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Cro über Til Schweiger und das Gefühl, sein eigener Chef zu sein

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CRO
Cro mit Maren Schwarz | own
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Wie findest du es, dein eigener Chef zu sein?

Sehr gut! Ja, ich mag das. Das ist manchmal auch ein bisschen anstrengend, weil dann wirklich immer alle dich fragen und ankucken wenn es irgendwas zu entscheiden gibt. Dann weiß man es manchmal auch nicht. Die Kunst ist es, schnell zu entscheiden, sonst sind die Dinge weg. Aber ist geil, ich kann machen was ich will.

Du hast bei der Stuttgarter Zeitung Mediendesigner gelernt, zeichnest Cartoons, machst Musik und jetzt kommt auch noch dein erster Film in die Kinos. Wie kam es dazu?

Vor drei Jahren bin ich ins Büro, es war so ein Tag wie heute, Sommer. Ich bin auf den Tisch gestanden und habe gesagt: Ich will nen Film. Ein verrückten Film. Dann haben wir Drehbücher geschrieben und sind rumgesessen und haben gebrainstormed. Haben die Wand voller Post-Its gemacht. Dann hatten wir drei Drehbücher – und am Ende waren wir so: Keine Ahnung mehr welches von den Dreien. Dann lagen alle drei aufeinander und wir dachten: Okaaay, jetzt hat es so ungefähr die Größe eines Drehbuchs, perfekt. Dann nehmen wir alle drei zusammen. So wars.

Wie war es für dich, dich selbst zu spielen?

Ganz einfach. Ich muss mich nicht verstellen um mich selber zu spielen. Das war kein Problem.

Der Film ist keine Künstlerbiografie – warum wolltest du das nicht?

Ich bin gerade mal Mitte 20, jetzt mein Leben zu verfilmen ist doch quatsch. Ich wollte bewusst eine fiktive Geschichte erzählen. Eine verrückte Welt erfinden, die es gar nicht gibt. Deswegen war ja auch die Comic und Zukunfts-Ebene. Ich mag Filme die anfangen mit „Stell dir vor“ „ Was wäre wenn“, wenn ein Film schon so losgeht „Im Jahr 2050“ oder so. Geil.

Es ist aber nicht alles nur fiktiv, oder?

Ja es funkt hier und da eine Wahrheit mit. Das ist ja das spannende an dem Film, dass man nie genau weiß was jetzt Fiktion und was echt ist. Das soll jeder Zuschauer für sich selber raus finden.

Du hast über den Film gesagt: “Ich führe den Zuschauer unbemerkt durch den Film“. Ich fand es schön, wie deine Musik einen tatsächlich fast unbemerkt begleitet und wie gut sie in die Situationen passt. Hattest du zu jeder Szene den passenden Song parat?
Ich bin szenenweise durchgegangen und habe überlegt was wie wo passt. Ich wollte aber nicht nur meine Songs reinknallen, sondern hab mich ein bisschen zurückgenommen. Ich wollte kein Cro Album zum Film machen sondern hab viele Sängerinnen und Sänger geholt, die Sachen einsingen. Ich habe es geschrieben und komponiert. Ich hab viel vom Score mit Lilo Scrimali gemacht, da sind zum Beispiel diese Geigen die , bei witzigen Stellen immer kommen, dieses Baa-Baa-Baa-Baa Babababa. Ich wollte, dass es viel mehr filmischer wird. Score und nicht Soundtrack.

Was dachtest du, als du den Film zum ersten Mal gesehen hast?

Es gab nie den Moment an dem ich so meinte, jetzt habe ich ihn zum ersten Mal richtig gesehen. Wir haben ja schon Teile geschnitten während dem Drehen, dann habe ich immer schon so halbe Versionen gesehen, ohne Ton. Stück für Stück immer ein kleines Stückchen drauf. Deswegen, das erste Mal richtig sehen war gar nicht mehr wirklich spannend. Da hatte ich ihn eigentlich schon zehn Mal gesehen. Alleine alle Szenen sichten ist ja so ekelhaft viel. Zehn Takes von irgendeiner Heul-Szene, kuck dir alle zehn an und dann schneidet man unter Take Nr. 8 noch den Schluchzer von Schnitt Nr.5 , nimmt den Gegenschnitt von Nr.2 und dann nimmt man aus noch einer anderen Szene eine Antwort darauf. Boah, das ist anstrengend!

Wie war es mit Till Schweiger zu arbeiten?

Cool, interessant. Til ist ein saunetter Typ und der erfolgreichste deutsche Schauspieler. Es war spannend zu sehen wie er sein Business im Griff hat. Er ist ja schon ein bisschen länger dabei als ich. Ich hab während dem Dreh viel von ihm gelernt. Hat gut funktioniert mit uns.

Kanntet ihr euch vorher?

Nein. Aber wir waren sofort Eins. Er hat uns eingeladen und hat gleich gemeint „macht was ihr wollt hier “. Kühlschrank auf und so.

Durftest du selbst entscheiden, wer im Film mitspielt?

