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"Clinton hat schlechte Karten": Internationale Medien glauben wieder an einen Trump-Sieg

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"Clinton hat schlechte Karten": Internationale Medien glauben wieder an einen Trump-Sieg | Getty / HuffPost
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Wenige Tage vor der Wahl ist Hillary Clintons E-Mail-Affäre auf einmal wieder Thema. Das FBI will neu aufgetauchte E-Mails untersuchen. Die große Frage: Wie groß ist der Schaden für die Demokratin? Wird das Rennen um das Weiße Haus nun doch noch einmal eng?

CNBC-Kolumnist Jake Novak ist dieser Meinung. Er schreibt: "Die jüngste E-Mail-Untersuchung könnte Trump den Wahlsieg bescheren." Er bemüht ein Pokerspiel als Bild, um die Situation zu erklären. Wäre die öffentliche Meinung der Dealer, hätte Clinton nun ganz klar schlechte Karten ausgeteilt bekommen.

Mehr zum Thema: Clinton Opfer eines Komplotts? Die 5 wichtigsten Fragen zur E-Mail-Affäre

Auch Trump habe nicht gerade ein "Gewinnerblatt". "Aber wenn es darum geht, wen wir im Weißen Haus haben wollen, um unser Land zu führen, ist ein vulgärer Kandidat noch immer eine bessere Wahl, als jemand, bei dem wir denken, dass er korrupt ist."

"Es erinnert sie daran, warum sie Bernie Sanders wollten"

Weniger eindeutig positioniert sich die "Washington Post". Die Zeitung titelt in ihrer Online-Ausgabe: "Die Oktober-Überraschung des FBI hat Hillary Clintons furchtbare Woche noch schlimmer gemacht."

Die Zeitung macht drei große Probleme aus, vor die die neuen Enthüllungen Clinton stellen. Zum einen könnte der Vertrauensverlust, der mit der FBI-Ermittlung einhergeht, unentschlossene Wähler in die Hände Donald Trumps treiben.

Zum anderen nehme der Vorfall der "demokratischen Basis" Energie. "Es erinnert viele an die Gründe, warum sie lieber Bernie Sanders als Kandidaten wollten“, glaubt Redakteur Chris Cillizza.

Drittens gibt die aufkochende E-Mail-Affäre den Republikanern noch einmal einen Schub. Viele Republikaner zweifeln an Trump, hochrangige Parteivertreter haben erklärt, nicht für den Populisten zu stimmen.

Die Entscheidung des FBI könnte Zweifler jedoch noch einmal mobilisieren:"Wenn sie noch einen Grund brauchten, sich gegen Clinton zu richten, haben sie jetzt einen.“

"Ein psychologischer Schock"

Dass es eng wird, glaubt man auch in Großbritannien. Noch bevor das FBI verkündete, die Untersuchung in der Causa Clinton wieder aufzunehmen, kommentierte der "Guardian": "Hört auf! Zu glauben, Clinton habe gewonnen, ist gefährlich."

Der "Guardian" verweist auf eine neue Reuters-Ipsos-Umfrage, nach der die Demokratin landesweit nur noch vier Prozent vor Donald Trump liegt. Ein Vorsprung, der durch den neuen Skandal weiter schwinden könnte.

Die italienische Tageszeitung "La Repubblica" schreibt am Samstag: "Der psychologische Schock kommt sofort, die Spannung reicht bis zu den Sternen, Trump jubelt, Hillarys Team ist empört, an der Wall Street geht es abwärts. (...) Zu diesem Zeitpunkt ist der Anteil der unentschiedenen Wähler ziemlich klein, aber eine Enthüllung, die Clinton auf einen Fehler festnagelt, kann zumindest die Stimmung an der demokratischen Basis beeinflussen und die Wahlbeteiligung reduzieren."

"Clintons Krisenmanagement ist nicht zeitgemäß"

Die "Neue Zürcher Zeitung" sieht einen "späten Kick für Trump“. Die "Süddeutsche Zeitung" geht hart mit Hillary Clinton ins Gericht. Diese sei selbst an der Situation Schuld, ihr "Krisenmanagement sei nicht zeitgemäß."

"SZ“-Korrespondent Matthias Kolb schreibt: "Die Angst, dass Trump im Oval Office das Sagen hat, ist weiterhin für viele US-Bürger das bessere Argument für Hillary Clinton als Vertrauen in ihren Charakter."

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(lk)