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Sie beschlossen mit 30 zu heiraten - kurz vor dem Geburtstag schlug das Schicksal zu

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Tetra Images - Yuri Arcurs via Getty Images
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Vermutlich haben viele Menschen so einen Freund oder eine Freundin, zu dem oder zu der sie irgendwann einmal scherzhaft gesagt haben: "Wenn wir 30 oder 40 Jahre alt und Single sind, dann heiraten wir beide eben einfach." Danach haben sie wahrscheinlich gelacht - und den Spruch dann wieder vergessen.

Eine Nutzerin auf der Plattform "imgur" fragte sich jedoch, ob es Freunde geben könnte, die eine solche scherzhafte Verabredung tatsächlich später in die Tat umgesetzt hatten. Sie bat diese Menschen, sich zu melden.

Und tatsächlich meldete sich daraufhin ein Mann, der eine bewegende Geschichte erzählte.

Die Geschichte zeigt, wie zerbrechlich das Leben ist

"Wir haben uns an der Uni getroffen und waren sofort beste Freunde. Ich war 20, sie war 18. Wir haben all unsere Zeit zusammen verbracht. Für kurze Zeit führten wir auch eine Beziehung, aber wir haben niemals richtig gedatet. Dafür war es uns beiden zu wichtig, wild und frei zu sein und unsere Jugend zu genießen.

Wir beide haben andere Leute gedatet und auch darüber gesprochen. Wir waren uns einig, dass, wenn wir eine Beziehung führen würden, es ganz oder gar nicht wäre. Und da keiner von uns beiden seinen vergnügungssüchtigen, promiskuitiven und verantwortungslosen Lebensstil aufgeben wollte, einigten wir uns darauf, keine Beziehung zu führen.

Ein paar Jahre vergingen und wir waren glücklich so wie es war - bis ihre Schwestern starben.

"Sie war die fröhlichste Person, die ich kannte - bis es passierte"

Es war ein Auto-Unfall. Sie waren 16 und 18 und beide wurden getötet. Schon bei der Ankunft im Krankenhaus waren sie tot. Meine Freundin war vollkommen am Boden zerstört. Es tut mir immer noch weh, daran zu denken. Selbst jetzt noch. Ihrem Vater aber ging es noch schlechter. Bis zu dem Punkt, dass er sich eher zu Tode hungern wollte, anstatt weiterzuleben.

Sie zog zu ihm, in einen anderen Staat, um für ihn da zu sein. Sie brach zu allen den Kontakt ab, selbst zu mir. Ich habe sie für zwei Jahre nicht gesehen. Sie war nach diesem Vorfall vollkommen verändert. Vor dem Unfall war sie die fröhlichste, ausgelassenste und positivste Person, die ich jemals getroffen habe.

Als sie von ihrem Vater zurückkehrte, war sie ruhiger und trauriger, vielleicht auch weiser. Ich wollte für sie da sein. Mehr, als ich jemals etwas auf dieser Welt wollte. Dass ich die Dinge nicht für sie in Ordnung bringen konnte und dass ich nichts für sie tun konnte, verletzte mich mehr als alles andere, an das ich denken kann.

Ich glaube das war der Moment, an dem ich realisiert habe, wie sehr ich sie liebe.

"Ich war 25, sie 23. Da schlossen wir unseren Pakt"

Ich habe ihr gesagt, dass ich sie liebe und dass ich mit ihr zusammen sein will. Sie sagte, sie könne sich im Moment keine emotionale Verbindung in irgendeiner Form vorstellen. Vielleicht in ein paar Jahren, sagte sie. Vielleicht auch nie.

Vielleicht würde sie niemals wieder in der Lage dazu sein, sich emotional zu öffnen. Sie sagte, sie würde Abstand von mir brauchen, gerade von mir. Sie sagte, sie müsse verarbeiten, was es bedeute, in einer Welt zu leben, in der ihre Schwestern nicht mehr leben.

