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"Überall war Polizei": Wo der Berliner Terrorverdächtige lebte

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SCHNEBERG
Hier wurde am Mittwochabend der Syrer von der Polizei festgenommen | dpa
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Die Kolonnenstraße im Berliner Stadtteil Schöneberg ist eine Straße, wie es sie zu Tausenden in der Hauptstadt gibt. Imbisse, Spätkaufs, Friseursalons und Bäckereien reihen sich an bunten Häuserfassaden aneinander. In der Mitte der Straße ein Grünstreifen mit Bäumen.

Viele haben schon ihre goldgelben Blätter verloren, andere sind noch grün. Schöneberg ist einer der normalen Berliner Stadtteile - weder Problembezirk noch Villengegend. Dennoch hat hier offenbar ein 27-jähriger Terrorverdächtiger aus Syrien gewohnt, den die Polizei gestern Abend festgenommen hat. Er soll seit 2015 in Deutschland gewesen sein.

"Der Einsatz ging sehr lange", erzählt eine Nachbarin

Die Besitzerin eines Kiosks erzählt, dass sie sich gestern Abend gewundert hat, warum auf einmal keine Kunden mehr ins Geschäft gekommen sind. Bis sie vor die Tür gegangen ist und gesehen hat, dass alles abgesperrt und überall Polizei war. "Als ich einen Polizisten gefragt habe, was los ist, meinten die nur: 'Ach, nichts Schlimmes'", erzählt die kleine Frau mit graumelierten Pferdeschwanz und türkischem Akzent.

"Aber dann ging der Einsatz sehr lange und mir wurde mulmig, deswegen habe ich zu meinem Mann gesagt, lass uns den Laden zumachen." Sie wohnen ganz in der Nähe. Auch wenn sie den Terrorverdächtigen nicht kennt, fühlt sie sich jetzt unwohl: "Das ist schon ein komisches Gefühl, wenn man weiß, wer da in der Nachbarschaft gewohnt hat."

In der Nachbarschaft kennt man sich

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Hauses ist ein Döner-Imbiss. "Ja, ich habe ihn gekannt", erzählt der junge Verkäufer hinter der Theke. Plötzlich schaut er ängstlich und schweigt. Mehr will er nicht mehr sagen, die Polizei sei schon da gewesen.

Die Besitzerin eines Feinkostladens kehrt wie jeden Vormittag den grünen Teppich vor ihrem Geschäft. Er liegt keine 30 Meter von dem Haus entfernt, in dem am Abend zuvor die Verhaftung stattfand. "Wir haben hier eigentlich ein gutes Nachbarschaftsverhältnis, unterhalten uns jeden Tag miteinander auf der Straße." Doch von dem jungen Syrer habe sie nichts mitbekommen.

"Diese Terroristen sind keine Muslime, die haben keine Ahnung vom Koran"

Mit einem Lächeln im Gesicht und Plastikhandschuhen über den Händen öffnet die Besitzerin des Friseursalons direkt unten im Haus, in dem der Terrorverdächtigte gelebt hat, ihre Ladentür. "Wir schließen um 18 Uhr, vom Einsatz habe ich nichts mitbekommen." Ob sie jetzt Angst habe? "Nein, überhaupt nicht, die Sache ist für mich erledigt", sagt sie und wendet sich wieder den Haaren ihrer Kundin zu.

Ein paar Häuser weiter ist eine Sportsbar. Am frühen Morgen sind noch keine Kunden da. "Ich lese gerade im Internet alles über die Festnahme", erzählt der Sohn des Besitzers. Er sitzt am Tisch und raucht eine Zigarette, sein Vater sitzt am Spielautomaten. "Diese Terroristen sind keine Muslime, die haben keine Ahnung vom Koran." Er ist selbst Muslim und sauer: "Wir wären die ersten, die sich um so einen Extremisten kümmern würden, wenn er uns begegnet." Sein Vater nickt zustimmend.

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(mf)