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Ligurien und Sanremo - die Strände der drei Jahreszeiten

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Blick auf die Mittelmeerküste von Sanremo

Es war der große Ernest Hemingway, der Pietro Linari in seiner unnachahmlichen Sprache mit einer Statue verglich und ihn gleichzeitig als "wunderbares Beispiel der Beweglichkeit einer Katze" beschrieb. Das war 1924, zu einer Zeit, als Radrennfahrer noch reinen Gewissens als Helden der Landstraße verehrt werden durften. Linari hatte in jenem Jahr den legendären Tagesklassiker Mailand - Sanremo gewonnen, und wenn die Touristen heute auf Leihfahrrädern durch die Galleria Capo Nero zockeln, dann gibt es fünfzig Gründe, auf den eintausendsiebenhundertachtundsechzig Tunnelkilometern fünfzigmal anzuhalten. Exakt so viele Bilder zeigen dort Triumphe und Tragödien der 290 Kilometer andauernden Hatz auf zwei Rädern, die erstmals 1907 ausgetragen wurde. In einem Museum, das eine spärlich beleuchtete Röhre und der Stolz einer ganzen Region ist. Aus einem Stück ligurischer Eisenbahnlinie zwischen Ospedaletti und San Lorenzo al Mare wurde eine Kultstätte für Ciclista, wie Radrennfahrer in Italien genannt werden.

Unweit des ehemaligen Bahnhofs, dessen Stationsschild die alte Schreibweise San Remo bevorzugt, erinnern die blauen Lettern eines betagten, hölzernen Fischerbootes im Hafen von Porto Vecchio an den berühmten Besucher vergangener Tage: Hemingway. Gut kann man sich vorstellen, wie wohl sich der Abenteurer und Lebemann in der Hauptstadt der Blumenriviera, der Riviera dei Fiori, gefühlt haben muss. Ist ja schließlich alles noch da: Der salzige Duft des Meeres, der sich mit dem von Nelken und Rosen zu einem einzigartigen Elixier vermischt. Die kleinen Stadtstrände, an denen sich feiner Sand und weißgraue Kieselsteine abwechseln. Ihre Besucher, die fast das ganze Jahr über im Mittelmeer baden, weil es des milden Klimas wegen hier nur drei Jahreszeiten gibt, Winter ade. Und natürlich die Sanremesi, herzliche und stolze Gastgeber, ligurische Patrioten.

Weitere wertvolle Tipps für Ligurien liefert Ihnen dieser aktuelle Reiseführer

Was nun: San Remo oder Sanremo? "Geht beides," lacht Christiana. "Wir sind da tolerant." Christiana ist hier geboren und aufgewachsen, leitet in Sanremo das Büro des Fremdenverkehrsamtes von Ligurien. Um ein paar Tipps für unseren kurzen Aufenthalt haben wir sie gebeten - und eine eng beschriebene, vierseitige Antwort erhalten. Aber das war ihr nicht genug. "Ich möchte euch meine Stadt zeigen," sagte Christiana - und opferte ihren freien Sonntag für eine wunderbare Mischung Sanremo.

Junge Szene und alte Rezepte

Klar müssen die touristischen Highlights abgehakt werden, die legendäre Spielbank etwa, oder die verwinkelten Gassen der Altstadt La Pigna, wo die Vergangenheit ihre Geschichten erzählt. Wie in der Via Monta, Numero 18, wo ein Schild stolz darauf hinweist, dass dort anno 1794 ein gewisser Napoleon genächtigt habe. Und bevor man sich auf den Weg hinauf zur Festung Santa Tecla macht - von der aus man statt wie früher auf feindliche Galeeren nun auf noble Luxusyachten und sportliche Segelboote blickt - sollte man sich dringend mit einem Teller Nudeln in der Spaghetteria Il Mulattiere, Via Palma 11, stärken. Herrlich!

Dann Christianas Sanremo: Ein Bummel durch die Shoppingmeile der Via Matteotti mit allen Nobelmarken dieser Welt. Auf einen Espresso in eines der zahlreichen Straßencafés auf der Piazza Eroi Sanremesi im Schatten der Cattedrale di San Siro. Und in den frühen Abendstunden runter Richtung Meer, wo zwischen der Via Roma und der Via Nino das Leben tobt. In kleinen Bars und Cafés wird gelacht, getanzt, geflirtet - ein vielversprechender Auftakt für eine lange Nacht.

Unaufgeregtes Blumenparadies

Mauricio, ein attraktiver Sanremesi in den Zwanzigern, lässt sein mit Prosecco gefülltes Glas an meinem klingen und raunt mir augenzwinkernd zu: "Hier triffst du die hübschesten Ragazza Liguriens. Ach, was sag' ich: von ganz Italien!" Na dann: Buona Fortuna! Wir flirten lieber mit ligurischen Spezialitäten und sitzen bald in der kleinen Taverna al 29, dem urgemütlichen Lieblingsrestaurant unserer charmanten Tippgeberin. Es ist eine einfache, aber geniale Küche, die uns Natale Neri, der umtriebige Wirt, kredenzt: Erst Brandacujun, ein Kartoffelpüree mit Stockfisch, dann Barbaginai, wie die Kürbisravioli in Ligurien genannt werden. Dazu ein Glas Rosé Altania aus dem nahen Venitmiglia - mehr braucht es nicht, um glücklich zu sein.

