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BGH-Urteil zur Kontoüberziehung: So holt ihr euch euer Geld zurück

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DEUTSCHE BANK
Die Deutsche Bank und die Targobank haben laut BGH unangemessene Pauschalen bei der Konto-Überziehung berechnet | Ralph Orlowski / Reuters
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  • Der BGH macht Schluss mit der Pauschale für Dispokredit-Überziehung
  • Deutsche Bank und Targobank verlangen Pauschalen von bis zu knapp drei Euro monatlich
  • Targobank verspricht betroffenen Kunden eine Erstattung

Banken dulden es meistens stillschweigend, wenn das Konto über den Dispokredit hinaus überzogen wird. Allerdings kassieren sie für die Überziehung kräftig ab: Monatlich verlangen manche Institute vom Kontoinhaber eine Pauschale zwischen 2,30 Euro und 4,95 Euro.

Mit dieser Praxis ist jetzt Schluss. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am Dienstag entschieden, dass dieser Betrag unangemessen hoch sei. Damit haben die Karlsruher Richter den Klagen von Verbraucherschützern Recht gegeben. Die hatten gegen die Deutsche Bank und gegen die Targobank geklagt. Die beiden sind die einzigen der großen Banken, die solche Pauschalen erhoben haben.

Pauschale und Überziehungszinsen werden fällig

Bei beiden Fällen war die Überziehung des Girokontos über den vereinbarten Dispokredit das Thema. Banken erheben in solchen Fällen erhöhte Zinsen. Oft sind sie sogar zweistellig.

Für über den Dispo hinaus gehende Überziehungen wurde für die Kunden eine Pauschale fällig. Die lag bei der Targobank bei dem beklagten Konto-Typ bei 2,95 Euro im Monat und bei anderen Konto-Angeboten sogar bei 4,95 Euro. Die Deutsche Bank verlangte mit 6,90 Euro im Quartal. Die Beiträge wurden mit den Sollzinsen verrechnet: Waren die Sollzinsen höher als die Pauschale, verzichteten die Banken auf sie.

Zinsen von über 25.000 Prozent im Jahr möglich

Allerdings konnte es auch dazu kommen, dass bei der Überziehung des Kontos um nur wenige Cent an einem Tag mehrere Euro an Gebühr fällig wurden. So rechnet der BGH bei einer geduldeten Überziehung von zehn Euro für einen Tag bei der Pauschale von 6,90 Euro einen Zinssatz von 25.185 Prozent pro Jahr aus.

Der BGH kritisierte, dass die Zinsen für die Überziehung weit über dem üblichen Satz lägen. Das sei eine unangemessene Benachteiligung der Kunden.

Die Banken argumentierten, dass sie die Pauschal-Beträge bräuchten, um die Sachbearbeiter zu bezahlen. Die müssten sich um die Prüfung der Bonität der Überzieher kümmern. Allein von den teilweise sehr geringen Zinsverdiensten könnten die nicht bezahlt werden.

Das könnt ihr tun

Die Targobank reagierte direkt auf das Urteil: Sie werde umgehend auf die Gebühr für die Überschreitung des Dispokredits verzichten. Außerdem werden berechtigte Ansprüche von bereits gezahlten Pauschalen sofort zurückgezahlt. Von selbst überweist die Bank allerdings nichts zurück: Betroffene müssen sich schriftlich an die Bank wenden.

Eine Reaktion von der Deutschen Bank steht noch aus.

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