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E-Mail-Affäre: FBI nimmt Ermittlungen gegen Clinton wieder auf - die 4 wichtigsten Fragen

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HILLARY CLINTON
EIL - E-Mail-Affäre: FBI nimmt Ermittlungen gegen Clinton wieder auf | Carlos Barria / Reuters
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Wenn die US-Amerikaner über den ausschlaggebenden Faktor sprechen, der über den kommenden US-Präsident entscheiden wird, fällt immer wieder ein Wort. Stamina. Zu Deutsch: Stehvermögen.

Dabei geht es um mentale Stärke, spätestens seit Hillary Clintons Zusammenbruch am 11. September auch um körperliches Durchhaltevermögen. Vor allem aber geht es darum, sich nicht von Skandalen und Misstönen aus der Bahn werfen zu lassen.

Für Clinton wird diese Aufgabe nun noch einmal zum Drahtseilakt. Weniger als zwei Wochen vor der Wahl holt die E-Mail-Affäre die Demokratin wieder ein. Das FBI will weitere Schreiben untersuchen. Für Donald Trump ist das ein gefundenes Fressen.

1. Worum geht es bei der E-Mail-Affäre?

Clinton hatte in ihrer Zeit als Außenministerin, das heißt von 2009 bis 2013, E-Mails auch über einen privaten und nicht gesicherten Server verschickt. Dies kann strafbar sein.

Das FBI hatte seine Ermittlungen im Juli abgeschlossen und empfohlen, keine Anklage gegen die Demokratin zu erheben. Mit der Einstellung der Ermittlungen durch Justizministerin Loretta Lynch galt die Affäre als juristisch beendet. Sie war aber politisch ein Thema, weil Trump und andere Republikaner das Thema immer wieder aufbrachten.

2. Wieso prüft das FBI nun eine Wiederaufnahme der Ermittlungen?

Das FBI kündigte vollkommen überraschend an, weitere E-Mails aus ihrer Zeit als Außenministerin untersuchen zu wollen.

In dem Schreiben von FBI-Chef James Comey hieß es, es seien im Zuge einer anderen Ermittlung weitere E-Mails von Clinton aufgetaucht, die vertrauliche Inhalte enthalten könnten. Es werde geprüft, ob dies für Clintons Fall eine maßgebliche Rolle spiele. Wie lange das dauern könne, sei unklar.

Woher nun die neuen E-Mails kamen oder wer sie abgeschickt und empfangen hat, war zunächst unklar. Wikileaks hatte kürzlich Zehntausende vertrauliche E-Mails aus Clintons Wahlkampfteam veröffentlicht, die nach US-Geheimdienstinformationen von russischen Hackern gestohlen worden waren.

Reince Priebus, Vorsitzender des Republican National Committee mutmaßte in der "New York Times": "Die Entscheidung des FBI, die Ermittlungen wieder aufzunehmen - und das nur 11 Tage vor der Wahl - zeigt, wie ernst der Fall sein muss."

3. Welchen Einfluss hätte eine Wiederaufnahme der Ermittlungen auf die US-Wahl?

Für Clinton ist die Entscheidung des FBI ein durchaus herber Schlag. Denn die E-Mail-Affäre um ihre Person ist seit Aufkommen im März 2015 ihr wohl größter Angriffspunkt.

Noch hat Clinton in den Umfragen einen recht komfortablen Vorsprung vor ihrem republikanischen Kontrahenten Donald Trump.

Laut der AP-GfK-Umfrage liegt sie landesweit mit 51 Prozent vor Trump, der auf 37 Prozent kommt. Die meisten anderen Erhebungen sehen die Ex-US-Außenministerin ebenfalls weit vor dem Milliardär, wenn auch mit geringerem Abstand.

Nun – 11 Tage vor der Wahl – könnte dieser Vorsprung aufgrund des erneuten Vertrauensverlusts schwinden.

Kommt es tatsächlich zu einer Anklage, die das FBI bei einer ersten Prüfung nicht empfohlen hatte, droht Clinton in letzter Konsequenz gar das Ausscheiden aus dem Rennen um das Weiße Haus.

4. Wie reagierten die Kandidaten Clinton und Trump auf die Nachricht?

Trump reagierte auf die Ankündigung des FBI mit den Worten: "Vielleicht wird endlich der Gerechtigkeit Genüge getan." Und weiter: "Wir dürfen nicht zulassen, dass sie ihr kriminelles Komplott bis ins Oval Office trägt ... Das ist größer als Watergate."

Das Team der Demokratin äußerte sich zunächst nicht. Nachfragen von Reportern bei einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa ignorierte Clinton.

Mit Material der dpa.

(lk)