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Ein 300 Jahre altes Dokument offenbart eine verstörende Wahrheit über das Himalaya-Gebirge

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BHUTAN TEMPLE
Ein Tempel in Bhutan an einem 900 Meter tiefen Abgrund | Kristen Elsby via Getty Images
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Das Königreich Bhutan ist ein abgeschiedenes Land in den Wolken. Über die Bewohner sagt man, dass sie zu den glücklichsten Menschen der Welt gehören.

Der größte Teil des Königreichs liegt auf durchschnittlich 2000 Meter Höhe im Himalaya-Gebirge.

Bhutan ist nicht nur abgeschieden, sondern galt bisher auch als extrem sicher. Denn anders als die umliegenden Länder Indien und Tibet wurde das Königreich so gut wie nie Opfer von größeren Erdbeben.

Eine Studie hat diesen Mythos jetzt jedoch zerstört.

Ist Bhutan wirklich so sicher?

Forscher nahmen immer an, das kleine Königreich Bhutan liege in einer "seismischen Lücke", sei also von Erschütterungen verschont, weil in der Region keine tektonische Bewegung stattfinde.

Die einzige Ausnahme war ein Beben 2009 mit einer Stärke von 6,1 auf der Richter-Skala, das die Menschen in Bhutan überraschte. Elf Menschen kamen damals ums Leben.

Im Vergleich mit anderen Ländern fiel die Opferzahl allerdings noch gering aus: Bei einem Erdbeben 2015 in nahen Nepal mit einer Stärke von 7,8 beispielsweise starben über 8700 Menschen.

Bis auf das Erdbeben von 2009 ist der Wissenschaft jedoch keine weitere Erschütterung in Bhutan während der letzten 500 Jahre bekannt. Die Menschen glaubten, in der Region sicher zu sein.

Eine wissenschaftliche Studie hat nun jedoch gezeigt, dass auch die 750.000 Einwohner von Bhutan von Erdbeben bedroht sind. Der Mythos des vor Erdbeben sicheren Bhutans ist damit zerstört.

Eine Forschergruppe der Schweizer Universität Lausanne kam zu dem Ergebnis, dass der gesamte Bogen des Himalaya seismisch aktiv sei und jederzeit beben könnte – auch unter Bhutan.

Ein 300 Jahre altes Dokument gab den entscheidenden Hinweis

Mehrmals reisten die Forscher zwischen 2010 und 2015 in das Königreich, nachdem die Regierung nach dem Erdbeben 2009 die Grenzen für Forscher geöffnet hatte. Die Gruppe um den Geophysiker György Hetényi zeichnete kleinere Erdbeben auf und untersuchte die Bewegung der Indischen Platte in der Region.

Ein historisches Dokument führte sie schließlich zu ihrem Ergebnis.

In einer Biographie eines berühmten Tempelbauers fanden sie eine Passage, die ein Erdbeben in der Region von Bhutan beschreibt. 1714 soll laut der Quelle der Boden gebebt haben.

Die Forscher errechneten, dass das beschriebene Erdbeben eine Stärke zwischen 7,5 und 8,5 auf der Richter-Skala erreicht haben könnte. Als Beweis, dass diesen Beben tatsächlich stattgefunden hat, konnten die Forscher auf eine andere Studie zurückgreifen.

"Bhutan ist tatsächlich erdbebengefährdet"

Französische Geologen hatten eine Verwerfung, also eine tektonische Bruchstelle im Gestein, in Bhutan auf den Zeitraum zwischen 1642 und 1836 datieren können.

Hetényi kombinierte die Daten mit seinen eigenen Ergebnissen und bestimmte daraus den wahrscheinlichen Ort des Erdbebens 1714.

"Wir können nun zum ersten Mal sagen: Ja, Bhutan ist tatsächlich erdbebengefährdet, und nicht ein ruhiger Ort im Himalaja", schreibt Hetényi in einer Pressemitteilung.

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Jetzt können sich die Menschen vorbereiten

Bhutan liegt laut der Studie also nicht in einer seismischen Lücke. Es bestehe lediglich eine Lücke an historischen Daten. Die sei nun geschlossen, sagt Hetényi.

Die Ergebnisse der Studie mögen für die Menschen des Königreichs im Himalaya bedrohlich klingen. Immerhin glaubten sie bisher, vor Erdbeben verschont zu bleiben.

Aber die Studie von Hetényi und seinen Kollegen hat auch einen positiven Effekt: Jetzt können sich die Menschen und die Regierung auf Erschütterungen vorbereiten. Sie können nicht mehr - wie 2009 - von einem Erdbeben überrascht werden.

Die Länder im Himalaya-Gebirge werden immer wieder von Beben erschüttert. Das Gebirge entstand, weil die Indische Platte mit der Eurasischen kollidiert ist und begonnen hat, sich unter sie zu schieben. Noch immer stößt die Platte teilweise mit bis zu fünf Zentimeter pro Jahr vorwärts. Erdbeben sind die Folge dieser Bewegung.

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(lk)