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Ex-"Cumhuriyet"-Chef Dündar: "Will Europa ein islamofaschistisches Regime in der Türkei?"

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DUENDAR
Der ehemalige "Cumhuriyet"-Chefredakteur Can Dündar | DPA
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  • Am Montag wurden mehrere Journalisten der türkischen Zeitung "Cumhuriyet" festgenommen
  • Nun kritisiert ihr früherer Chefredakteur das Verhalten der Bundesregierung
  • Er fordert zudem von Europa klarere und mutigere Signale in Richtung Türkei

"Die Reaktion der deutschen Regierung war wirklich schwach", bemängelt Can Dündar. Der frühere Chefredakteur der regierungskritischen türkischen Zeitung "Cumhuriyet" kritisiert die Antwort der Bundesregierung auf die Festnahmen von Mitarbeitern der Zeitung.

"Auch im Vergleich mit anderen westlichen Partnern der Türkei, wie etwa der Reaktion der USA", sagte Dündar der "Welt". "Berlin hat die Verhaftungen nicht einmal verurteilt."

Die Behörden hatten am Montag 13 Mitarbeiter der wichtigsten verbliebenen Oppositionszeitung "Cumhuriyet" festgenommen, darunter Chefredakteur Murat Sabuncu. Nach den Festnahmen gab sich die Redaktion kämpferisch.

"Cumhuriyet": "Wir geben nicht auf"

Das Blatt erschien am Dienstag mit der Schlagzeile "Wir geben nicht auf" und kritisierte den erneuten "Schlag gegen die freie Presse" in der Türkei. Statt der Kolumnen der festgenommenen Journalisten Hikmet Cetinkaya und Kadri Gürsel erschienen aus Protest nur weiße Flächen.

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"Besorgt sein hilft uns türkischen Journalisten nicht", sagte Dündar. Der Journalist, der wegen seiner Berichte über Aktionen türkischer Geheimdienste in Syrien vor Gericht kam, lebt zurzeit in Deutschland. Er wurde mit dem Menschenrechtspreis der Organisation Reporter ohne Grenzen ausgezeichnet. Die Zeitung selbst hatte für ihre engagierte Berichterstattung jüngst den sogenannten alternativen Nobelpreis erhalten.

"Ein klares, mutiges Signal für die Demokratie"

"Von den europäischen Regierungen erwarte ich ein klares, mutiges Signal für die Demokratie in der Türkei", sagte er der "Welt". "Seit Jahren sind die Europäer dauernd besorgt. Aber das ändert nichts."

Regierungssprecher Steffen Seibert hatte am Montag erklärt, die Bundesregierung habe "ihrer Sorge Ausdruck gegeben über das Vorgehen gegen Presse in der Türkei". Auf Nachfrage von Journalisten äußerte Seibert aber keine Verurteilung des Vorganges.

Dündar warnte Europa vor zu viel Verständnis für den Kurs des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. "Zu viele europäische Regierungen denken, dass sie unter Erdogan wenigstens eine stabile Türkei bekommen", sagte er der "Welt".

"Wir verlieren die Türkei gerade"

"Europa muss doch aufseiten der Demokratie stehen. Wir verlieren die Türkei gerade. Europa muss sich überlegen, ob es wirklich ein islamofaschistisches Regime in der Türkei akzeptieren will."

Dennoch dürften die Verhandlungen über einen EU-Beitritt des Landes nicht abgebrochen werden. "Isolation wäre eine Bestrafung für die Türkei, aber nicht für Erdogan", so Dündar.

Erdogan "säubert" die Medien

Seit dem Putschversuch Mitte Juli räumt Erdogan knallhart auf, er selber spricht von "Säuberungen". Mehr als 160 Medien und Verlage sind geschlossen worden, mehr als 100 Journalisten sitzen in Haft.

Das Instrument dafür: Der Ausnahmezustand, der Regierung und Präsident weitreichende Vollmachten gibt - und der die Schließung von Medien erlaubt, falls diese "die nationale Sicherheit bedrohen".

Mit Material der dpa

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(mf)