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Hört endlich auf mit euren bescheuerten Junggesellinnen-Abschieden

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BACHELORETTES
Betsie Van Der Meer via Getty Images
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Es war einen Tag nach den Anschlägen von Nizza. In Hannover hatten Passanten in der Innenstadt gerade Kerzen angezündet und ein Schild mit den Worten "Wir trauern um Nice“ aufgestellt.

Direkt davor standet ihr: eine Gruppe von sechs jungen Frauen. Ihr wart von Kopf bis Fuß in Rosa gekleidet. Nur die kleinen Plastik-Penisse auf euren Köpfen waren rot.

Ihr wart gerade dabei eine Flasche Rotkäppchen-Sekt zu leeren und über euren Bauchladen mit Kondomen, Schnaps und Dildos zu lachen. Während hinter euch jemand weinte.

Ich glaube, dass euch gar nicht bewusst war, wovor ihr dort standet. Dafür wart ihr schon zu betrunken. Und es war euch auch egal.

Ich frage mich, was ihr da überhaupt feiert

Schließlich hattet ihr einen Junggesellinnen-Abschied zu feiern. Den zweitwichtigsten Tag vor dem allerwichtigsten Tag im Leben einer Frau. Zumindest, wenn man Frauenzeitschriften glaubt. Und das tut ihr offenbar.

Die weisen seit Jahrzehnten darauf hin, wie wichtig ein perfekter Junggesellinnen-Abschied ist und geben Tipps wie:

"Gruppengefühl schafft ihr zum einen mit dem gleichen Look: T-Shirts passend zum Motto müssen also sein. Zusätzlich können lustige Accessoires das Outfit aufpeppen.“

Dieses Gebot habt ihr mit euren T-Shirts und den Penissen im Haar also schon mal erfüllt.

Ich frage mich nur, was genau ihr da gerade feiert.

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"Das ist eine Tradition“, höre ich oft als Begründung. Meistens weiß aber niemand, der sie feiert, woher diese überhaupt stammt.

Im antiken Griechenland mussten Männer bei einem Junggesellenabschied erst ihre "Würde“ beweisen, ehe sie eine Frau heiraten durften. Befand die jeweilige Familie sie für gut genug, wurden Mann und Frau im Anschluss getrennt voneinander auf die Ehe vorbereitet.

Man kann eigentlich froh sein, dass es diese altmodische Tradition nicht mehr gibt. Aber ihr wollt sie ja unbedingt weiterhin feiern. Heute gerne auch mit dem Totschlag-Argument der modernen und emanzipierten Frau. Euer Freund besäuft sich schließlich auch im Strip-Club mit seinen Freunden.

Aber ist es wirklich emanzipiert, einen Junggesellinnen-Abschied als "den letzten Tag in Freiheit“ zu feiern? Den letzten Tag in Freiheit muss man nur feiern, wenn man glaubt, danach nicht mehr frei zu sein.

Wie schrecklich stellt ihr euch eigentlich die Ehe vor?

"Ein letztes Mal feiern“, "ein letztes Mal saufen“, "ein letztes Mal die Sau rauslassen“, "ein letztes Mal nur mit meinen Mädels sein“, "ein letztes Mal daneben benehmen“. Diese Formulierungen nutzt ihr für eure Junggesellinnen-Abschiedseinladungen.

Welch schreckliche Ehe wollt ihr denn eingehen, in der ihr nicht mehr feiern, saufen, die Sau rauslassen oder Zeit mit euren Freundinnen verbringen könnt? Das klingt wie im antiken Griechenland.

Vielleicht nutzt ihr diese Formulierungen auch einfach nur als Vorwand, um einmal so richtig schön die Kontrolle verlieren zu können. Ehe ihr sie vor eurem Partner für immer aufrecht erhalten müsst. Das zumindest vermuten Paartherapeuten.

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Am besten sauft ihr euch gleich so zu, dass ihr am folgenden Tag der Hochzeit noch genügend Restalkohol im Blut habt. Genauso wie eure Gäste - falls die dann überhaupt noch in der Lage sind, zu kommen.

Denn bei Junggesellenabschieden passieren immer wieder Unfälle.

2015 schubsten Junggesellinnen in den USA die Braut in Spe aus Spaß in einen Pool - seitdem ist sie querschnittsgelähmt. Im gleichen Jahr sprang in Hamburg ein zukünftiger Bräutigam in die Elbe und brach sich dabei die Wirbelsäule.

Erst kürzlich kenterten Männer während eines Junggesellenabschieds mit ihrem Schlauchboot auf der Isar - sie mussten mit einem Hubschrauber notgerettet werden.

Und es gibt noch viele weitere Beispiele.

Der Junggesellinnen-Abschied ist nicht euer letzter Tag in Freiheit

Ihr könnt mir nicht erzählen, dass das nur Zufälle sind. Vielleicht wären diese Unfälle nicht passiert, wenn ihr mal verstehen würdet: Der Junggesellinnen-Abschied ist nicht "euer letzter Tag in Freiheit“.

Ihr werdet nicht von eurem Zukünftigen an den Herd gefesselt. (Falls doch, solltet ihr euch jetzt sofort einen Scheidungs-Anwalt suchen.)

Ihr müsst euch also auch nicht so hemmungslos abschießen, als würde morgen euer Leben enden.

Und: Rosafarbene Cliquen-Outfits waren vielleicht damals lustig, als ihr 12 wart. Plastik-Penisse im Haar eigentlich nie.

Lasst es einfach sein.

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(vr)