Der Riviera dei Fiori, jenem 60 Kilometer langen Küstenabschnitt in der Provinz Imperia, nähert man sich am besten strampelnd. Auf dem Radweg zehn Kilometer rechts und links von Sanremo zeigt die Natur ihren geballten Reichtum. Palmen und Pinien wechseln sich ebenso ab wie Mimosen und Bougainville, Nelken und Rosen.

Türen als Kunstobjekte in Valloria

In den neben Sanremo bekanntesten Strandorten Ventimiglia, Bordighera in der einen und Bussana Vecchia oder Riva Ligure in der anderen Richtung stehen prächtige Strandpromenaden mit ehrwürdigen Villen als Hinterlassenschaft jener Könige und Fürsten, die einst Ligurien für sich entdeckten. Heute genießen dort jene Reisenden die Unaufgeregtheit und Normalität, denen die nahe Côte d'Azur zu laut, zu schrill und zu pompös ist. Dazu kommen Orte wie Cervo, Imperia, Apricale oder Dolceaqua; jeder für sich einen Besuch wert, und sei es nur eine kurze Stippvisite.

Und dann sollte man sich aufmachen, um für ein oder zwei Tage die wilde Schönheit des Hinterlands der Blumenriviera zu erfahren. Auf schmalen Landstraßen und tausend Kurven, zum Greifen nahe kleben kleine Bergdörfer wie Puppenstuben an den Hängen. Und je höher man kommt, desto rauer wird die Landschaft und spektakulärer werden die Ausblicke in weite, sattgrüne Täler.

Badalucco, der Heilige Gral des Olivenöls

Endlich erreichen wir Valloria, eine weitere pittoreske Ansammlung von alten Gemäuern und engen Gassen, keine 20 Kilometer von Imperia entfernt und doch der Zivilisation weit entrückt. Es ist das Dorf der Bilder, nur 42 Menschen leben dort, hinter mehr als 140 bemalten Türen. Jeden Sommer treffen sich Künstler in Valloria, die hölzernen Pforten von Häusern und Ställen sind ihre Leinwände. Und so entstand eine Open-Air-Galerie, die einmalig ist auf der ganzen Welt.

"Einmalig" - ein gutes Stichwort, das auch für Badalucco gilt, 33 Kurvenkilometer entfernt und so etwas wie der Heilige Gral des ligurischen Olivenöls. Mit knapp 1.200 Einwohnern ist Badalucco der größte Ort im Valle Argentina, in dem die Dörfer größtenteils zwischen 100 und 300 Seelen zählen. Aber wenn es um das Taggiasca geht, jenes berühmte Olivenöl, das es nur in Ligurien gibt, ist Badalucco einzigartig. Was vor allem mit der Ölmühle Olio Roi zu tun hat, die in vierter Generation noch genauso kaltpresst, wie es die Gründer getan haben. In einem der Olivenhaine, von denen der Familienbetrieb unfassbare 32 Hektar bewirtschaftet, treffen wir Rossella Boeri, die Frau des Chefs. Sie zeigt uns, wie aufwändig jedes Jahr 18.000 Liter bester Taggiasca-Qualität hergestellt werden, die bis nach Dubai oder New York exportiert werden. Dazu 100.000 weitere Liter, die Rossella als "normale Qualität" bezeichnet. Im hauseigenen Shop, in dem sich die Touristen neben dem Speiseöl auch mit Kosmetika auf Olivenbasis eindecken, lässt uns die Expertin die Unterschiede erkosten. Unsere deutschen Zungen empfinden bereits die zweite Wahl im Vergleich mit dem, was es in deutschen Supermärkten zu kaufen gibt, als geradezu sensationell.

Es gibt tausend Gründe mehr, wieder nach Ligurien zu reisen. Wenn wir im Kalender blättern, finden wir Ereignisse, über die wir noch gar nicht gesprochen haben. Das Festival della Canzone Italiana, das berühmte italienische Musikfestival am 11. Juni 2017 zum Beispiel. Oder eine Woche später die Battaglia di Fiori, die Blumenschlacht in Ventimiglia. Dumm nur, dass der Vorrat an Taggiasca nicht so lange halten wird, von den Kosmetik-Mitbringseln für die Gattin gar nicht zu reden. Also werden es wohl die Tage vom 7. bis 11. Februar werden. Mailand - Sanremo, 67. Auflage. Leider ohne Hemingway.

Weitere Informationen: www.turismoinliguria.it/de und www.beactiveliguria.it