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RB Leipzig ist das Beste, was dem deutschen Fußball passieren kann

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Naby Keita von RB Leipzig jubelt nach einem Tor | AP Photo /Jens Meyer
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Deutschland, schau auf diese Bundesliga-Tabelle. Und du wirst sehen, dass es noch Fußball-Märchen gibt.

Borussia Dortmund? Kickt seinen eigenen Ansprüchen weit hinterher. Wieder einmal so eine Saison, in der die Westfalen Millionen von Euro in die Welt hinaus geblasen haben, ohne dass die treuen Fans auf der Südtribüne auch nur ansatzweise das geboten bekommen, was sie sich erträumen.

Der Hamburger SV? Hat das letzte Mal einen Titel gewonnen, als Pluto noch ein Planet war. Letzter Platz in der Bundesliga, zwei Tore in neun Spielen. Das Elend ist schon längst zum Status Quo an der Elbe geworden.

Aber auf Platz zwei, da steht momentan ein Aufsteiger. RB Leipzig, ein Team aus dem Osten, dort, wo nunmehr zweieinhalb Jahrzehnte lang der Abstiegskampf das höchste der Gefühle war. Die Sachsen sind das einzige Team, das derzeit dem FC Bayern Paroli bieten kann. Nur zwei Punkte trennt Leipzig von der Wundertruppe aus München.

Ein Ost-Team in der Champions League?

Man stelle sich nur mal vor, was passieren würde, wenn RB Leipzig diese sensationelle Frühform durchhalten würde. Wenn der Klub am Ende einen Tabellenplatz belegen würde, der für die Qualifikation für die Champions League berechtigen würde.

Erinnert sich noch jemand daran, wie es war, als der Osten in Europas Meisterklasse vertreten war? Es war im Jahr 1991. David Hasselhoff war irgendwie cool in Deutschland, die Kugel Eis kostete 60 Pfennig, und Hansa Rostock stolperte als letzter Meister der DDR-Oberliga durch den "Europapokal der Landesmeister". Die Veteranen werden sich noch daran erinnern.

Und man hat in dieser Saison das Gefühl: Da geht noch was. Das ostdeutsche Fußballmärchen ist womöglich noch nicht auserzählt. Und vielleicht werden wir uns daran gewöhnen, dass im oberen Drittel der Tabelle ein Team mitspielt, das vor fünf Jahren noch niemand so richtig auf dem Zettel hatte.

Wie schön wäre es, die Bayern-Fans weinen zu sehen

Noch gibt es Hoffnung, dass verblüffte Bayernfans am 34. Spieltag Rotz und Wasser in ihre "Mia san Mia"-Schals heulen, weil es eine Mannschaft gibt, die ihnen das gottgegebene Recht gestohlen hat, am Saisonende die Konkurrenz von oben aus betrachten zu können. Und was könnte es Schöneres geben?

Genau das hat den Zauber im deutschen Fußball immer wieder ausgemacht. Dass man sich nicht die Uhr danach stellen kann, wann einer der zwei, drei auserwählten Übermannschaften die Meisterschale in die Höhe recken kann. Zuletzt war das 2009 der Fall, als die farblose Mannschaft aus Wolfsburg zu einem mittlerweile beinahe vergessenen Triumph gestürmt ist.

RB Leipzig ist genau deswegen das Beste, was dem deutschen Fußball in den vergangenen Jahren passiert ist. Die längst fällige Gegenbewegung zur Dominanz des FC Wir-haben-ein-dickes-Festgeldkonto Bayern. Endlich ist da ein Club mit einem potenten Sponsor, der als Gegengewicht zu den Multi-Millionären aus München fungieren kann.

Im Osten entsteht eine neue Fußballkultur

Und das, obwohl Erfolg in Leipzig keineswegs nur eine Frage des Geldes war. Über Jahre wurde in Sachsen ein Team aufgebaut, das eines Tages in der Bundesliga konkurrenzfähig sein sollte.

Entgegen dem Geheule der so genannten "Traditionsklubs" hat sich RB Leipzig keineswegs damit begnügt, die besten Spieler der Konkurrenz wegzukaufen. Das ist bis heute der Markenkern von Klubs wie dem FC Bayern München, dessen phantasielose Einkaufspolitik an die Strategie von De-facto-Monopolisten in der freien Wirtschaft erinnert.

Nein, in Leipzig ist in den vergangenen Jahren etwas herangewachsen. Ein wenig erinnert der Klub an die seligen, frühen Bundesligajahre der Borussia aus Mönchengladbach.

Die Fans gehen mit

Und auch die Fußballfans im Osten gehen mit. Knapp 43.000 Zuschauer fasst das Stadion in Leipzig, bisher kamen im Schnitt 41.000 Besucher pro Spiel. Anders gesagt: Weniger als fünf Prozent der Plätze auf den Rängen blieben bisher leer. Auch das ist eine sensationelle Quote, die weit über den Werten von Eintracht Frankfurt oder Hertha BSC Berlin liegt.

Im Schatten der "Brausefußball"-Tiraden aus dem Westen entsteht dort derzeit eine lebendige Fankultur. Etwas, das normalerweise nur die selbst ernannten "Traditionsvereine" für sich in Anspruch nehmen.

Man darf gespannt sein, was sich da in Leipzig noch weiter entwickelt. Es kommt sicherlich noch die Zeit, in der sich die neue Fußballkultur in Leipzig auch am Misserfolg beweisen muss. Vorerst jedoch geht das Märchen weiter. Wer etwas anderes gehofft hat, für den dürfte diese Saison eine trübe Angelegenheit werden.

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