgrund der Gebühren 200.000 Dollar Schulden gehabt. Mit 23 habe sie Angst gehabt, obdachlos zu werden und ihr Kind nicht ernähren zu können - während Abkömmlinge reicher und mächtiger Familien durch ihre Beziehungen in guten Jobs landeten.

"Niemand hat mich geschützt. Ich fühle mich persönlich ausgebeutet." Also habe sie ihre Eier gespendet, um zu überleben - und dafür 10.000 Dollar erhalten. "Ich verbinde diese Erfahrung mit Menschen wie Hillary", sagte sie.

Feldman glaubt, dass weder Trump noch Clinton gut für die USA wären. Nur Bernie Sanders, der demokratische Konkurrent von Hillary Clinton, wäre eine echte Alternative gewesen - und an dieser Stelle nickt Smith zustimmend.

Mehr zum Thema: Die aktuellen Entwicklungen rund um die Präsidentschaftswahl in den USA findet ihr in unserem Live-Blog

"320 Millionen Amerikaner - und die sollen die geeignetsten sein?"

Claus Kleber, ZDF-Journalist und früherer US-Korrespondent, bekommt in den USA oft zu hören, dass beide Kandidaten verhasst seien. "320 Millionen Amerikaner - und die beiden sollen die geeignetsten sein?", würden viele sagen. Clinton dagegen sei "die meistgehasste Frau in den USA". Ihr einziger Vorteil: Trump sei noch etwas verhasster.

Vielen Leuten in den USA, sagt Kleber, hänge allerdings der intellektuelle Habitus und die politische Korrektheit zum Hals heraus. "Auch deshalb habe Trump Erfolg." Er rechnet mit einem Sieg Clinton - aber sicher ist er sich nicht: Wir könnten uns sehr verschätzen."

"Trump wäre eine Katastrophe für Europa“

Publizist Andrew Denison warnt: "Trump wäre eine Katastrophe für Europa." Die Wahl des Republikaners sei "ein Zeichen des Trotzes". Er sieht in Trumps Popularität auch Frauenfeindlichkeit, die zum Wahlkampfthema wurde. Clinton sei "zu schlau und hat zu gut ihre Hausaufgaben gemacht".

Die 18-jährige Austauschschülerin Paulina Unfried, die ein Jahr in Minnesota verbrachte, bestätigte alle deutschen Klischee-Vorstellungen von den ländlichen USA: Sie stellte bei ihrer Ankunft überrascht fest: "Die USA sind eine Anreihung von Dörfern." Die gingen jedes Wochenende jagen, haben 20 Waffen im Keller und seien gegen Abtreibung. Jetzt verstehe sie, warum so viele Amerikaner für Trump stimmen: "Die gucken Fox News 24 Stunden."

Landbevölkerung bildet das "kulturelle Herz von Amerika"

Alexander Graf Lambsdorff stimmt ihre Beschreibung der USA zu. Dieses "kulturelle Herz von Amerika" nähmen wir viel zu wenig wahr. Der Vizepräsident des Europäischen Parlaments und FDP-Politiker sieht Clinton gewinnen - "auch wenn ich nicht 100-prozentig sicher bin".

Er räumt aber viele Möglichkeiten ein. Auch er spart nicht aus, dass "Trump wie ein normaler Amerikaner rede" und deswegen Erfolg habe.

Als die Moderatorin ihn fragt, ob Trump mit "so einer Art Dieter Bohlen als Kanzlerkandidat" vergleichbar wäre, stimmt er ihr zu. Er weist darauf hin, dass es auch Europa Figuren wie Trump gebe - zum Beispiel Boris Johnson, Geert Wilders oder die AfD in Deutschland.

"Wir haben das Phänomen des Populismus, dieses Ich-lehne-das-System-insgesamt-ab, dieses Ich-warte-auf-jemanden-der-da-mal-richtig-reinhaut in fast allen westlichen Demokratien", sagt er.

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(lp)