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Diese kleine syrische Stadt zeigt exemplarisch den ganzen Wahnsinn im Nahen Osten

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Diese kleine syrische Stadt zeigt exemplarisch den ganzen Wahnsinn im Nahen Osten | Getty / reuters
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Es waren Bilder, die die Welt bewegten. Frauen rissen sich ihre Verschleierungen vom Körper, verbrannten die schwarzen Ganzkörperkutten. Kämpfer und Kämpferinnen umarmten die Befreiten, Männer schnitten sich voller Erleichterung die langen Bärte ab.

Mitte August befreiten die Demokratischen Kräfte Syriens, eine von kurdischen Rebellen angeführte Miliz, die ethnisch gemischte Stadt Manbidsch im Norden Syriens. 73 Tage lang dauerte die schwierige Offensive gegen den Islamischen Staat, der über zwei Jahre lang in Manbidsch seine Terrorherrschaft ausgeübt hatte.

Jetzt droht den Menschen in der kleinen Stadt in der Provinz Aleppo ein erneutes Blutvergießen. Denn der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte am Mittwoch: „Wir sind wild entschlossen, Manbidsch von den PYD-Kämpfern zu säubern.“

Nun werden die Befreier zu den Bekämpften

Die kurdischen PYD-Kräfte machen einen großen Anteil der Demokratischen Kräfte Syriens aus. Sie waren die Befreier der Stadt, die im Jahre 2009 – lange vor dem Syrienkrieg – fast 100.000 Einwohner zählte.

Die Kurden werden schon lange vom Westen, besonders von den USA unterstützt. Ankara sind sie dagegen ein Dorn im Auge – gelten als verlängerter Arm der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in Syrien.

Erdogan will den Einfluss der kurdischen Milizen im Norden Syriens eindämmen – und beginnt so ein gefährliches Spiel, dass zu einer weiteren Eskalation in der gesamten Region führen könnte.

Denn: Nicht nur gelten die kurdischen Kräfte, die für die Befreiung Manbidschs weltweit gefeiert wurden, größtenteils als moderat, sie stehen immer noch unter dem Schutz der USA.

Auch die Offensive auf Manbidsch im August führten die Demokratischen Kräfte Syriens unter massiver Unterstützung der USA durch. Tagelang flogen die Amerikaner Luftangriffe auf IS-Stützpunkte.

Erdogan betreibt Expansionspolitik

Ebenfalls im August, als die Türkei ihre Bodenoffensive in Syrien begann, warnten hochrangige US-Vertreter Erdogan fast täglich, in Syrien nicht gegen kurdische Kräfte vorzugehen.

Wie die USA auf den Konfrontationskurs Erdogans reagieren wird, ist bislang ungewiss. Klar ist: die Region kommt nicht zur Ruhe.

Auch weil Erdogan seinen Einfluss offenbar nicht nur in Manbidsch ausbauen will – und damit bestehende Machtgefüge bedenklich auf die Probe stellt.

„Jetzt marschieren wir nach Al-Bab“, sagte Erdogan am Donnerstag in Ankara. Al-Bab liegt zwischen Manbidsch und dem heiß umkämpften Aleppo.

Dann wolle er zusammen mit US-Präsident Barack Obama Richtung Rakka vorstoßen. Erdogan erklärte, er habe Obama deutlich gemacht, dass es keine Notwendigkeit gebe, die Kurden-Milizen der YPG bei einer solchen Operation in Al-Rakka einzubinden. Eine öffentliche Reaktion blieb bislang aus.

Nicht nur in Manbidsch droht Chaos

Beobachter sind sich einig: Erdogans vermeintlichem Kampf gegen den Terror liegt eher ein nostalgischer Großmacht-Anspruch zugrunde. Immer häufiger kursieren im türkischen Fernsehen Karten, auf denen sich die Türkei in syrisches und irakisches Staatsgebiet ausdehnt.

Mehr zum Thema: Großreich-Fantasie? Diese Karte könnte Erdogans wahren Plan für Europa und Nah-Ost zeigen

Auch an der Befreiung Mossuls im Irak nehmen türkische Truppen teil – trotz eines ganz klaren Vetos des irakischen Präsidenten Al-Abadi.

Auch hier droht ein unüberschaubares Chaos, wenn neben irakischen Regierungstruppen, schiitischen Milizen und kurdischen Peschmerga-Kämpfern, türkische Soldaten die Stadt befreien sollten.

Chaos, das Manbidsch schon sehr bald droht.

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