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"Die Vögel"-Star Tippi Hedren: Alfred Hitchcock soll ein Sadist gewesen sein

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Alfred Hitchcock und Tippi Hedren am Filmset von

Er gilt als der unerreichte Meister des Psychothrillers. Ein kleiner, dicklicher Herr mit wulstigen Lippen, der unglaublich herablassend auf seine Umgebung blicken konnte. Der Brite Alfred Hitchcock (1899-1980) war unter all den Paradiesvögeln Hollywoods eine Ausnahmeerscheinung. Originell, witzig, mit kräftigen Touch englischer Überheblichkeit. Doch er hatte noch eine andere Seite. Und die war finster bis unheimlich.

Tippi Hedren (heute 86), einer seiner großen Stars in berühmten Filmen wie "Die Vögel" und "Marnie", schildert in ihrer demnächst erscheinenden Biografie "Tippi: A Memoir" den genialen Regisseur als Widerling und Sadist. Mit psychischer und körperlicher Folter habe er sie zum Sex nötigen wollen. Als er nicht zum Ziel kam, habe er die Karriere der Schauspielerin zerstört.

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Durchbruch mit "Die Vögel"

Hitchcock hatte Anfang der 60er Jahre die weitgehend unbekannte Schauspielerin in einem Werbespot entdeckt. Sie erschien ihm als ideale Hauptdarstellerin für "Die Vögel". Ein engelsgleiches Gesicht, leuchtendes Blond, zurückhaltend. Später schrieb sein Biograf Donald Spoto, dass Hitchcock die damals 31-Jährige zu seiner Göttin bzw. Sklavin umformen wollte.

Die junge Frau war geschieden und hatte eine vierjährige Tochter (die heutige Schauspielerin Melanie Griffith). Am Set isolierte sie Hitchcock von ihren Kollegen, vor allem vom attraktiven männlichen Hauptdarsteller Rod Taylor. Er wollte demonstrieren, dass sie ihm gehörte. Und seine Fantasie malte ihm die verkorkste Vorstellung aus: Da ist eine engelhafte Erscheinung, die sich in eine enthemmte Teufelin verwandelt.

Echte Horrorszenen

Eines Tages fuhr er Tippi Hedren ins Hotel, im Auto stürzte er sich auf sie, versuchte, sie zu küssen. Sie schrie und rannte weg. Ein anderes Mal drängte er sie in eine Ecke, wollte, dass sie ihn berührt.

Immer wieder belästigte der Regisseur die Frau sexuell, doch Hedren verweigerte sich standhaft seinen massiven Avancen. Das bekam sie zu spüren. In den Horrorszenen, in denen sie von Vögeln angegriffen wird, wurden echte Tiere an sie gebunden. Die Attacken waren also echt und schmerzvoll. Durch einen Schnabelhieb hätte sie fast ein Auge verloren. "Es war eklig, brutal und schonungslos", schreibt Hedren in ihrem Buch.

Auch bei den Dreharbeiten zu "Marnie" mit Sean Connery als Partner ließ Hitchcock nicht von ihr ab. Er schickte ihr jeden Abend Champagner, baute von ihrer Set-Garderobe einen Exklusivgang zu seinem Büro, ließ sie von Detektiven beobachten und ihre Handschrift von einem Graphologen begutachten - und wurde erneut zudringlich.

Das Ende ihrer Karriere

Als sie sich wiederum verweigerte, drohte ihr Hitchcock mit dem Karriere-Aus: Er habe die Macht, sie existenziell zu vernichten und sie zum Gespött der Leute zu machen. Doch Hedren blieb hart. Tatsächlich wurde sie in den Jahren danach kaum mehr besetzt. Die Zeit als Hollywood-Star war beendet.

"Ich wäre eine reiche Frau gewesen, wenn es damals ein Gesetz gegen sexuelle Belästigung gegeben hätte", sagte Hedren schon vor Jahren. Und: "Er hatte einen extrem traurigen Charakter."

Damit hat sie gar nicht so Unrecht. Alfred Hitchcock wird auch von engen Freunden als unmäßiger Trinker geschildert, der dann seine sadistischen Fantasien als Mitarbeiter ausließ. Den Schauspieler Montgomery Clift, ebenfalls ein heimlicher Trinker, hat er bei der Abschlussparty zu den Dreharbeiten zu "I confess" (1952) derartig zum Saufen animiert, dass dieser schließlich bewusstlos zusammenbrach.