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Mutmaßlicher Sex-Übergriff durch Flüchtling auf 15-Jährige: Polizist soll von Anzeige abgeraten haben

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GERMAN POLICE
Wollte die Polizei in Rheinberg verhindern, dass ein mutmaßlicher Sex-Übergriff durch einen Flüchtling nicht angezeigt wird? | Heiko Küverling via Getty Images
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  • Eine 15-Jährige aus NRW sagt, sie sei von einem Flüchtling sexuell bedrängt worden
  • Doch die Polizei wollte die Anzeige einem Medienbericht zufolge zunächst nicht entgegen nehmen
  • Erst als die Frau drohte, die Presse einzuschalten, hätten die Beamten die Anzeige aufgenommen
  • Die Polizei wehrt sich gegen die Vorwürfe

Es ist eine Meldung, die, wenn sie zutrifft, das Zeug zu einem handfesten Polizei-Skandal hat. Im nordrhein-westfälischen Rheinberg soll ein betrunkener Kosovare aus der dortigen Flüchtlingsunterkunft laut einem Bericht der "Rheinischen Post" ein 15-jähriges Mädchen massiv bedrängt haben.

Es habe am vergangenen Freitag abends ihren Hund im Stadtteil Orsoy ausgeführt und habe dabei telefoniert, zitiert die "Rheinische Post“ das mutmaßliche Opfer: "Plötzlich tauchte ein Mann auf und belästigte mich. Er packte meine Schulter, ließ mich nicht mehr los, und versuchte, mich in eine dunkle Ecke zu zerren. Da habe ich laut um Hilfe geschrien."

Der Zeitung zufolge habe ein Polizist "den Fall lange heruntergeredet“. Auch wollte ein Beamter laut "Rheinische Post“ keine Anzeige schreiben. Erst als man ihm damit gedroht habe, die Presse einzuschalten, soll der Beamte seine Meinung geändert haben. Die Polizei bestreitet diese Darstellung gegenüber der Huffington Post in wesentlichen Punkten.

Klar ist: Der mutmaßliche Täter wurde schnell durch den Sicherheitsdienst der Flüchtlingsunterkunft identifiziert. Dann wurde die Polizei angerufen.

"Für uns war von Anfang an klar, dass wir den Mann anzeigen wollten"

"Ich rief meinen Vater an, der sofort dazu kam", sagte das mutmaßliche Opfer der "Rheinischen Post“. Und weiter: "Für uns war von Anfang an klar, dass wir den Mann anzeigen wollten. Und das haben wir auch den drei Polizisten gesagt." Mit Erstaunen habe man dann die Reaktion des wortführenden Beamten vernommen.

Der Vater des Opfers sagte dem Blatt: "Der Beamte riet uns immer wieder davon ab, eine Anzeige zu machen. Das würde nichts bringen." Die 15-Jährige und auch ein Zeuge, der zuvor auf das schreiende Mädchen aufmerksam geworden war und den Angreifer verjagte, bestätigten das.

"Ein Polizist hat gar nichts gesagt, eine Polizistin hat zumindest deutlich gemacht, dass sie mich gut verstehen könne. Aber der Hauptpolizist hat immer wieder auf uns eingeredet und wollte nicht, dass wir den Mann anzeigen", versicherte das Mädchen im Gespräch mit der Zeitung. "Wer soll einem denn noch helfen, wenn nicht die Polizei?", fragt das Mädchen.

Polizei: Strafbarkeit des Verhaltens des mutmaßlichen Täters sei zunächst nicht klar gewesen

Die für die Rheinberger Polizei zuständige Kreispolizeibehörde Wesel will die Vorwürfe so nicht stehen lassen. Man sei gerade dabei, den Vorgang exakt aufzuklären. Klar sei aber schon jetzt, dass nichts vertuscht worden sei. "Kein Kollege würde nach den Silvester-Vorfällen von Köln eine Anzeige zu einem mutmaßlichen Sexualdelikt eines Flüchtlings nicht aufnehmen“, sagt eine Sprecherin der Weseler Behörde der Huffington Post am Mittwochnachmittag.

Natürlich habe die Polizei am Freitagabend vergangener Woche die Anzeige der 15-Jährigen, die wie die HuffPost erfuhr in dem Flüchtlingsheim als Praktikantin arbeiten soll, aufgenommen.

Allerdings hätte ein Beamter an dem Abend dem Zeugen, der die Polizisten von Beginn an aufgefordert habe, wegen Nötigung zu ermitteln, darauf hingewiesen, dass möglicherweise gar keine Straftat vorliege. Denn das Mädchen habe an dem Abend gegenüber den Beamten zwar gesagt, der Kosovare habe es „an der Schulter gepackt“. Davon, dass er es "in eine dunkle Ecke" habe zerren wollen, habe es jedoch nichts gesagt.

Kripo ermittelt

Sollte das Mädchen seine Aussage gegenüber der mittlerweile eingeschalteten Kriminalpolizei um die Aussage, dass es "in eine dunkle Ecke gezerrt werden sollte", ergänzen, werde die Kripo das natürlich in ihre Ermittlungen einfließen lassen, sagte die Polizeisprecherin.

Dann gehe es möglicherweise auch um den Vorwurf einer versuchten Vergewaltigung. Am vergangenen Freitag habe der Polizist aber den Anzeigestellern nur versucht, zu erklären, dass der geschilderte Vorgang eben möglicherweise keine strafbare Handlung darstelle, so die Polizeisprecherin.

Nach Informationen der Huffington Post soll das Opfer offenbar bereits am heutigen Mittwoch bei der Kripo aussagen.

Vorwurf der Vertuschung nicht neu

Bei der örtlichen Polizei hatten seit der Berichterstattung der "Rheinischen Post" am Montag zahlreiche verunsicherte Bürger angerufen. Die Sicherheitsbehörden versichern, bei angezeigten Straftaten könnten sich die Bürger auch darauf verlassen, dass ermittelt werde.

Besonders im Rheinland können mutmaßliche Sex-Übergriffe durch Flüchtlinge oder Migranten und die Reaktion der Polizei in solchen Fällen schnell zum Politikum werden.

Nach der Silvesternacht hatten hunderte Frauen über sexuelle Übergriffe berichtet, die meisten Anzeigen kamen aus Köln. Die dortige Polizei musste sich ebenso wie das nordrhein-westfälische Innenministerium den Vorwurf gefallen lassen, sie hätten Tage lang versucht, die Massen-Übergriffe in der Hauptstadt zu vertuschen.

Übergriffe mitunter erfunden

Darüber hinaus gab es in mehreren Bundesländern Berichte darüber, dass die Polizei angewiesen worden sei, Straftaten von Flüchtlingen zum Teil nicht zu vermelden. Mitunter war die Polizei jedoch bei der Bekanntmachung von Straftaten durch Flüchtlinge auch zu schnell. In Kiel hatten angebliche Übergriffe in der geschilderten Form nie stattgefunden. Doch die spätere Richtigstellung der Polizei ging in der Medienberichterstattung beinahe unter.

Nach Recherchen der Huffington Post waren auch in anderen Städten manche Sex-Übergriffe oder Vergewaltigungen komplett erfunden.

Klar ist aber auch: Sexuelle Gewalt ist in Deutschland ein latentes Problem. Lösen lässt es sich jedoch nicht, in dem die Behörden derartige Vorfälle verschweigen.

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(lp)