Huffpost Germany

Russlandbeauftragter Erler: "Deutsch-russisches Verhältnis hat unter Putin Schaden genommen" (EXKLUSIV)

Veröffentlicht: Aktualisiert:
PUTIN MERKEL
NurPhoto via Getty Images
Drucken
  • Der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler, sieht das deutsch-russische Verhältnis unter Putin beschädigt
  • Mit dem Präsidenten verbinde er vor allem die Rückkehr zu einem autoritären System
  • Zudem kritisierte Erler die öffentliche Debatte in Deutschland - vorschnell gelte man als Putinversteher oder -gegner

Der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD), sieht das deutsch-russische Verhältnis durch Putins Präsidentschaft beschädigt.

"Nach 1991 und besonders in der Putin-Zeit ab dem Jahr 2000 hat ein genereller Entfremdungsprozess zwischen Russland und dem Westen stattgefunden", sagte Erler der Huffington Post, die im Rahmen eines Schwerpunkts Experten und Politiker zum Thema zu Wort kommen lässt. "Das deutsch-russische Verhältnis hat Schaden genommen."

"Verhältnis zu Russland ist erstaunlich krisenresistent"

So werde Präsident Putin mit zahlreichen "negativen Wahrnehmungen verbunden". Dazu zählte Erler die Fälle der ermorderten Journalistin Anna Politkowskaja und des Oppositionspolitikers Boris Nemzow sowie die Annektierung der Krim, der Krieg in der Ostukraine und in Aleppo.

"Die Mehrheit der Deutschen, und das gilt auch für eine Mehrheit im Westen, verbindet das Bild von Putin mit der Rückkehr zu einem autoritären System in Russland im Anschluss an die Jelzin-Zeit, mit Unterdrückung von Opposition und Zivilgesellschaft im Inneren und einer rücksichtslosen Anwendung von Gewalt in Konflikten wie in der Ukraine und in Syrien", sagte Erler.

Dennoch bleibe das Bemühen um einen "kritischen, aber konstruktiven Dialog" mit der russischen Führung in Deutschland mehrheitsfähig. "Das Verhältnis von Deutschland zu Russland erweist sich als stabil und erstaunlich krisenresistent - auf unterschiedlichen Ebenen wie Wirtschaft, Energieversorgung, Kultur und Gesellschaft", sagte Erler.

"Putins Propaganda muss etwas entgegengestellt werden"

Gleichzeitig warnte Erler vor dem Einfluss der russischen Propaganda in Deutschland. "Der zeitweise aggressiven und falsifizierenden russischen Propaganda muss etwas entgegengestellt werden, allerdings im Sinne von Faktenklarstellung und Aufklärung, nicht als Gegenpropaganda", sagte Erler. Das sei im Aufbau und mache weitere Anstrengungen erforderlich.

Eindruck hinterlasse Putin bei denen, die ihm in der Argumentation folgen, Russland sei bisher vom Westen schlecht behandelt worden und müsse sich vor allem gegen die Politik der Vereinigten Staaten stärker behaupten. "Oft verbindet sich im Westen die Zustimmung zu Putin mit einem offenen oder latenten Antiamerikanismus", sagte Erler.

"Man wird vorschnell in das Pro- oder Contralager eingeordnet"

Dass Putin polarisiere, beschreibt Erler als Kommunikationsproblem. "Im öffentlichen Diskurs wird man nach meiner Erfahrung oft vorschnell in das eine oder andere Lager eingeordnet, auch wenn man sich in Wirklichkeit offen verhält zur Abwägung der Prioritäten-Punkte beider Lager", sagte Erler.

So argumentiere das Pro-Lager mit der deutschen Schuld, dem Osthandel und damit, dass Russland ein "unverzichtbarer Partner" sei. Regelverstöße und Vertragsbrüche des Kremls blende man hingegen aus. Für das Anti-Lager sind gerade diese letzten beiden Punkte entscheidend, während die historischen, ökonomischen und geopolitischen Erwägungen demgegenüber zurücktreten.

HuffPost-Tarif

Europa-Flat, Daten-Flat: Einer der günstigsten Handy-Tarife auf dem Markt

Mit der Spar-Aktion der Huffington Post in Zusammenarbeit mit Chip und Tarifhaus bucht ihr einen Smartphone-Tarif, der preislich kaum zu schlagen ist und eine Vielzahl an Vorteilen bietet.
Mehr Infos findet ihr hier.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Eine ebenso simple wie geniale Idee steckt hinter dem Projekt World Bicycle Relief. Diese nämlich lautet: "Fahrrad = Mobilität = Bildung". So einfach kann Hilfe tatsächlich sein.

World Bicycle Relief stellt Menschen in Entwicklungsländern Fahrräder zur Verfügung, damit sie ihr Leben aus eigener Kraft verändern können. Denn in ländlichen Regionen Afrikas bedeutet ein Fahrrad ein großes Maß an Lebensqualität: Es verkürzt die Transportwege und erleichtert seinem Besitzer den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.

Mit über 200.000 Fahrrädern, die in Afrika montiert werden, und 1000 ausgebildeten Mechanikern hilft WorldBicycleRelief vor Ort dabei, Armut zu bekämpfen und fördert Bildung und die wirtschaftliche Entwicklung in Gegenden, die sonst von der Infrastruktur abgeschnitten wären.

Unterstütze sie jetzt bei dieser Arbeit und spende auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(mf)