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"Girl on the Train" im Kino: Auf diesem Buch basiert der Film

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GIRL TRAIN
"Girl on Train" mit Emily Blunt basiert auf einem Bestseller | CONSTANTIN FILM/ STORYTELLER DISTRIBUTION CO., LLC
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Im Rekordtempo ist der Bestseller "Girl on The Train" (Blanvalet, 448 Seiten, 12,99 Euro) auf die große Leinwand gekommen. Am heutigen Donnerstag läuft der gleichnamige Thriller in den deutschen Kinos an. Das Buch von Paula Hawkins (44) galt 2015 als große Überraschung, aber Hollywood hatte schon früher den richtigen Riecher. Stars wie Emily Blunt (33), Justin Theroux (45) und Luke Evans (37) sind in dem Streifen zu sehen.

Im Februar 2015 tauchte Hawkins' Buch an der Spitze der "New York Times"-Bestsellerliste auf - und da blieb der Roman 13 Wochen infolge. Erst im Januar war er in den USA erschienen, im März 2015 waren schon über eine Million Exemplare verkauft. In Großbritannien stand das Werk rekordverdächtige 20 Wochen auf Platz eins der Bestsellerlisten, weltweit soll "Girl on the Train" bis August 2016 geschätzt etwa elf Millionen Mal verkauft worden sein. Auch in Deutschland war das Werk über Rachel, die sich nach ihrer Scheidung in den Alkohol flüchtet und bei ihrem täglichen Pendeln mit dem Zug eine schockierende Entdeckung zu machen glaubt, ein voller Erfolg...

Einen Trailer zu "Girl on the Train" sehen Sie bei Clipfish

Verfilmung war schon vor dem Erfolg geplant

Als Filmproduzent Jared LeBoff von Marc Platt Productions "Girl On the Train" im März 2014 das erste Mal las, war das Buch allerdings längst noch kein Sensationserfolg - sondern ein noch unveröffentlichtes Werk einer völlig unbekannten Autorin. Es war "unheimlich" und "verführerisch", sagt LeBoff laut "New York Times" über das Buch. Platt und DreamWorks Pictures schlugen zu und sicherten sich die Rechte. Erst ein Jahr später bemerkten sie, dass das "mehr als ein normales Roman-Film-Projekt" werden wird.

Drehbuchautorin Erin Cressida Wilson erinnert sich, dass sie plötzlich überall Menschen mit dem Buch sah "in der U-Bahn, in Cafés, in Restaurants". Deshalb wollten auch die Filmmacher den Stoff so schnell wie möglich umsetzen - ohne dabei die vielen Leser des Thrillers zu enttäuschen. Die Autorin selbst, Paula Hawkins, zumindest ist begeistert vom Ergebnis: Es sei merkwürdig, weil sie ja wisse, was passiert, wird sie von der "New York Times" zitiert, "aber es hat sich für mich wirklich neu angefühlt".

Ein paar Änderungen gibt es natürlich in der Verfilmung: Um den großen US-Markt zu erobern, wurde die Handlung beispielsweise von den Vororten Londons auf die Bahnlinie zwischen Westchester County nach Manhattan verlegt. Die Autorin selbst hatte zuerst auch einen kleinen Auftritt in dem Zug, der "das Wichtigste an der Story ist", wie sie sagt. In der endgültigen Filmfassung wurde die Szene aber herausgeschnitten, verriet sie der "New York Times" mit einem Lachen weiter.

So entstand der große Erfolg

Über die Grundidee zu "Girl on the Train" sagte Hawkins in einem Interview über den Roman: Diese sei ihr gekommen, "als ich nach London und zurück pendelte. Ich habe immer gerne in die Häuser entlang der Bahnstrecke geblickt und mich gefragt, wie ihre Bewohner wohl lebten. Irgendwann stellte ich mir die Frage, was ich tun würde, wenn ich dabei etwas Schockierendes oder Verblüffendes beobachtete." Zu dieser Idee kreierte sie dann ihre Hauptfigur Rachel: "Ihr Absturz kam unerwartet; in verstörendem Tempo ist sie aus einem Zustand der Glückseligkeit in eine tiefe Trostlosigkeit geschlittert. In ihrem verzweifelten Kampf darum, das Vakuum zu füllen, das ihr früheres Leben hinterlassen hat, geht sie eine imaginäre Verbindung mit einem Paar ein, das sie täglich vom Zug aus sieht." In Wahrheit wisse sie nicht das Geringste über die beiden, so Hawkins weiter, "und hat darum auch keine Ahnung, worauf sie sich einlässt, als sie - nachdem sie etwas Ungewöhnliches und Schockierendes beobachtet hat - den schicksalhaften Entschluss fasst, eine Grenze zu überschreiten, nicht länger Voyeurin zu bleiben, sondern sich aktiv einzumischen".

Hawkins selbst kam der Erfolg von "Girl on the Train" mehr als gelegen. Sie hatte zuvor "finanzielle Schwierigkeiten", wie sie "The Guardian" einmal sagte. Eines ihrer Buchprojekte war gescheitert. Sie sei ein bisschen in Panik geraten und habe sehr schnell die erste Hälfte eines Buches geschrieben - "über eine Frau, die beim Pendeln etwas sieht". Ihrem Agenten habe sie Druck gemacht, es zu den Verlagen zu bringen, "weil ich einen Deal brauchte, ich brauchte ein Einkommen", erzählt die ehemalige Journalistin weiter.

Als sie die alkoholkranke Rachel in den Zug gesetzt hatte, habe sie all die Möglichkeiten gesehen und "dass es um die Wahrnehmung und Glaubwürdigkeit einer Zeugin geht". Mit dieser Geschichte soll die britische Autorin einen Deal im sechsstelligen Bereich abgeschlossen haben, schreibt der "Guardian" weiter. Hawkins sagt über ihren Erfolg: "Ich habe mir so lange um meine finanzielle Situation Sorgen gemacht und darüber, was ich mit meinem Leben anfange, also habe ich Erleichterung empfunden und dann Angst." Die kam, als ihr klar geworden war, dass viele Menschen ihr Buch lesen würden, "das macht einen verletzbar".