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Ende der Apple-Ära? Diese Gründe sprechen dagegen

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TIM COOKS
Apple CEO Tim Cooks | ASSOCIATED PRESS
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"Die fetten Jahre sind vorbei", schreibt das Handelsblatt, "Apples Talfahrt", titelt Spiegel Online, "Apple wird zum Opfer des eigenen Erfolgs", steht in der Neuen Züricher Zeitung. Die meisten Beobachter sind sich einig: die Ära Apple ist vorbei.

Zugegeben – nach 15 Jahren Rekordmeldung um Rekordmeldung komte es für das Unternehmen fast einer Zäsur nahe, einen geringeren Umsatz als im Vorjahr veröffentlichen zu müssen.

Der Rückgang ist einfach erklärt: Die iPhone-Verkäufe sind nicht mehr so stark - das wirtschaftliche Zugpferd sorgt für rund zwei Drittel des Umsatzes bei Apple.

Die Unternehmensgeschichte ist keine steil nach oben verlaufende

Einen Abgesang zu schreiben ist aber deutlich verfrüht. In Cupertino kennt man sich aus mit Hochs und Tiefs. Apples schon über 40-jährige Unternehmensgeschichte ist keine steil nach oben verlaufende. Auf ein scheinbar nicht endendes Hoch, das seine Anfänge in den späten 70ern nahm und in Lisa, dem ersten Personal-Computer mit grafischer Benutzeroberfläche gipfelte, kam ein Tief.

Von Mitte der 80er Jahre bis 1997, als Gründer Steve Jobs in das Unternehmen zurückkehrte, hatte der Konzern eine Flaute. Kein Produkt wollte so richtig funktionieren, eine bahnbrechende Innovation, gar eine Disruption, also eine eine marktverändernde Entwicklung, blieb aus.

Mit Steve Jobs kam der Wandel

Dann kam Jobs wieder. Der brachte erst den iMac auf den Markt, leitete 2001 mit dem iPod das jetzt beendete Umsatzwachstum ein und sorgte 2007 mit dem iPhone für die größte Veränderung der jüngsten Tech-Geschichte.

Jetzt scheint Apple wieder eine Flaute zu haben. Zum dritten Mal in Folge sinken die Quartalsumsätze. Trotzdem ist der Tech-Riese immer noch das mit Abstand profitabelste Unternehmen der Welt - mit einem Gewinn von 45,7 Milliarden US-Dollar. Auch wenn das Plus in diesem Jahr um elf Prozent gesunken ist.

Und es gibt gute Gründe, warum Apples "Talfahrt" bald beendet sein dürfte:

1. Das Geschäft mit den Diensten

Apple Music, Apple Pay, der App Store, iTunes, iCloud: Apple setzt seit langem nicht mehr rein auf den Verkauf von Hardware. Und das mit Erfolg. Die Dienstleistungssparte konnte im vergangenen Quartal um ein Viertel zulegen.

Apple hat mit dem Service-Geschäft vieles richtig gemacht. In einem Jahr konnte man zum Beispiel 15 Millionen zahlende Kunden für Apple Music gewinnen.

Analysten von Goldman Sachs raten Apple dazu, das Geschäft massiv auszubauen und auf ein Abo-Modell zu setzen. Die Experten haben auch schon einen Vorschlag: Für 50 Dollar im Monat bekommt der Kunde jedes Jahr ein neues iPhone, alle drei Jahre eine neue Apple-TV Box, Apple Music und ein Guthaben bei Apple TV. Das würde die User an ein Paket von Apple-Produkten, egal ob Hardware, Software oder Services binden.

Als Vorbild dient den Bankern Amazon, das mit Amazon Prime auch ein großes Paket bietet. Ob das alleine aber dem erfolgsverwöhnten Unternehmen reicht? Im Vergleich zu dem, was Apple gewohnt ist, handelt es sich bei den 6,3 Milliarden Dollar Quartalsumsatz um Peanuts. Auch Forrester-Analyst Thomas Husson, der für Apple hier durchaus signifikante Erlöse sieht, meint: "Langfristig wird die Sparte nicht groß genug werden, um das iPhone zu ersetzen."