Sie sagte mir, sie bräuchte Zeit. Ich sagte ihr, ich würde ihr alles geben, was sie will. Sie erzählte mir, dass sie nie glücklicher war als zu der Zeit, in der wir zusammen waren. Ich habe ihr das gleiche erzählt. Ich sagte ihr, ich würde sie verstehen. Und das war der Moment, in dem wir unseren Pakt schlossen.

Ich war 25, sie war 23. Wir einigten uns: Wenn sie 30 wird und ich 32 und sie sich dann besser fühlt und sich nicht in jemand anderen verliebt hat, genauso wenig, wie ich mich in eine andere verliebt habe, dann werden wir heiraten. So trennten sich unsere Wege.

"Ich habe jede Frau mit ihr verglichen. Sie war perfekt"

Sie zog nach Wyoming, um allein zu sein. Ich zog nach Deutschland, um mich so weit wie möglich von ihr zu entfernen. Zunächst hatten wir keinen Kontakt, doch über die Jahre änderte sich das wieder. Wir schrieben uns Briefe, weil wir es beide mochten, Briefe zu schreiben. Ab und zu mailten wir uns auch.

Ab und zu schickten wir uns gegenseitig Bücher, von denen wir glaubten, dass der andere sie mögen würde. Jahre vergingen und wir kamen uns immer näher.

Als ich 30 wurde, erwähnte ich halb scherzhaft unsere Heirats-Verabredung. Ich erzählte ihr, dass ich niemals in jemanden verliebt war, außer in sie. (Was ich nicht erwähnt habe: Ich hätte mich in niemand anderen verlieben können. Ich habe immer jede andere Frau mit ihr verglichen. Und in meiner Erinnerung war sie perfekt.)

Sie antwortete, dass sie unseren Pakt noch immer ernst meine und dass sie ebenfalls nie in jemand anderen verliebt gewesen wäre. Ich fragte sie, ob sie glaubte, dass sie begonnen hatte, alles zu verarbeiten. Sie sagte, das hätte sie - so, wie man jemals etwas wie diesen Vorfall verarbeiten könne.

"Ich weine jetzt. Ich sollte besser schnell zur Sache kommen"

Ein Jahr später sagte sie mir, sie wolle sich gerne mit mir treffen und Zeit mit mir verbringen, um zu sehen, ob dieser Funke zwischen uns immer noch da wäre.

Er war immer noch da.

Sie lebte in Kalifornien und ich fand einen Job dort. Ich wollte ohnehin schon immer in Kalifornien leben. Sechs Monate später machte ich ihr einen Heiratsantrag. Sie lächelte und sagte, dass sei "unfair", ich müsse so lange warten, bis sie auch 30 sei. Ich dachte mir, dass das blöd sei, aber zu diesem Zeitpunkt lief alles so gut, dass es so schien, als würden ein paar Monate keine Rolle spielen.

Ich weine jetzt, ich sollte besser schnell zur Sache kommen.

Sie starb. Das ist das Ende der Geschichte. Ein betrunkener Fahrer fuhr sie an. Sie lag zwei Tage auf der Intensivstation, bevor ihr Körper aufgab. Ich war auf ihrer Beerdigung. Ich habe auch mit ihrem Vater gesprochen, aber ich weiß nicht einmal mehr worüber.

"Sie hat es geschafft. Also werde ich es auch schaffen"

Ich habe seitdem nie wieder mit ihm gesprochen. Ich habe einfach nicht die Willenskraft dazu, herauszufinden, wie es ihm geht. In diesem November ist diese Geschichte vier Jahre her. Ich bin in Therapie, um zu lernen, wie ich wieder in der Lage bin, Gefühle zu entwickeln.

Andere Gefühle als leere, sinnlose Wut.

Ich frage mich immer, ob sie sich auch so gefühlt hat. Sie hat Fortschritte gemacht. Sie hat gelernt, wieder Gefühle zuzulassen. Dieser Gedanke ist es, der mich nicht aufgeben lässt.

Sie hat es geschafft. Sie würde wollen, dass ich es auch schaffe.

Das ist sie. Das ist die Geschichte.

Es ist eine Scheiß-Geschichte und ich hasse sie.

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