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Seltene Einblicke in den Kreml: Aktivisten hacken Mailaccount von Putins Chefberater

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SURKOV PUTIN
Wladislaw Surkow - im Vordergrund: der russische Präsident Wladimir Putin | Mikhail Metzel via Getty Images
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  • Putins Chefberater Wladislaw Surkow wurde Ziel eines ukrainischen Hackerangriffs
  • Der Leak besteht aus 2000 E-Mails, die Einblick in sein Wirken geben
  • Insbesondere bestätigt der Datensatz erneut die Verbindungen des Kremls zur Ostukraine

Beim Gipfeltreffen in Berlin sorgte die Anwesenheit von Wladislaw Surkow für einen kleinen Skandal. Denn der Chefberater des russischen Präsidenten Wladimir Putin steht auf der Sanktionsliste der Europäischen Union.

Kaum eine Woche später steht der "grauer Kardinal" des Kremls erneut im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Dieses Mal allerdings unfreiwillig.

"Cyberjunta" hackt sich in Surkows E-Mail-Account

Denn am Dienstag veröffentlichte die ukrainische Hackergruppierung “Cyberjunta” 2000 E-Mails Surkows aus dem Zeitraum September 2013 bis November 2014. Soweit ersichtlich wird das Postfach mit der Adresse "prm_surkova@gov.ru" nicht von ihm selbst, sondern von zwei Assistentinnen betreut.

Zwar birgt der Datensatz zum Großteil weniger frische Erkenntnisse. Dennoch finden sich erneut Belege für die russische Intervention in der Ostukraine. So deckt der Leak die von "Frontal 21" und der "Zeit" aufgedeckten Hinweise der Medienmanipulation des Kremls im Donbass. Surkow wurden Auflistungen der Ausgaben der selbsternannten Donezker Volksrepublik für das dortige Informationsministerium, ein Pressezentrum und eine Zeitung zugesendet.

Eine weitere Mail listet im Donbass getötete separatistische Kämpfer auf, darunter ein russischer Fallschirmspringer. Der Datensatz beinhaltet auch eine Konversation, die zeigt, wie Surkows Stab einen angeblichen "offenen Brief" ostukrainischer Bewohner und korrigierte. Später erschien die Kritik am Vorgehen der Kiewer Regierung auf verschiedenen russischen Websites, unter anderem auch bei "Russia Today".

Authentizität der Daten bestätigt

Derweil bestätigte der ukrainische Geheimdienst SBU die Authentizität der E-Mails, doch das sei "kein wirklich vertrauenswürdiger Befund", erläutert der "Atlantic Council". Der US-Think-Tank analysierte allerdings auch die zugrundeliegende, fast ein Gigabyte große Datei aus Surkows Mailprogramm.

Die Datei enthält neben dem Posteingang auch die gesendeten E-Mails, Entwürfe oder Spam - inklusive Sendungsinformation im Header der E-Mails. Das alles zu fälschen sei schwer. Dem Think Tank zufolge habe man "fast jedes Bit an Informationen in Surkows Posteingang" verifizieren können. Damit ist "ziemlich klar, dass die E-Mails authentisch sind", schreibt der "Atlantic Council".

Letztendlich enthält der Leak jedoch keine Informationen, die den Kreml tief erschüttern werden. Es ist eher der Angriff und die Veröffentlichung von Daten aus Putins engstem Kreis, der die russische Regierung beunruhigen könnte, als der eigentliche, größtenteils profane Inhalt.

Mails enthalten vor allem Briefings und zusammenkopierte Artikel

Viele Mails bestehen aus Briefings von Surkows Assistenten, die Mehrheit sind zusammenkopierte Nachrichtenartikel und Zusammenfassungen über die Lage in den von Georgien abtrünnigen Regionen Abchasien und Süd-Ossetien sowie Moldawien und der Ukraine.

Das ist logisch: Der 52-jährige Surkow ist innerhalb der Präsidialadministration für die Beziehung Russlands zu eben jenen Regionen und Ländern zuständig.

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(lk)