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"Stilvoll"-Autorin Marlene Sørensen im Interview: Das macht guten Stil aus

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Was haben Model Eva Padberg (36), Sängerin Joy Denalane (43) und Schauspielerin Hannah Herzsprung (35) gemeinsam? Jede von ihnen besitzt ihren ganz persönlichen Stil. Autorin und Journalistin Marlene Sørensen widmet sich in ihrem Mode-Ratgeber "Stilvoll" Frauen mit ganz verschiedenen Persönlichkeiten und geht dabei der Frage auf den Grund, was eigentlich guten Stil ausmacht. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erklärt sie, was schöne Kleidung mit uns macht und welche Must-Haves im Herbst 2016 in keinem Kleiderschrank fehlen dürfen.

Coco Chanel hat einst gesagt "Mode ist vergänglich, Stil niemals". Ein Zitat, das Sie so unterschreiben würden?

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Marlene Sørensen: Sofort. Schon weil es ein Sakrileg wäre, Coco Chanel anzuzweifeln. Ich glaube aber auch, dass Stil nicht Stillstand bedeutet, sondern sich mit dem Leben weiterentwickelt - und zwar nicht, indem man immer das vermeintlich Richtige anzieht, sondern sich ausprobiert. Deshalb mag ich ein anderes Zitat von Coco Chanel fast noch mehr: "Achte auf die Frau im Kleid. Wenn man die Frau nicht sieht, ist das Kleid bedeutungslos."

Sie stellen in Ihrem Buch viele schöne, auch bekannte Frauen wie Hannah Herzsprung, Joy Denalane oder Eva Padberg vor. Haben Sie eine persönliche Modeikone?

Sørensen: Falls es ein Foto von Carolyn Bessette Kennedy gibt, auf dem sie nicht unantastbar aussieht, kenne ich es nicht. Was sie vor 20 Jahren getragen hat, würde ich heute fast genauso anziehen. Es stimmt also doch: Stil ist unvergänglich. Meine anderen Ikonen sind aber viel alltäglicher und mir nicht unbedingt bekannt, denn oft inspirieren mich Frauen, die ich zufällig auf der Straße sehe und bei denen ich denke: Toll, was sie anhat und wie sie es trägt, sollte ich auch mal ausprobieren.

Das erste modische Vorbild im Leben einer Frau ist oft die eigene Mutter. Was haben Sie von Ihrer Mutter gelernt?

Sørensen: Leider nicht ihr handwerkliches Geschick. Meine Mama näht viel selbst und das sehr gut. Was ich mir bei ihr abschauen konnte, ist eine Aufmerksamkeit für Details. Was sie trägt, entspricht nicht immer meinem Geschmack - und umgekehrt -, aber es sieht immer gekonnt zusammengestellt aus und eben genau auf sie zugeschnitten. Und sie feiert es, sich schön zu kleiden. Ich mag diese Haltung, dass man sich bei Einladungen feinmacht, für den Gastgeber und für sich selbst.

Wie wirkt es sich auf unser Gemüt aus, wenn wir schöne Kleidung tragen, in der wir uns wohl fühlen?

Sørensen: Positiv. Kleidung trägt man immer auch nach innen. Was möglicherweise abgehoben klingt, aber es geht einem ja wirklich meist besser, wenn man sich gut angezogen fühlt. Oder mieser, wenn man in Schlonzklamotten unterwegs ist. Nichts gegen Tage in Jogginghosen. Aber echte Wohlfühlsachen sind für mich Teile, die einen anheben, nicht zurück auf die Couch ziehen.

Ist sich stilvoll anzuziehen gleichbedeutend mit sich wohlfühlen?

Sørensen: Eher gleichbedeutend mit: Sich gut genug kennen, um etwas anzuziehen, in dem man sich nicht verkleidet vorkommt. Andererseits: Man darf sich schon mal herausfordern und etwas Ungewohntes ausprobieren. Es kann ziemlich viel Vergnügen bereiten, sich so anzuziehen wie die Frau, die man gerne darstellen würde.

Welche Must-Haves braucht jede Frau im Kleiderschrank?

Sørensen: Ich könnte jetzt sagen: Trenchcoat, weißes Hemd, kleines Schwarzes und eine Jeans, die perfekt sitzt. Stimmt auch alles. Im Grunde braucht man aber Teile, in denen man sich unbezwingbar fühlt. Bei mir ist das der Trenchcoat. Für jemand anderen ist es vielleicht eine bonbonpinke Bomberjacke. Ich hoffe, es ist mir gelungen, diese Bandbreite in "Stilvoll" zu zeigen. Es gibt Kleidungsstücke, in denen keine Frau schlecht angezogen ist. Aber jeder hat andere Lieblingsteile und gut angezogen ist man vor allem, wenn man aussieht wie man selbst.

Mit welchen Accessoires ist man immer gut beraten?

Sørensen: Eine Handtasche, in die alles passt. Eine Handtasche, in die nichts weiter passt außer Lippenstift und Schlüssel. Bequeme, lässige Turnschuhe. Nicht so bequeme, dafür großartige High Heels. Und eine Sonnenbrille, weil jeder mit Sonnenbrille besser aussieht.

Nach welchem Prinzip sollten Frauen beim Einkaufen vorgehen?

Sørensen: Indem sie vor dem Kauf überlegen, was sie schon im Kleiderschrank haben und ob es zur Vervollständigung der Garderobe - und des Lebens - nun wirklich dieses Paar tomatenrote Wildleder-Stilettos braucht. Sollte es das tun - nur zu. Gleichsam lohnt es sich auch darüber nachzudenken, ob es das 20. weiße T-Shirt wirklich braucht. Am besten kauft man also mit einer Mischung aus Strategie und Wagemut ein.

Wie geht man am besten mit Fehl- oder Übermutskäufen um?

Sørensen: Mit Humor. Und Unsentimentalität. Wenn es doch nicht das Richtige war, wieder verkaufen, verschenken oder spenden.

In Ihrem Buch finden sich viele Tipps zu Modelabels. Woher holen Sie sich modische Inspiration?

Sørensen: Mir gefallen Zeitschriften wie "Self Service" und "The Gentlewoman", die so aufwendig und kunstvoll gemacht sind, dass man sie sammeln möchte und in denen die Mode etwas Zeitloses und sehr Persönliches hat. Bei Blogs bewundere ich, was Emma Elwin und Lisa Corneliusson mit "Make It Last" geschaffen haben, eine Plattform, die Nachhaltigkeit in der Mode feiert und kein bisschen Öko aussieht. Und "Man Repeller" für den Humor. Bei Instagram bin ich reiner Mode-Accounts ein wenig überdrüssig, weil ich das Gefühl habe, die immer gleichen Klamotten in den immer gleichen Posen zu sehen. Gute Laune machen mir in meinem Insta-Feed zum Beispiel die Fotos von Jessi Frederick, Sofia Wood, Matt Allard oder George Byrne.

Was ist Ihrer Meinung nach das perfekte Outfit für den Herbst 2016?

Sørensen: Camel-Mantel. Samt-Booties. Lackleder-Rock. Grauer Alpaca-Pullover. Bomberjacke. Moment! Das funktioniert vielleicht doch nicht so gut als Komplett-Outfit. So geht es mir beim Einkaufen oft: Ich fange mit einer Liste von Wunschteilen an, die scheinbar überhaupt nicht zusammengehören, aber einzeln zu Stücken passen, die ich schon habe. Bis auf den Lackleder-Rock. Aber man muss auch träumen dürfen.