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Das Massaker in Aleppo geht unverändert weiter - der emotionale Hilferuf der Vereinten Nationen

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Es sind Worte, die erschaudern lassen.

"Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Keller, zitternd. Es stinkt nach Urin, nach Erbrochenem derer, die sich aus Angst übergeben haben. Oder Sie graben mit Händen nach Ihren schreienden Kindern, die Sie nicht mehr sehen können vor Staub und unter Trümmern. Und Sie haben Angst, dass die nächste bunkerbrechende Bombe, die gestern das Haus des Nachbarn zerstörte, heute den Keller trifft, in dem Sie sitzen. Das sind Menschen wie Sie und ich. Aber die sitzen nicht wie Sie hier gerade um einen Tisch in New York. Die sind ohne ihr Zutun in verzweifeltes Leid gestürzt worden."

Im UN-Sicherheitsrat sprach UN-Nothilfekoordinator Steven O'Brien über die Situation im syrischen Aleppo. Seine Stimme überschlug sich fast, die Wut und das Entsetzen war ihm ins Gesicht geschrieben.

Ost-Aleppo sei eine Todeszone, erklärte O’Brien. Fast 300.000 Menschen sind noch immer im von Rebellen kontrollierten Stadtgebiet eingeschlossen.

Sie sind den brutalen Luftangriffen des syrischen Regimes und russischer Flugzeuge nahezu schutzlos ausgesetzt. Zudem erskaliert auch der Kampf am Boden zunehmend.

Die syrische Regierung wirft Brandbomben und Phosphor auf die Stadt. In den vergangenen Tagen regnete es vor allem Flugblätter auf Ost-Aleppo.

"Die Welt hat euch vergessen"

Darauf zu lesen: "Die Welt hat euch vergessen. Niemand wird euch helfen. Das ist eure letzte Hoffnung. Rettet euch. Wenn ihr nicht geht, werdet ihr ausgelöscht."

Die Nachricht ist genauso grausam wie zynisch. Denn Augenzeugen berichten immer wieder, wie Assads Soldaten gezielt Menschen ins Visier nehmen, die versuchen aus den Rebellenvierteln von Aleppo zu fliehen.

Die Menschen in Aleppo versuchen alles, um weiter ein menschenwürdiges Leben zu führen. Es hat fast etwas von Galgenhumor, wie sie die Flugblätter, als Todesdrohungen auf sie herabgesandt, nutzen, um sich daraus Zigaretten zu drehen.

Russland leugnet Verantwortung

Für O’Brien und die westlichen Vertreter im Sicherheitsrat ist klar: Russland trägt Mitschuld an der humanitären Katastrophe in Aleppo.

Doch Moskau will davon nichts wissen. "Wenn wir eine Predigt hören wollen, gehen wir in die Kirche. Wenn wir Poesie möchten, ins Theater", giftet der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin. Er glaubt: der monatliche Bericht zur Lage in Syrien ist faktisch falsch.

Generalmajor Igor Konaschenkow vom Verteidigungsministerium in Moskau sagte am frühen Donnerstagmorgen, russische und syrische Kampfjets hätten schon seit neun Tagen keine Ziele mehr im Raum Aleppo bombardiert.

"Trotz beendeter Waffenruhe respektieren wir eine Zehn-Kilometer-Zone um die Stadt“ sagte Konaschenkow. Russland halte weiterhin Fluchtkorridore für die Bevölkerung von Aleppo offen. Gefechte würden Zivilisten aber am Verlassen der Stadt hindern, teilte er mit.

Dem Moskauer Staatsfernsehen zufolge verteilten russische Helfer etwa 15 Tonnen Lebensmittel in Aleppo. Nudeln, Reis und Zucker seien vor allem von kurdisch-stämmigen Bewohnern angenommen worden, sagte der Sprecher der Helfer, Daniil Rytschkow.

Allenfalls in schwacher Trost.

"Der Krieg wird immer schlimmer, immer rücksichtsloser“, sagte der UN-Koordinator für Nothilfe in dem Bürgerkriegsland, Jan Egeland, am Donnerstag in Genf.

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(mf)