2. Das Jubiläums-iPhone

Im Juni 2007 stellte Steve Jobs das erste iPhone vor - bald wird es zehn Jahre alt. Experten erwarten viel vom Jubiläums-iPhone, denn seit dem iPhone 6 konnte sich das Zugpferd des Unternehmens nicht bedeutend weiterentwickeln. Die kleinen Veränderungen bei Prozessor, Kamera und Design konnten nicht genug Apple-Fans für sich begeistern.

Das sollte und wird sich aber beim neuen iPhone ändern. Da sind sich Analysten sogar so sicher, dass sie ein Wachstum der Apple-Aktie von bis zu 38 Prozent für möglich halten.

Außerdem können die Amerikaner enorm von Samsungs Note-7-Debakel lernen, das als Konkurrent zum iPhone 7 Plus geplant war. Die Verkäufe des neuen iPhones sind nicht in den aktuellen Umsatz einberechnet. Es ist zudem zu erwarten, dass Apples neuestes Pferd im Stall zur erfahrungsgemäß umsatzstarken Weihnachtszeit, besonders aber von Samsungs Versagen profitiert.

Das 2017er-Smartphone könnte dann komplett neue Maßstäbe setzen. Besonders von Augmented Reality, also der Mischung aus Realität und virtueller Realität, und der Siri-Weiterentwicklung wird viel erwartet. Eine oder sogar zwei richtige Innovationen plus neues Design sollten dafür sorgen, dass das iPhone wieder zu alter Stärke findet.

3. Die Akquisitionen

Apple hat in den vergangenen Jahren zahlreiche junge Technologie-Unternehmen gekauft. Und das keinesfalls planlos. Mit Augmented Reality, Sprach- und Bilderkennung, künstlicher Intelligenz und Musik-Startups ist zu erkennen, wo Apple sich in der Zukunft verorten will.

Tim Cook hat oft betont, dass er auf Augmented Reality für die Zukunft setzt – der wahnsinnige Pokémon Go Hype in diesem Sommer hat bereits das Potenzial gezeigt. Und Cooks Lieblingstechnologie könnte im neuen iPhone einen Platz finden - hauptsächlich wegen dem Know-How, das Apple hier eingekauft hat.

Spracherkennung und digitale Assistenten werden zum Alltagsbegleiter – darin sind sich die Tech-Riesen einig. Facebook, Amazon, Microsoft und Google entwickeln was das Zeug hält. Den Anfang des Trends hat aber Apple-Gründer Steve Jobs gemacht. Mit der letzten Übernahme vor seinem Tod: Siri.

Aber Apples digitaler Assistent ist längst nicht mehr State of the Art. Mit Siri 2 im neuen iPhone könnte sich das ändern. Vor gut einem Jahr hat Apple mit "Vocal IQ" ein junges britisches Unternehmen aufgekauft, das mit seiner Spracherkennung in Tests weit besser abgeschnitten hat als alle Großen. Zusammen mit den eingekauften Startups, die sich mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz beschäftigen, könnte die Technologie Siri 2 zum Vorreiter bei den digitalen Assistenten machen.

Apples Musik-Zukäufe sind ebenfalls prominenter Art. Mit der Übernahme von Beats-Kopfhörern hat sich Apple zugleich noch einen Branchen-Insider als Chef gesichert: den Mitgründer und Plattenproduzenten Jimmy Iovine. Der neueste Kauf in dem Bereich ist die populäre Show "Carpool Karaoke".

Deshalb: Es ist zu früh für eine Grabrede

Apple hat nie große Töne gespuckt, bevor ein marktveränderndes Produkt präsentiert wurde. Es gibt genug Gründe die dafür sprechen, dass sich Apple vom kleinen Wachstumstief erholen wird. Die Grabrede sollte deshalb bis auf weiteres in der Schublade bleiben.

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(mf)