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Wieso Cannabis in Zukunft Augenkrankheiten heilen könnte

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CANNABIS
Cannabis verbessert womöglich die Nachtsicht | FRANCOIS NASCIMBENI via Getty Images
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  • Eine Studie des Montreal Neurological Institutes legt nahe, dass Cannabis die Nachtsicht verbessert
  • Die Forscher konnten belegen, dass Cannabinoide bei Kaulquappen dazu führen, dass sie im Dunklen besser sehen
  • Sollte das Ergebnis auf den Menschen übertragbar sein, könnten Augenkrankheiten mit Cannabis behandelt werden

Forscher haben schon länger vermutet, dass der Konsum von Cannabis dafür sorgt, dass Menschen in der Nacht besser sehen können.

Eine Studie des Montreal Neurological Institutes hat jetzt wissenschaftliche Belege für diese Behauptung gefunden. Die Forscher entdeckten einen zellulären Mechanismus, durch den Cannabis die Nachtsicht verbessern könnte, wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtet.

Das Augengewebe wird für Licht empfindlicher

Lois Miraucourt und seine Kollegen untersuchten allerdings keine Menschen, sondern Kaulquappen. Weil die Tiere durchsichtig sind, eignen sie sich besonders für Experimente auf Zellebene.

In einer Testreihe trugen sie künstliche Cannabinoide auf das Augengewebe der Kaulquappen auf. Danach maßen die Forscher, wie empfindlich die Zellen, die den Sehnerv der Tiere bilden, auf Licht reagierten.

Das Ergebnis: Die Zellen waren empfindlicher für Licht. Die Rate, mit der die Zellen Signale sendeten, erhöhte sich.

Die Forscher fanden außerdem einen Grund für diese Beobachtung. Ein Eiweiß mit dem Namen NKCC1 wurde durch die Cannabinoide gehemmt.

Das Eiweiß beeinflusst die Konzentration von Chlorideionen. Deren Konzentration wiederum bestimmt die elektrischen Eigenschaften der Zellen. Insgesamt belegen die Experimente, dass sich durch Cannabinoide weniger Chlorideionen in den Zellen befinden – was die Zellen reizbarer für Licht macht.

Mehr zum Thema: Warum ist Cannabis verboten? Die wahren Gründe sind schlimmer, als ihr denkt

Kaulquappen im Dunklen

In einer zweiten Reihe von Experimenten testeten die Forscher, ob die erhöhte Empfindlichkeit der Zellen sich tatsächlich auf die Sicht der Tiere auswirkt.

Kaulquappen vermeiden natürlicherweise dunkle, sich bewegende Punkte. Die Forscher setzten die Tiere in Petri-Schalen und zeigten ihnen dunkle Flecken bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen. Einige der Kaulquappen waren mit Cannabinoiden behandelt, andere nicht.

Bei normalen Lichtverhältnissen konnten die Forscher keinen Unterschied entdecken. Das änderte sich, als es dunkel war.

Kaulquappen, die mit Cannabinoiden behandelt wurden, wichen signifikant mehr dunklen Flecken aus, als Kaulquappen, die nicht behandelt worden waren. Die behandelte Gruppe konnte Kontraste bei wenig Licht besser ausmachen – hatte also eine verbesserte Nachtsicht.

"Unheimliche Fähigkeit im Dunklen zu sehen"

Ob die Ergebnisse der Kaulquappen-Studie wirklich auf Menschen übertragbar sind, bleibt noch offen.

Allerdings hatte schon vor 25 Jahren der Pharmakologe M. E. West auf Jamaica beobachtet, wie "The Guardian" berichtet, dass kiffende Fischer eine "unheimliche Fähigkeiten haben, im Dunklen zu sehen". Er war damals schon davon überzeugt, dass Cannabis für die außergewöhnliche Nachtsicht der Fischer verantwortlich war.

Die Studie aus Montreal scheint seiner Beobachtung nun Recht zu geben.

Sollten die Ergebnisse der Studie auch auf den Menschen zutreffen, könnte Cannabis bei der Heilung von Augenkrankheiten helfen.

Bei einer Krankheit wie der Netzhautstörung Retinitis pigmentosa sterben Zellen der Netzhaut ab. Der Zellmechanismus, den die Forscher aus Montreal entdeckten, könnte die Sicht von Betroffenen wieder verbessern.

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(lp)