Ja, wir haben ja die Hauptdarsteller gecastet, Til kam danach dazu. Wir haben das Buch geschrieben, die ersten Darsteller besetzt und parallel nach einem Partner gesucht. Dann kam Til dazu und hat dann natürlich auch noch sein Input gegeben.

Der Film vermittelt eine unglaubliche Energie! Man ist richtig gut gelaunt nach dem man ihn gesehen hat, obwohl die Story nicht nur lustig ist.

Danke, das freut mich natürlich. Der Film ist so aufgebaut, dass man ein auf und ab der Gefühle erlebt. In der Mitte zieht es einen krass runter und dann entwickelt sich wieder diese Dynamik und alle versuchen ihr Ding durchzuziehen. Das ist ja auch die Aussage vom Film. Man muss für seine Ziele kämpfen und dran bleiben.

Das habe ich auch während des Films für mich selber bemerkt. Ich hatte irgendwann keinen Bock mehr. Nach zweieinhalb Jahren so jeden Tag ans Handy gehen, der da telefoniert immer noch (zeigt auf seinen Manager). Aber man muss dran bleiben und weiter machen. raus geht und Bäume ausreisen will und man krass motiviert ist.

Könntest du dir im Moment eher vorstellen ein neues Album oder einen neuen Film zu machen?

Nein. Ich hab jetzt die Schnauze voll vom Film drehen. Es reicht. Sebo (Produzent Chimperator Films): 2 Jahre Filmsperre, ich dreh 2 Jahre keine Filme mehr.

Sebo: Ich hab auch kein Bock mehr mit dir nen Film zu drehen.
Cro: Sehr gut! Mach du dazwischen noch mal einen, mach dich aber nicht kaputt. Geh mal lieber ein halbes Jahr in Urlaub. Du siehst echt scheiße aus.
Sebo: Danke Mann, du auch!
Cro: Danke Mann, ja wegen dir!
Ne, Album! Jetzt habe ich wieder Bock Musik zu machen. Boah man ich liiieeebs im Studio. Ich hab so nen übergeilen Schreibtischsessel. Alles ist ruhig, nur die Geräte summen leicht. Keiner schreit „Klappe“ oder zupft mir am Hemd rum. Beste.

Wann wird es ein neues Album von dir geben?

Verrate ich nicht, es kann jeden Tag passieren.

Ich habe viel über dich gelesen. Wenn ich dich beschreiben müsste, würde ich sagen: Carlo liebt seine Familie, Musik und Tiere. Was würdest du sagen?

Mhm, ja. Ich liebe eher so alle Lebewesen. Nette Lebewesen. Böse Tiere lieb ich nicht. Zecken. Ich würd so dafür beten, dass Zecken aussterben. Es tut mir wirklich leid Zecken, aber ihr dürft wirklich aussterben. Genauso wie Moskitos. Ihr dürft auch aussterben. Verpisst euch. Aber warum sterben Pandas aus? Komisch oder? Aber die sind jetzt wieder da. Weltherrschaft yo.

Deine ganze Familie ist an deinem Erfolgskonzept beteiligt?

Ja, die habe ich alle nach und nach da rein geschaufelt. Meine Schwester war oft bei VIOVIO, meinem Modelabel. Da hat sie sich oft um die Modelmädchen gekümmert und die umgezogen. Was wir halt nicht machen dürfen. Schade! Ne, das ist schon gut so. Die sagen dann immer: Oh ihr seid so nett und so familiär, das ist so toll.

Ich habe mich mit deinem Sternzeichen befasst. Wassermänner sind (angeblich): kreativ, rebellisch und eigenwillig. Was daran trifft auf dich zu?

Stimmt.

Alles?

Ja. Ich bin kreativ und ich will unbedingt meine Visionen durchbringen. Wenn jemand sagt, das seh ich nicht, dann zieh ich weiter, bis ich jemanden finde, der sagt, das seh ich.

Wusstest du, dass Carlo „Ehemann“ oder aber: „der Freie“ bedeutet? Als was siehst du dich eher?

Ehemann oder der Freie? Das ist ja voll gegensätzlich! Und was heißt das jetzt? Oh Gott! Das heißt ich stehe im ewigen Krieg mit diesem Mädchen ey. Ich bin beides! Das ist schwierig, echt ein schwieriges Thema. Weil in Wirklichkeit seh ich mich schon so mit Frau, Kindern und Ruhe. Und andererseits liebe ich halt einfach auch Frauen. Weißt du was ich meine? Warum denn auch nicht? Aber ich will immer das haben was ich gerade nicht habe, deshalb passt das ganz gut. Man will immer das was man nicht hat.

Aber du hast ja schon ziemlich viel oder?

Ja. Da geht’s jetzt ja eher um nicht-materielle Dinge. Man muss sich halt immer entscheiden. Man hat eine Freundin, dann schreiben die Jungs wieder „wir sind unterwegs, komm mit“ und man denkt sich verdammt! Dann ist man mit den Jungs unterwegs und die Freundin fehlt einem. Das Gras auf der anderen Seite vom Zaun ist immer grüner, yo.

Interview: Maren Schwarz