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"Anne Will": Warum wir dem "digitalen Sarrazin" besser zuhören sollten

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SPITZER
ARD Mediathek
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Es gibt Talk-Show-Gäste, die eine ganze Nation gegen sich aufbringen. Der Psychologe Manfred Spitzer in der "Anne Will“-Sendung war so ein Gast.

Spitzer findet, dass Smartphones und Computer nichts in Schulen zu suchen haben und dass das Internet der Jugend vor allem schadet. Das waren für ihn nicht einfach wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern eine Glaubensfrage, die er laut, stur und vehement verteidigte - und damit die Gäste und Zuschauer an ihre Grenzen brachte.

Dabei gab er einen guten Einblick in die verqueren Ängste vieler Eltern, Lehrer und Beamte.

Viele rufen: Er sagt's wenigstens!

In Talkrunden wirkt der Mann wie der verrückte Außenseiter, in deutschen Wohnzimmern ist er das nicht. Lehrer, Eltern, Beamte in den Bildungsministerien rufen: Er sagt’s wenigstens!

Die Digitalisierung ist bei vielen Deutschen noch nicht so angekommen wie beim FDP-Chef Christian Lindner und Kolumnist Sascha Lobo, die bei “Anne Will” mit ihm stritten.

Die Digitalisierung produziert gewaltige Ängste. Angst davor, dass Schüler verblöden. Dass Lehrer überflüssig werden. Dass Körperteile verkrümmen. Dass Kinder dick, dumm und gewalttätig werden, wie Spitzer sagt.

Ja, das ist völlig abwegig. Aber das macht diese Ängste nicht weniger mächtig. Wegen dieser Schauermärchen sind deutsche Schulen immer noch völlig rückständig.

Man kann nur hoffen, dass Jugendliche intelligenter sind als ihre Lehrer

Die Digitalisierung rennt voran, nicht einmal die Arbeitswelt kommt schnell genug hinterher - wie sollen es Jugendliche, wenn ihnen ständig erzählt wird, dass das Internet ihnen schadet? Hier kann man nur hoffen, dass sie intelligenter als ihre Lehrer sind.

Dass mit der Digitalisierung gewaltige Chancen verbunden sind, haben Spitzer und seine Jünger nicht verstanden - und das ist das riesige Problem.

Wenn es Politikern wie Lindner nicht gelingt, diese Ängste zu begreifen und zu erwidern, dann werden unsere Kindern zu digitalen Analphabeten. Das ist der hohe Preis der Angstmacherei.

Talk-Show-Deutschland hatte schonmal einen Krawallmacher, dem es nicht zuhörte. Thilo Sarrazin war das.

Wie Sarrazin wirft Spitzer mit Zahlen und Daten um sich

Der ehemalige Chef der Bundesbank trat eine Zeit lang als Dauergast in deutschen Talkshows auf und schürte dort mit vermeintlich wissenschaftlichen Studien Angst in der Migrationsdebatte. Lobo nannte Spitzer einen "digitalen Sarrazin" - das trifft es ganz gut.

Wie Sarrazin schaffte es Spitzer durch einen Bucherfolg in die Talkshows und wurde zum gehassten Dauergast.

Spitzer schrieb "Digitale Demenz", ein Standardwerk der Digitalisierungskritiker. Sarrazin wurde mit "Deutschland schafft sich ab" zum Talk-Show-Dauerbrenner. Wie Sarrazin wirft Spitzer in seinen Auftritten mit Studien und Zahlen um sich.

Und wie Sarrazin ist Spitzer in den Talkrunden mit seinen provokanten Forderungen meist auf verlorenem Posten. Erst vor kurzem zankte er sich mit Investor Frank Thelen bei "Hart aber Fair". Und bei Lanz nahm er 2013 schon mal eine ähnliche Sendung auseinander. Und im Netz sorgt Spitzer – wie Sarrazin – für eine Mischung aus Spott und Empörung.

Seither hat sich nichts geändert.

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(lk)