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Banken-Talk bei "Illner": Lafontaine bringt Söder zur Weißglut

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OSKAR LAFONTAINE
Bei "Maybrit Illner" gerieten Oskar Lafontaine und Markus Söder aneinander | ZDF Mediathek
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Stehen wir vor einer neuen Finanzkrise? Die EZB senkt die Zinsen, um die Wirtschaft in Europa anzukurbeln. Sparer bekommen dadurch kaum Zinsen und müssen immer mehr Gebühren zahlen. Gleichzeitig verzockt sich die Deutsche Bank - ihr Aktienwert bricht um 90 Prozent ein.

"Gier statt Reue - kommt die Banken-Krise zurück?", fragte Moderatorin Maybrit Illner ihre Gäste.

Die Deutsche Bank schickte ihren Sprecher Jörg Eigendorf in die Arena: Der gibt sich tapfer: "Wir haben Fehler gemacht", gesteht er. In der Bank habe es an Kontrolle gefehlt, sie sei bei zu vielen Geschäften dabei gewesen. Gleichzeitig versucht er, die Situation der Bank herunterzuspielen. Die Eigenkapitalquoten werden erfüllt, es gebe kein Liquiditätsproblem. Den Kunden macht er ein Versprechen: "Eine Bank wird auf Dauer nur existieren, wenn sie für die Kunden da ist und daraus ihren Wert generiert."

Investmentgeschäfte sind "wie Atommüll"

So weit, wo erwartbar. Der ehemalige Investmentbanker und Banken-Kritiker Rainer Voss beschreibt in drastischen Worten, wie die Bank sich zu sanieren hat. Die Zocker-Geschäfte müssten in eine "Bad Bank" ausgegliedert werden. "Wie Atommüll, denn man isolieren und in Abklingbecken tun muss."

Markus Söder, CSU-Finanzminister Bayerns, erinnert daran, dass die deutsche Bank einst "ein Stück Seele der deutschen Wirtschaft und Teil der Deutschland AG" war - bis sie "Finanzprodukte aberwitziger Art" entworfen habe. Diese Art von "Kasino-Kapitalismus" dürfe sich nicht mehr lohnen.

"Natürlich" wird die Deutsche Bank gerettet

Er gibt vor allem der Nullzins-Politik der EZB die Schuld an der Misere. "Durch die Zinspolitik wird nicht die Realwirtschaft angekurbelt, sondern werden Sparer massiv belastet und die Finanzwirtschaft aufgebläht."

Illner erinnert ihn daran, dass sein Parteikollege Karl-Theodor zu Guttenberg gesagt habe, dass die Deutsche Bank "natürlich" gerettet würde: "Es wird alles getan, um den Laden am Laufen zu halten", hat von zu Gutenberg gesagt.

Das will Söder so nicht stehen lassen. Die Deutsche Bank müsse ihre Probleme selbst lösen. Man habe nicht mehr die Situation vor fünf Jahren, die Eigenkapitelquote sehen erhöht worden und Deutschland habe ein Regime entwickelt, um eine neue Finanzkrise zu verhindern.

"Herr Lafontaine, nicht immer dazwischenquaken!“

"Der Steuerzahler kann nicht mehr in Anspruch genommen werden", verspricht Söder. Nun lacht der Linken-Politiker Oskar Lafontaine auf. Er verweist auf Italien, wo nun doch wieder der Staat die Banken gerettet haben.

"Herr Lafontaine, nicht immer dazwischenquaken!“, empört sich Söder. "Wenn man ahnungslos, soll man nicht dozieren", pariert der. Der Bayer entgegnet, dass Lafontaine "aus der Realität schon lange draußen" sei.

"Meine Frau hat gesagt, ich soll freundlich zu ihnen sein, ich kann das heute leider nicht erfüllen", sagt er dem Linken.

Der pariert: "Herzliche Grüße an Ihre Frau!“ Söder: "Ob sie sich darüber freut, weiß ich nicht."

Der Linke fordert: "Wir brauchen Sparkassen, keine Zocker-Buden." Er will Bänker in Häftlingskleidung statt Nadelstreifen sehen. "Endlich mal die, die diese Risikogeschäfte gemacht haben, bestrafen und ins Gefängnis bringen." Wenn ein Investmentbanker Erfolg habe kassiere er 50 Prozent, habe er Misserfolg zahle dies der Steuerzahler.

Ist die Deutsche Bank "systemrelevant" oder "gefährlich"?

Nicht umsonst habe der IWF die Deutsche Bank als "gefährlichste Bank der Welt" bezeichnet. Hier widerspricht Eigendorf. Der Währungsfonds habe von "systemrelevant", nicht "gefährlich" gesprochen. Für die Sparer macht das wahrscheinlich keinen Unterschied.

Eine Ausblick in die Zukunft gab Investmentbanker Voss. Illner fragte ihn, ob die Deutsche Bank angesichts ihre Aktienkurse nicht ein Übernahmekandidat sei, etwa von Investoren aus Katar oder China. Doch der sieht andere Käufer: "Denken Sie an Google oder Paypal. Apple kann die Deutsche Bank 20 Mal übernehmen.“ Schließlich hätten die beiden Unternehmen eine Vollbanklizenz in Europa.

Warum übernehmen sie dann nicht? Voss gibt eine überraschende Antwort: "Weil sie nicht in Dinosaurier investieren.“ In 15 Jahren würden wir Bankkonten betrachten, wie heute Wählscheibentelefone.

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