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Sadistische Horror-Clowns trüben Halloween-Spaß

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CLOWN
dpa
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  • Einen "erbärmlichen Selbstläufer für Sadisten" nennt die Politik die Welle von Übergriffen durch bedrohliche Spaßmacher
  • Horror-Clownmasken sind entweder aus den Regal genommen worden oder verkaufen sich kaum
  • Ihre Träger aber sorgen am Halloween-Abend für gedrückte Stimmung

Nach hunderten Schock-Auftritten mit Horror-Clowns in Deutschland sollte man sich auf jeden Fall ein anderes Halloween-Kostüm aussuchen - das ist die einhellige Meinung von Polizisten, Politikern und Party-Veranstaltern.

Zugleich machen Sicherheitsbehörden erneut klar, dass sie gegen Exzesse bei dem Gruselfest an diesem Montag hart vorgehen wollen. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) betonte: "Halloween und Karneval sind keine rechtsfreien Räume".

GdP-Bundesvize Jörg Radek sagte der dpa: "Die Grenzen zwischen erschrecken und bedrohen sind fließend."

Mehr als 370 Vorfälle mit grell maskierten Angstmachern registrierte die Polizei bereits bis Mittwoch. Sie reichen von bloßen Sichtungen über Erschrecken bis hin zu versuchten oder tatsächlichen Angriffen mit Messern oder anderen Waffen.

Horror-Trend zu einem "erbärmlichen Selbstläufer für Sadisten" geworden

Als einer der jüngsten bekanntgewordenen Fälle soll am Freitagabend beispielsweise ein Unbekannter aus einem Gebüsch heraus in einem Wohngebiet in Augsburg als Clown maskiert einen Passanten angegriffen haben.

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte, der Auftritt als Horror-Clown sei "zu einem erbärmlichen Selbstläufer für Sadisten geworden". Das sei im Alltag genauso fehl am Platz wie an Halloween.

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Einige Betreiber von Clubs, Diskotheken oder Freizeitparks haben reagiert. In der Kölner Diskothek «Club Diamonds» zum Beispiel sind als Grusel-Clowns verkleidete Gäste nicht willkommen.

Der Holiday Park im pfälzischen Haßloch hat die Kostümierung verboten: "Als Horrorclowns verkleidete Besucher dürfen den Park ab sofort nicht mehr betreten", hieß es in der Mitteilung.

Einige Kaufhäuser verkaufen keine Clown-Masken mehr

Auch Masken, die das Gesicht verdecken, sind nicht mehr erlaubt. "Wir bitten alle Halloween- und Gruselfans um Verständnis."

Anders als die beiden Warenhausketten Karstadt und Galeria Kaufhof, die Horror-Clown-Masken und -Kostüme in den vergangenen Tagen aus dem Sortiment genommen haben, verkauft der Kostümgroßhändler Deiters die Masken weiterhin.

"Allerdings haben momentan wenige Leute Lust, sich als Grusel-Clown zu verkleiden", sagte Geschäftsführer Björn Lindert.

"Niemand, der einfach nur Halloween feiern will, greift momentan zu einer Horror-Clown-Maske." Es wolle schließlich niemand beschimpft oder sogar verprügelt werden.

Die Horror-Clowns missbrauchen nach Ansicht eines Clown-Ausbilders das eigentliche Wesen der als Spaßmacher gedachten Figur. "Das positive Image des fröhlichen, liebevollen Clowns wird durch Angst und Schrecken ersetzt", sagte der Akademiedirektor der Clownschule im hessischen Hofheim, Michael Stuhlmiller, der Deutschen Presse-Agentur.

Auch äußerlich habe das Bild nichts mit dem des tatsächlichen Clowns zu tun. "Wir echten Clowns laufen kaum noch mit bunten Anzügen und voll geschminkt herum. Das Kostüm kennen wir meist nur noch von Fasching."