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"Dick, dumm und gewalttätig!": Anne Wills Talk zur Digitalisierung unseres Alltags endet im Krawall

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SPITZER
Psychologe Manfred Spitzer sorgt für einen Eklat bei "Anne Will" | ARD Mediathek
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Wow. Wer hätte gedacht, dass es bei diesem Talkshow-Thema zu einer derartigen Eklat-Sendung kommt.

"Ist der Computer der bessere Mensch?", fragt Anne Will ihre Gäste. Das klingt ein bisschen nach einem Roman von Isaac Asimov. Nach Islam-Debatte und Flüchtlingskrise mal ein entspannter Sonntags-Talk könnte man meinen.

Ein Einspieler wirft einen Blick in die Zukunft und schürt Ängste, dass Computer und Roboter die Menschen ersetzen werden. Darin werden eine Hotelrezeption in Japan gezeigt, in dem ein computergesteuerter Dinosaurier die Gäste empfängt, eine Drohne, die Pakte ausliefert - und natürlich der obligatorische Roboterhund.

"Schlafstörungen, Schulversagen, Depressionen"

Angesichts dessen fürchtet der Psychologe Manfred Spitzer die "Digitale Demenz", die übrigens auch einem seiner Bücher den Titel gegeben hat. Er fordert: "Wir müssen junge Menschen vor digitalen Medien schützen." Computer und Tablets im Unterricht würden mehr Schaden als Nutzen anrichten.

Bis 14 oder 16 Jahren - er will sich da nicht festlegen - solle man junge Menschen vor Computern schützen." Sonst drohten "Schlafstörungen, Schulversagen, Depressionen, Diabetes und Haltungsstörung". Smartphones würden zur "Zombifizierung unserer Kinder" führen.

FDP-Chef Christian Lindner sieht das anders. "Die Digitalisierung ist eine Chance, sie bedeutet den Umbau der Arbeitswelt." Computer würden dazu führen, dass Arbeiten nun höher qualifiziert seien. Auch Bitkom-Chef Rohleder sieht durch die Digitalisierung die Entstehung "gebündelten Wissens, das hilfreich ist, um sich als Mensch auf das Wesentliche konzentrieren zu können“.

Lobo wirft Spitzer bei "Anne Will" "Panikmache" und "Dämonisierung" vor

Blogger Sascha Lobo fordert, sich dem Fortschritt nicht zu schließen. Stattdessen müsse man sich fragen, wie man diesen Fortschritt lenken könne. "Panikmache" und "Dämonisierung" wirft er Spitzer vor. Wenn man dafür sorgen wolle, dass ein Kind auf jeden Fall später arbeitslos werde, sollte man es "dringend von allem Digitalen fernhalten".

"Fangen Sie mal an, nur einen Hauch zu differenzieren", schlägt er Spitzer vor. Er bemüht eine Metapher: Um den Punkt zu machen, dass Wasser tödlich sei, würde der Psychologe einen ertrinkenden Nichtschwimmer zeigen.

Spitzer schlägt mit einer weiteren Metapher zurück. Um zu zeigen, dass Cola gesund sei, würde Lobo einen Verdurstenden zeigen, der eine Flasche des Softdrinks bekommt. "Meine Metapher war schöner!", sagt der Blogger zufrieden.

Lobo wirft Psychologen vor, "Angstmacherrei und Dämonisierung“ zu benutzen, um mehr Bücher zu verkaufen. "Sie mögen schöne rote Haare haben, aber sie haben eine Ahnung!", wirft Spitzer dem Blogger an den Kopf. Aua!

"Herr Spitzer, Her Spitzer, können sie mich hören ...?"

"Ich möchte mal bitte ausreden!", faucht der Psychologe - und ignoriert die Tatsache, dass er schon seit Minuten am Reden ist, während die anderen Gäste nur staunen. "Ich widerspreche nur", sagt Lobo. Die Moderatorin wird zunehmend hilflos: "Herr Spitzer, ich möchte was fragen ... Herr Spitzer, Her Spitzer, können sie mich hören ...?"

Der lässt sich nicht aufhalten. Computer machen "dick, dumm und gewalttätig, und wer das leugnet, hat die Studien dazu nicht gelesen", ruft er.

FDP-Politiker Christian Lindner betrachtet Spitzer leicht mitleidig von der Seite. "Verzicht auf digitale Medien führt nicht zu besseren Umgangsformen", schließt er aus dessen Verhalten.

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(cho)