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So reagieren die Medien auf Clintons E-Mail-Affäre

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HILLARY CLINTON COMPUTER
Soll unvorsichtig und unverantwortlich im Umgang mit E-Mails gewesen sein: US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. | Carlos Barria / Reuters
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Wochenlang hat der Republikaner Donald Trump für negative Schlagzeilen im US-Wahlkampf gesorgt. Nun gerät auch Hillary Clinton, seine Kontrahentin um das höchste Amt in den USA, in die Schusslinie – und das nur wenige Tage vor der Präsidenten-Wahl am 8. November.

"Immer wenn die Amerikaner denken, dass sie in diesem Wahlkampf nichts mehr überraschen kann, platzt eine neue Bombe", heißt es in der US-Zeitung "New York Times".

Gemeint ist die E-Mail-Affäre um Hillary Clinton. Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, ob die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten durch die Nutzung ihres privaten Servers - der weitaus anfälliger für Hacker als das gesicherte System des Außenministeriums ist - die Sicherheit der Nation gefährdet und sich damit strafbar gemacht hat.

Den Medienberichten zufolge wurden die Mails Anfang Oktober nach der Beschlagnahme des Computers des Ex-Abgeordneten Anthony Weiner gefunden. Dessen Noch-Ehefrau ist zudem eine enge Clinton-Vertraute sein. Gegen ihn wird nun wegen des Versendens sexuell anstößiger SMS an eine Minderjährige ermittelt.

Die "NYT" fordert aufgrund der Brisanz des Themas unverzüglich "schnelle Antworten" – noch vor der Wahl: "E-Mails von wem? Worum ging es? Gibt es eine enge Verbindung zu Hillary Clinton?" Die Antworten würden nicht nur Trump-Anhänger haben wollen, sondern auch die Gefolgschaft Clintons.

Doch bei vielen amerikanischen Medien hält sich die Kritik an der Person Hillary Clinton im Rahmen. Der Hauptschuldiger in der E-Mail-Affäre ist für die US-Presse jemand ganz anderes – nicht die Demokratin, sondern FBI-Direktor James B. Comey.

US-Zeitungen vermuten "politisch motivierte Aktion“

Landauf, landab kommt Kritik bezüglich seiner Entscheidung auf. Comey hatte den Kongress über die neue Entwicklung in der E-Mail-Affäre Clintons informiert.

Die US-Zeitung "Washington Post“ wirft dem überzeugten Republikaner sogar versuchte Einflussnahme auf die Wahl vor. Warum sonst solle er die Enthüllungen gerade jetzt ans Tageslicht bringen? Dies lasse Spielraum für Spekulationen, so die "Washington Post“.

Comey habe demnach "nicht korrekt“ gehandelt, "Grundprinzipien gebrochen“ und "unserer Demokratie geschadet". Seine Entscheidung widerspreche der langjährigen Praxis des Justizministeriums laufende Ermittlungen nicht zu kommentieren, heißt es seitens anonymer Quellen, die die "New York Times" und die "Washington Post" zitieren.

Auch die Nachrichtensendung "Fox News Sunday“ kritisiert den FBI-Direktor scharf und vermutet ebenfalls eine "politisch motivierte Aktion“ von Comey. Er habe zudem "einen Protokollbruch“ begangen.

Die Welt schaut gebannt nach Amerika

Während die amerikanischen Medien im FBI-Direktor den Schuldigen suchen, haben ausländische Medien eher den Ausgang der 58. US-Präsidentenwahl im Blick.

So schreibt die italienische Zeitung "La Republicca": "Wenn der Skandal so gewaltig ist, wie viele Wähler kann er bei der Stimmabgabe beeinflussen?" Clintons E-Mail-Affäre würde in jeden Fall "die Stimmung an der demokratischen Basis beeinflussen und die Wahlbeteiligung verringern“.

Mit der gesamten republikanischen Partei geht derweil die deutsche Zeitung "Frankfurter Rundschau" ins Gericht: "Dieser Vorfall illustriert, wie tief die Republikaner mittlerweile gesunken sind. Sie kennen keine moralischen Standards und keinen politischen Anstand mehr."

E-Mail-Affäre hat Einfluss auf die Umfragewerte

Auch wenn die US-Medien James B. Comey als Schuldigen ausgemacht haben, geht der Skandal auch an der demokratischen US-Präsidentschaftskandidatin nicht folgenlos vorbei – zur Freude ihres Kontrahenten.

Clintons republikanischer Gegner Donald Trump, der bisher in US-weiten Umfragen durchschnittlich hinter ihr lag, jubilierte. "Das ist die größte Geschichte seit Watergate", sagte er am Freitag. "Ich glaube, das ändert alles."

Und der Unternehmer hat mit seiner Aussage nicht unrecht. Denn einige Tage vor der US-Präsidentschaftswahl am 8. November sind die Umfragewerte von Hillary Clinton dramatisch eingebrochen.

Wie der amerikanische TV-Sender "ABC News“ berichtet, liege Clinton jetzt nur noch einen Prozentpunkt vor ihrem republikanischen Konkurrenten Donald Trump.

Für den Züricher "Tages-Anzeiger“ eine bedenkliche Entwicklung. "Damit setzt Clinton nicht nur die USA, sondern die Welt der Gefahr aus, dass Trump doch noch ins Weiße Haus einzieht“, schreibt das Blatt in seiner Montagsausgabe.

Eine ähnliche Meinung vertritt die belgische Tageszeitung "De Tijd". Hillary Clinton "mag seriöser sein (als Donald Trump), aber sie kann ihr Image der Verlogenheit nicht loswerden". Amerikas Wähler stünden daher am 8. November "vor einer merkwürdigen Entscheidung".

Laut der Schweizer Zeitung sei die demokratische Präsidentschaftskandidatin allerdings an der jetzigen negativen Entwicklung "in vielerlei Hinsicht selbst schuld“. Die Gründe seien ihr eigenmächtiges Handeln, ihre späte Einsicht aus Opportunismus und ihre Arroganz. Hinzu komme, dass sie nur so viel zugebe wie unbedingt notwendig.

Dass Clintons E-Mail-Affäre Einfluss auf die Präsidentenwahl haben könnte, glauben die Journalisten der Londoner Zeitung "The Guardian" allerdings nicht. Die aktuelle Diskussion werde das "Wahlergebnis eher weniger beeinflussen, als manche nun glauben".

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